Jeden Tag sind rund 100.000 Reisende am Mannheimer Hauptbahnhof unterwegs. Er gilt als ein wichtiger Knotenpunkt im Südwesten. Damit sich die Besucher und Mitarbeiter an deutschen Bahnhöfen wohler und sicherer fühlen, hat die Deutsche Bahn Anfang des Jahres ein Sofortprogramm auf den Weg gebracht. 50 Millionen Euro stehen bundesweit für insgesamt 35 ausgewählte stark frequentierte Bahnhöfe zur Verfügung. Darunter sind insgesamt vier Bahnhöfe in Baden-Württemberg: Stuttgart, Mannheim, Heidelberg und Ulm.
Mehr Sicherheitspersonal am Mannheimer Hauptbahnhof
In Mannheim sind seit Februar mehr Sicherheitskräfte im Einsatz - in den Morgen- und Abendstunden gibt es statt zwei drei Streifen, die jeweils zu zweit besetzt sind. Am Heidelberger Hauptbahnhof gibt es nun zusätzlich eine flexible Doppel-Streife, die den Bahnhof nach Bedarf immer wieder anfährt. Die Standorte Mannheim und Heidelberg gehören einer Dienststelle an. Nach Angaben der Bahn wurden an dieser Dienststelle im Rahmen des Programms insgesamt 16 neue Sicherheitskräfte eingestellt. Ziel: Das subjektive Sicherheitsempfinden der Reisenden zu verbessern, so Michael Groh, Leiter Personenbahnhöfe Region Südwest.
Wir sorgen dafür, dass sich unsere Kundinnen und Kunden an unseren Bahnhöfen willkommen und sicher fühlen. Unsere Fahrgäste sollen erleben, dass sich rasch etwas zum Positiven verändert.
Darüber hinaus stellt die Deutsche Bahn auch mehr Personal und Geld für zusätzliche Reinigungen und schnelle Reparaturen an den Bahnhöfen bereit. Dank eines neuen mobilen Handwerksteams, das in ganz Deutschland unterwegs ist, sollen beispielsweise Graffitis zeitnah entfernt oder kaputte Glasscheiben schneller ausgetauscht werden.
Freiwillige Bodycams für Mitarbeiter an Bahnhöfen
Aber auch die Mitarbeiter sollen sich sicherer fühlen, denn das Sicherheitspersonal und auch die Beschäftigen im Service würden zunehmend verbal und auch körperlich angegriffen, so die Verantwortlichen am Mittwoch. Unabhängig vom Sofortprogramm sollen deshalb ab Mitte des Jahres in Baden-Württemberg auch Bodycams allen Mitarbeitern an Bahnhöfen freiwillig zur Verfügung stehen. Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz hatte die Bahn im Rahmen des Sicherheitsgipfels neue Sicherheitsmaßnahmen angekündigt.
Aktuell seien die speziellen Videokameras allerdings aufgrund der hohen Nachfrage auf dem Markt nicht verfügbar, so Michael Groh, Leiter Personenbahnhöfe Region Südwest. Schon jetzt seien die Bodycams aber bei Zugbegleitern im Einsatz, sagte Benjamin Schnau, Stellvertretender Leiter Regionalbereich Südwest der DB Sicherheit, dem SWR. Man habe bereits gute Erfahrungen damit gemacht. Grundsätzlich sei das ein Mittel der Deeskalation, so Schnau. Bei den Sicherheitskräften vor Ort stößt das auf Zuspruch.
Ich werde es auf jeden Fall machen. Kundenbetreuer in der S-Bahn haben die Body-Cams ja schon und das Feedback von denen ist, dass sie sich sicherer fühlen und dass die verbalen Aggressionen auch etwas abgenommen haben.
Bislang ist das Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn unter anderem mit einem Mehrzweckstock und einem Tierabwehrspray ausgestattet. Ab sofort gibt es noch einen sogenannten Schrillalarm, um mit einem lauten Ton auf sich aufmerksam zu machen. Auch eine Hilferuf-App ist seit Kurzem verfügbar. Darüber könne die Leitstelle die Mitarbeiter im Ernstfall orten.