Ein Museumsbesuch mit der ganzen Familie lässt viele teils schon heute schlucken. Doch in den nächsten Jahren könnte der Eintrittspreis in den Landesmuseen noch deutlich steigen. Ein Beispiel: Für das Kindermuseum Junges Schloss im Landesmuseum Württemberg zahlt eine Mutter mit Kind aktuell zwölf Euro Eintritt. Das könnte künftig teurer werden. Zumindest, wenn es nach dem Rechnungshof Baden-Württemberg geht. Er empfiehlt in seinem Jahresbericht unter anderem, die Eintrittspreise regelmäßig zu erhöhen. Die Museen sollen so einen größeren Teil ihrer laufenden Kosten selbst erwirtschaften.
Derzeit nehmen die elf Landesmuseen und das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe laut Rechnungshof Baden-Württemberg rund 6,6 Millionen Euro im Jahr durch Eintrittsgelder sowie Führungen und Veranstaltungen ein. Das entspreche lediglich sechs Prozent der laufenden Betriebskosten.
Rechnungshof: Vier Millionen Euro mehr Einnahmen möglich
In Zukunft sollten es mindestens zehn Prozent sein, fordert der Landesrechnungshof. Und empfiehlt, die Eintrittspreise spätestens alle drei Jahre anzupassen. Den bildungspolitischen Auftrag der Landesmuseen will der Landesrechnungshof dadurch ermöglichen, dass Kinder und Jugendliche weiterhin freien Eintritt in die Dauerausstellungen bekommen. Außerdem soll das Ermäßigungssystem beispielsweise für Studierende, Senioren und Gruppen vereinfacht werden.
Nach Berechnungen des Rechnungshofs könnten höhere Eintrittspreise rund vier Millionen Euro Mehreinnahmen bringen. Es geht dabei laut Abteilungsleiter Andreas Knapp nicht um Einsparungen, sondern darum, die Museen finanziell besser aufzustellen. Aus Sicht des Rechnungshofs sind höhere Preise vertretbar. Im bundes- und europaweiten Vergleich seien die Eintrittspreise vieler Landesmuseen eher niedrig und die Qualität der Ausstellungen sei sehr hoch. "Wir müssen nicht den billigen Jakob spielen", so Knapp.
Landesmuseum Württemberg sieht Bildungsauftrag gefährdet
Christina Haak ist wissenschaftliche Direktorin des Landesmuseums Württemberg. Sie hat Verständnis für den Wunsch nach höheren Einnahmen. Gleichzeitig seien Museen aber keine privatwirtschaftlichen Freizeiteinrichtungen, sondern hätten einen öffentlichen Kultur- und Bildungsauftrag.
Menschen mit niedrigerem Einkommen werden definitiv dann nicht mehr ins Museum gehen.
Höhere Eintrittspreise seien deshalb "ein sehr schmaler Grat", sagt Haak. Und beruft sich auf Studien, laut denen Preissteigerungen vor allem Menschen mit geringerem Einkommen von Museumsbesuchen abhielten. Das habe einen erheblichen Einfluss darauf, wer wirklich ins Museum kommt und wer nicht: "Menschen mit niedrigerem Einkommen werden definitiv dann nicht mehr ins Museum gehen."
Das widerspreche dem Anspruch der Museen, kulturelle Teilhabe für alle zu ermöglichen.
Höhere Preise schrecken Besucherinnen und Besucher ab
Wäre der Museumseintritt deutlich teurer, etwa verdoppelt, wäre der Besuch im Museum keine Option für sie, sagt Besucherin Julia bei einer SWR-Umfrage im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart.
Auch Familienvater Jan-Lucas Sommer ist sich sicher: Sollten die Preise deutlich steigen, würde er mit seiner Familie nicht mehr ins Museum gehen. "Das wäre zu teuer. Für das, was wir hier mit unserem Kind mitnehmen können."
Dieter Reicherter ist der Meinung, Museen sollten grundsätzlich kostenlos sein. Wenn die Preise in Zukunft höher sein sollten, sei es völlig klar, dass dann weniger Menschen kommen. Und das Geld könne man leicht bei anderen Dingen einsparen.
Ministerium will Empfehlungen prüfen
Das Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst teilt auf SWR-Anfrage mit, es unterstütze das Ziel des Rechnungshofs, die Einnahmesituation der Landesmuseen zu verbessern. Ob die Eintrittspreise steigen, müsse aber für jedes Museum einzeln entschieden werden. Denn die Museen seien unter anderem unterschiedlich groß und für unterschiedliche Zielgruppen ausgelegt.
Unsere Museen sind Orte außerschulischer Bildung, die allen Menschen offenstehen müssen - unabhängig von ihrer finanziellen Situation.
Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne) hält pauschale Lösungen für die Landesmuseen für ungeeignet. Die Museen seien Orte der Bildung und müssten "allen Menschen offenstehen - unabhängig von ihrer finanziellen Situation". Das Ministerium will die Empfehlungen des Rechnungshofs prüfen. Eine einheitliche Preisuntergrenze von zehn Euro lehnt das Ministerium ab.