Windpark Lammerskopf

Windräder im Wald: Worüber Heidelberg am 12. Juli entscheidet

Die Meinungen zum geplanten Windpark auf dem Lammerskopf gehen in Heidelberg weit auseinander. Vor dem Bürgerentscheid am 12. Juli werben beide Seiten um Unterstützung. Die Fakten.

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Stand

Von Autor/in David Kopp

Soll die Stadt Heidelberg eine Waldfläche auf dem Höhenzug Lammerskopf für einen dort geplanten Windpark zur Verfügung stellen? Über diese Frage stimmen die Einwohnerinnen und Einwohner am 12. Juli in einem Bürgerentscheid ab.

Antworten auf die zentralen Fragen:

Wie viele Windräder sollen gebaut werden?

Geplant sind bis zu sieben Windräder auf Heidelberger Gebiet und ein weiteres auf einer angrenzenden Fläche, die zu Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis) gehört. Außer in Heidelberg sind auch in Neckargemünd die Wahlberechtigten am 12. Juli zu einem Bürgerentscheid aufgerufen. Sie stimmen darüber ab, ob die Stadt die Fläche für den geplanten Windpark zur Verfügung stellt. Ein "Ja" in Heidelberg ist Voraussetzung für die Beteiligung von Neckargemünd.

Ein Windrad in einem Wald
picture alliance/dpa/Uli Deck

Wie viel Energie liefern die Windräder?

Die Projektgemeinschaft geht davon aus, dass mit einem Windrad übers Jahr gerechnet rund 5.000 Haushalte versorgt werden können. Das entspricht nach Angaben von Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) dem kompletten Stadtteil Ziegelhausen. Neckargemünd hat rund 4.000 Haushalte und könnte damit rein rechnerisch noch Strom von der Anlage auf eigenem Gebiet "abgeben". Der Stromverbrauch von Industriebetrieben ist bei dieser Rechnung nicht berücksichtigt.

Wo sollen die Windräder stehen?

Die Windräder sollen auf dem Höhenzug Lammerskopf zwischen Heidelberg-Ziegelhausen, Schönau und Neckargemünd (beide Rhein-Neckar-Kreis) errichtet werden. Das Gebiet ist dem Windatlas Baden-Württemberg zufolge eines der potenziell ertragreichsten in der Region. Bei der Wahl eines Standorts für Windkraftanlagen sind die infrage kommenden Flächen begrenzt. Bei Windkraft ist der Standort noch wichtiger als bei Solarenergie. Die Umweltwissenschaftlerin Martina Klärle, die auch Präsidentin der Dualen Hochschule Baden-Württemberg ist, erklärte das in einem SWR-Interview so: Hat man an einem Standort doppelt so viel Wind wie an einem anderen, bekommt man achtmal so viel Strom. Eine Solarfläche, die doppelt so stark "besonnt" wird wie eine andere, liefert "nur" doppelt so viel Strom.

Eine Landkarte zeigt die Lage der Städte Heidelberg und Neckargemünd sowie des Höhenzugs Lammerskopf. Hier sind sieben rote Windräder (Heidelberg) und ein blaues (Neckargemünd) eingezeichnet.
Eine Projektgemeinschaft plant einen Windpark am Lammerskopf mit insgesamt sieben Windrädern. Forum Energiedialog

Wäre der Bau des Windparks ein starker Eingriff in die Natur?

Am Lammerskopf gibt es Wälder, die als Schutzgebiete eingestuft sind. Daher argumentieren Umweltschützer, dass die Natur unter dem Bau des Windparks leiden werde. Der NABU Heidelberg spricht gar von einer "Zerstörung von unersetzlichem Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere". Ein Gutachten im Auftrag der Projektgemeinschaft kommt zu dem Ergebnis, dass Teilflächen auf Heidelberger Gebiet für Windräder genutzt werden können, ohne wertvolle Naturflächen und geschützte Arten zu gefährden.

Klärle warnt davor, Klimaschutz und Naturschutz als ein "Entweder-Oder" zu sehen: "Die Umwelt können wir nur schützen, wenn wir auch das Klima schützen. Deswegen ist der Klimaschutz bedeutender und wir müssen nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in der ganzen Welt dafür sorgen, dass weniger CO₂ ausgestoßen wird." Windkraft sei dabei eine Möglichkeit.

Wie viel Waldfläche müsste gerodet werden?

Für die geplanten acht Windräder wird eine Fläche von maximal zwölf Hektar benötigt. Zum Vergleich: Der Heidelberger Zoo hat eine Fläche von 10,2 Hektar, die Altstadt rund 1.400 Hektar. Klärle, die sich mit Erneuerbaren Energien und Flächenmanagement beschäftigt, erläutert, dass in Bezug auf Windkraft die Flächen in den Bereichen ohne Wald nahezu ausgeschöpft sind. Dort, wo Bäume für Windkraft gefällt werden, müssten neue Bäume an anderer Stelle gepflanzt werden.

Klärles Kosten-Nutzen-Rechnung zufolge gleicht eine Windkraftanlage den Verlust an CO₂-Speicher, der durch Rodung entsteht, aber schnell wieder aus: Bereits nach zwei oder drei Wochen Laufzeit habe eine Anlage an einem guten Standort den CO₂-Gehalt, der in den Bäumen steckt, wieder kompensiert.

Blick ins Neckartal, am Horizont sind vier Windräder auf bewaldeten Hügeln zu sehen.
Visualisierung von möglichen Windkraft-Anlagen auf dem Lammerskopf bei Heidelberg gesehen von der Alten Brücke in Heidelberg Stadt Heidelberg

Wie gut wäre der Windpark von Heidelberg aus zu sehen?

Zu dieser Frage gab es in den vergangenen Wochen sehr unterschiedliche Darstellungen von Befürwortern und Gegnern des Projekts. Neue Visualisierungen der Stadt Heidelberg zeigen, inwiefern ein Teil der Windräder von verschiedenen Standorten zu sehen wäre. Der Stadt zufolge sind die Größen der Windräder realistisch dargestellt, Farben und Kontraste seien bewusst verstärkt worden.

Wie geht es weiter?

Nach dem Bürgerentscheid am 12. Juli wird ausgezählt. "Wenn das Nein gewinnt und das Quorum erreicht ist, wäre das Projekt zumindest für die nächsten drei Jahre gestoppt, pausiert oder vielleicht auch sogar ganz beendet", erläutert Fridtjof Ilgner vom Forum Energiedialog. Die Gruppe von Fachleuten berät im Auftrag des Landes Kommunen und organisiert Diskussions- und Infoveranstaltungen. "Wenn die Mehrzahl für Ja stimmt und auch da das Quorum erfüllt wird, heißt das nicht, dass sofort Windräder gebaut werden können. Dann macht sich die Stadt Heidelberg auf den Weg, Planungsrecht zu schaffen, um überhaupt dort Windräder bauen zu dürfen. Das heißt, wenn der Flächennutzungsplan dort Gebiete für Windenergie ausweist, kann das Projektkonsortium in eine Detailplanung gehen."

Im Anschluss sind die Genehmigungsbehörden am Zug. "Die schauen ganz genau hin und prüfen in einem gesetzlich vorgegebenen Verfahren, welche Belange tangiert werden, welche Auflagen es eventuell geben müsste, um die Anlagen zu realisieren", so Ilgner. "Und wenn da eine Entscheidung getroffen ist, dann wäre erst Baurecht, um überhaupt Windenergieanlagen zu bauen. Es ist also noch ein weiter Weg."

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David Kopp

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