Die Tat hatte deutschlandweit für Entsetzen gesorgt: Ein Fahrgast hatte bei der Fahrkartenkontrolle in einem Regionalzug den Zugbegleiter Serkan Çalar brutal angegriffen. Der 36-Jährige verlor das Bewusstsein und starb später im Krankenhaus an Hirnblutungen.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hat schon vor Jahren mehr Sicherheit für das Personal in Bussen und Bahnen gefordert. Jetzt hat sie ihre "Mainzer Erklärung" dazu aktualisiert. Darin werden konkrete Forderungen aufgeführt.
Zugbegleiter nur noch in Doppelbesetzung
Die EVG fordert weiter eine Doppelbesetzung der Zugbegleiter rund um die Uhr. Wenn zwei Zugbegleiter oder Zugbegleiterinnen in einem Wagen unterwegs sind, sei das für das Personal und auch für die Fahrgäste sicherer. Außerdem würde eine bessere Servicequalität erreicht.
Sobald auf einer Zugstrecke mit einer Bedrohung zu rechnen sei, müsste zusätzliches Sicherheitspersonal mitfahren - und das ebenfalls als Doppelstreife.
Prüfteams sollen Fahrkartenkontrolle durchführen
Wenn auf einer Zugverbindung mit vielen Fahrgästen zu rechnen sei, sollten nicht mehr die Zugbegleiter die Ticketkontrollen durchführen. Die Gewerkschaft fordert, dass sogenannte Prüfteams zur Fahrscheinkontrolle eingesetzt werden. Die Zugbegleiter könnten sich dann auf den Service konzentrieren.
Zugpersonal soll Bodycams bekommen
Die EVG möchte zudem, dass Zugbegleiter und Sicherheitspersonal Bodycams tragen. Nicht nur Filmaufnahmen, sondern auch Tonaufzeichnungen sollen möglich sein. Pilotprojekte hätten bewiesen, dass Bodycams helfen, so die EVG.
Pilotprojekte zeigen eindeutig: Bodycams wirken deeskalierend und verhindern Übergriffe.
Dieser Forderung hat die Bahn bereits zugestimmt. Alle Beschäftigten mit Kundenkontakt sollen noch in diesem Jahr mit den Kameras ausgestattet werden.
Landesweites Sicherheitskonzept für Bus und Bahn in RLP
Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter sollen auch speziell in Sachen Sicherheit ausgebildet und geschult werden. Dafür will die Gewerkschaft zusammen mit den Verkehrsverbünden ein Sicherheitskonzept erarbeiten. Das soll dann landesweit für alle Verkehrsunternehmen und für das Zug- und Sicherheitspersonal gelten.
Ticketkauf auch im Zug möglich machen
Um Konflikte in den Bussen und Bahnen zu verhindern, will die EVG eine faire Ticketregelung. Die Fahrgäste müssten auch im Bus oder im Zug Fahrscheine ohne Aufpreis gegen Bargeld kaufen können. Denn solche Situationen führten oft zu Konflikten zwischen Zugpersonal und Fahrgästen.
Könnten Tickets im Zug ohne Aufpreis nachgelöst werden, erhöhe das die Sicherheit des Personals und es gäbe weniger Eskalationen, so die EVG.
EVG will landesweite Sicherheitsdatenbank
Schließlich würde es die Gewerkschaft begrüßen, wenn Übergriffe im Zug- und Busverkehr in einer landesweiten Datenbank gesammelt würden. So hätte man einen Überblick über die Sicherheitslage im öffentlichen Bus- und Bahnverkehr.