Angesichts einer Gesamtverschuldung in Höhe von bis zu 1 Milliarde Euro plant die Stadt, die staatlichen Zuschüsse für die Kultur in den nächsten zwei Jahren um jeweils 8,7 Prozent zu senken. Derzeit finden die Beratungen zum Doppelhaushalt der kommenden Jahre 2026 und 2027 statt.
Es müssen jeweils 80 Millionen eingespart werden, erklärt SWR Kultur Reporterin Marie-Dominique Wetzel. Der Frust sei insbesondere bei den freien Kulturinstitutionen groß, denn Kürzungspotenzial sehe die Stadt insbesondere bei den sogenannten freiwilligen Leistungen, zu denen unter anderem die Kulturförderung gehört.
400 protestieren gegen geplante Einschnitte Gegen die Kürzungen: Freie Kulturszene in Karlsruhe will ein Zeichen setzen
Die Stadt Karlsruhe muss sparen und plant Kürzungen im Kulturbereich. Einige Einrichtungen fürchten um ihre Existenz. Rund 400 Menschen protestierten am Samstag gegen die Pläne.
Karlsruhes freie Kulturszene kämpft um ihre Existenz
Diese Einschnitte träfen insbesondere die freien Kultureinrichtungen hart. Wetzel berichtet von einem Gespräch mit Daniela Kreiner, Geschäftsführerin des kleinen Karlsruher Privattheaters „Das Sandkorn“. Für ihr Haus gehe es tatsächlich ums Überleben, erklärte Kreiner.
Wir haben unser Personal komplett gekürzt, wir haben immens hohe Kosten, die sich ständig steigern und wir haben seit 20 Jahren den gleichen Zuschuss. Wenn jetzt auf diesen nicht erhöhten Zuschuss noch eine Kürzung kommt, dann werden wir das vermutlich nicht überleben.
Von den 21 freien Karlsruher Kultureinrichtungen fürchteten zehn das Aus, so Wetzel. Unter ihnen: das Dokka-Festival, die Kinemathek Karlsruhe und das TanzAreal. Alle arbeiten bereits heute angesichts lange ausgebliebener Erhöhungen der Fördergelder bei gleichzeitig steigenden Mieten und Fixkosten unter schweren finanziellen Bedingungen. „Ohne die vielen Ehrenamtlichen“, so Wetzel „würde da sowieso schon lange gar nichts mehr laufen.“
Kürzungen bedrohen auch große Kulturinstitutionen
Die Kürzungen könnten so insbesondere niedrigschwellige Kulturangebote sowie Angebote für Kinder und Jugendliche betreffen. Die großen Kultureinrichtungen der Stadt träfen die Kürzung sogar doppelt.
Das ZKM und das Badische Staatstheater werden jeweils zur Hälfte von der Stadt und vom Land Baden-Württemberg finanziert. Sollte die Kürzung seitens der Stadt beschlossen werden, müsse das Land seine Förderung entsprechend anpassen. Am Staatstheater gebe es bereits Überlegungen, eine komplette Sparte zu schließen, erklärt Marie-Dominique Wetzel.
Kürzungen in der Kultur sparen 160.000 Euro ein
Am wichtigsten sei, so Wetzel, dass sich die Stadt mit den freien Kultureinrichtungen an einen Tisch setze und Wertschätzung für die Arbeit zeige: „Daran mangelt es nämlich in den Augen der Kulturschaffenden.“
Man müsse sich zudem vor Augen führen, so Wetzel, dass durch die drohenden Sparmaßnahmen die Stadt lediglich rund 160.000 Euro in der Kultur einsparen würde. „Das ist nun wirklich nicht viel, aber es würde eben ganz viel kaputt gehen.“
400 protestieren gegen geplante Einschnitte Gegen die Kürzungen: Freie Kulturszene in Karlsruhe will ein Zeichen setzen
Die Stadt Karlsruhe muss sparen und plant Kürzungen im Kulturbereich. Einige Einrichtungen fürchten um ihre Existenz. Rund 400 Menschen protestierten am Samstag gegen die Pläne.
Sparliste für Doppelhaushalt 2026/27 Karlsruhe: Kita, Bäder, Personal - Fast 400 Sparmaßnahmen und trotzdem reicht's nicht
Karlsruhe muss in den nächsten zwei Jahren jeweils 80 Millionen Euro sparen. Die vorläufige Sparliste für den Doppelhaushalt 2026/27 erreicht das Sparziel von 160 Millionen nicht.
Unternehmer und Immobilieneigentümer müssen trotzdem mehr zahlen Haushaltsloch Baden-Baden: Gemeinderat hat Abstimmung über Sparliste vertagt
Der Gemeinderat in Baden-Baden hat die Abstimmung über die Sparmaßnahmen am Montagabend auf Oktober verschoben. Die Stadt steckt in einer tiefen Finanzkrise.