Diskussion um Lieferketten-Gesetze

EU-Parlament entschärft Lieferketten-Richtlinie - so geht BW-Unternehmen mit den Regeln um

Vom Europaparlament kommt grünes Licht zu Lockerungen bei der Lieferkettenrichtlinie. Das deutsche Gesetz war bereits abgeschwächt worden. Für Ziehl-Abegg bleibt es aufwendig.

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Von Autor/in Thorsten Weik

Mehr Klimaschutz, Arbeitsschutz und Menschenrechte: Die Ziele des Lieferkettengesetzes der EU waren groß. Das Europaparlament will jetzt vieles entschärfen.

Wenn alles kommt wie gedacht, sollen erst Unternehmen ab 5.000 Mitarbeitenden beispielsweise die Einhaltung der Menschenrechte bei Zulieferern überprüfen müssen. Der Beschluss ist gefasst, aber der Rat der 27 EU-Staaten muss noch zustimmen.

Deutsches Lieferkettengesetz bereits entschärft

Das deutsche Lieferkettengesetz gilt seit dem 1. Januar 2023. Seit 2024 sind Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten betroffen.

Das Gesetz wurde von der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bereits entschärft: Berichtspflichten und zentrale Sanktionen sind für einen Großteil der Unternehmen weggefallen.

Lösung für Lieferkettengesetz am Beispiel Ziehl-Abegg

In Deutschland müssen Unternehmen über 1.000 Mitarbeitenden bereits die Lieferkette überprüfen. Viele haben dafür auch schon Lösungen gefunden, etwa der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg aus Künzelsau (Hohenlohekreis). 

Hunderte Bauteile werden in Kupferzell im Hohenlohekreis in Hochleistungsventilatoren verbaut. Diese Einzelteile haben teils eine lange Reise hinter sich. Joachim Ley, der Vorstandsvorsitzende von Ziehl-Abegg, erklärt das am Beispiel eines sogenannten Axialventilators, einem typischen Produkt des Unternehmens.

Hier finden sie ungefähr 300 verschiedene Bauteile und wenn sie dann ins Detail gehen, zum Beispiel eine Leiterplatte mit vielen Bauteilen, in dem Fall aus Südostasien. Die Lieferketten sind global und das macht das Ganze so aufwändig.

Deutschland ist der EU-Regulierung voraus

Joachim Ley ist mit der Lieferkettenüberprüfung längst vertraut. In Deutschland müssen Unternehmen wie Ziehl-Abegg bereits seit Jahren entsprechende Überprüfungen durchführen - denn hier ist Deutschland der EU-Regulierung voraus.

Ein Ziel: Zweifelhafte Unternehmen identifizieren und so beispielsweise Menschenrechte weltweit verbessern. Der Aufwand dafür ist jedoch riesig.

Wir haben als global agierender Mittelständler 7.000 bis 8.000 Lieferanten, die überwacht werden müssen.

Ziehl-Abegg habe die Überprüfung der eigenen Lieferkette im Griff, sagt Ley.

Dienstleister unterstützen bei Überprüfung der Lieferketten

Es gibt aber auch Unternehmen, die Firmen bei der Überwachung ihrer weltweiten Lieferketten Unterstützung anbieten. Eins davon ist das Mannheimer Software-Unternehmen Osapiens. Die Firma hat nach eigenen Angaben etwa 2.200 Kunden in 58 Ländern weltweit.

Der größte Teil des Geschäfts findet in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt - aber auch mehr als die Hälfte im nicht-deutschsprachigen Raum. Das Mannheimer Unternehmen entwickelte ein Analyseprogramm, das weltweite Risiken in Lieferketten aufzeigen und Transparenz schaffen soll.

Alberto Zamora, Mitbegründer und Chef von Osapiens, sagt, in Europa sei das Risiko von Kinderarbeit sehr niedrig, genauso wie in den USA oder in Kanada. In Lateinamerika sei das Risiko mittelgroß. In afrikanischen Ländern sei Kinderarbeit schon eher ein Thema, weil es weniger Schulen gebe.

Das Unternehmen prüft aber nicht nur, ob Kinder ausgebeutet werden. Es geht auch um andere Themen wie Schutzkleidung für das Personal, Löhne oder Umweltrisiken. Zur Analyse nutzt Osapiens Millionen von Datensätzen.

Wir screenen täglich - ich denke, mittlerweile 100.000 verschiedene Quellen in 92 verschiedenen Sprachen - um herauszufinden, ob Lieferanten, die in der Lieferkette sind, vielleicht in Probleme geraten sind.

Wirtschaftliche Vorteile durch Kontrolle der Lieferketten

Eine transparente Lieferkette ist jedoch nicht nur ein Kostenfaktor, sondern hat auch wirtschaftliche Vorteile. Das sieht auch der Vorstandsvorsitzende von Ziehl-Abegg.

Joachim Ley wünscht sich aber, dass die initiale Idee dieses Gesetzes - dass es den Menschen in der Lieferkette gut geht - so umgesetzt wird, dass es bürokratisch nicht überhand nimmt. Alle sollten seiner Meinung nach einen Vorteil daraus haben. Die Unternehmen in Deutschland und der EU sollten nicht unter geringerer Wettbewerbsfähigkeit leiden.

Die Abschwächung des EU-Lieferkettengesetzes haben viele Wirtschaftsverbände gefordert. Bis sie umgesetzt wird, werden aber wohl noch Jahre vergehen.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Thorsten Weik
Portrait
Onlinefassung
Jutta Kaiser
Bild von Jutta Kaiser aus der SWR-Wirtschaftsredaktion.

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