In der kleinen Stadt Eberbach, seiner Heimatstadt, hat Jan-Peter Röderer (SPD) bei der Landtagswahl 34 Prozent der Erststimmen geholt. Das nützt ihm nur nichts, weil die SPD im gesamten Wahlkreis Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) nur 12,3 Prozent der Stimmen bekommen hat. Damit ist er sein bisheriges Mandat im Landtag los. Das Direktmandat ging dieses Mal an den CDU-Kandidaten Albrecht Schütte. Für Röderer ist das extrem frustrierend, sagte er SWR Aktuell im Interview.
SWR Aktuell: Lassen Sie uns doch da mal ein bisschen in die Analyse oder in die Tiefe gehen. Was sind denn aus Ihrer Sicht die Gründe, dass es so verheerend gekommen ist für die SPD?
Jan-Peter Röderer: Das wird ja jetzt auch immer wieder gesagt, selbstverständlich ist die Zuspitzung auf die beiden Personen Hagel - Özdemir noch mal ein Punkt, der mitreingespielt hat. Es war ja letztendlich fast wie eine Oberbürgermeisterwahl, wo es nur noch um die beiden Herren ging. Allerdings ist es zu einfach zu sagen, dass das der Grund ist für 5,5 Prozent bei der SPD. Ich glaube, das geht schon länger zurück. Wir müssen da natürlich in die Analyse konkret reingehen. Das ist jetzt zu früh, ein Tag danach, da muss man im Detail reingucken. Aber ich denke, wir müssen einfach mehr stattfinden, wir müssen mehr wahrgenommen werden. Wir müssen mehr mit den Menschen ins Gespräch kommen. Das ist das, was ich hier seit Jahren mache, was wir hier auch in der Region seit Jahren machen. Einfach von den Leuten wahrgenommen werden, in den direkten Austausch gehen, von den Menschen als Personen, als Partei wahrgenommen werden, die auch ein Ohr hat, die zuhört, die sich kümmert. Ich glaube, da muss man mehr reingehen.
SWR Aktuell: Aber Herr Stoch als Spitzenkandidat ist ja eigentlich ein relativ bodenständiger Typ, zumindest so kommt er rüber.
Röderer: Wie will ich das ausdrücken, also ohne es jetzt irgendwie besonders negativ oder schlecht zu meinen, er zieht auch nicht die Massen wie jetzt vielleicht ein Özdemir oder andere Personen. Da hätte man sich vielleicht auch mal ein bisschen polarisierender äußern müssen, vielleicht auch mal doch dem einen oder anderen vielleicht auf die Füße treten müssen und nicht so zurückhaltend immer sein und versuchen, sich alle Optionen zu allen Seiten offen zu halten. Ja, man hätte vielleicht ein bisschen lauter, ein bisschen mehr stattfinden müssen, ein bisschen mehr versuchen an die Leute ranzukommen.
SWR Aktuell: Wie geht es denn für Sie persönlich jetzt mal weiter?
Röderer: Also ich habe grundsätzlich ein Rückkehrrecht in meinen alten Job, was das Berufliche betrifft. Was die politische Arbeit betrifft, habe ich vorhin schon angedeutet: Also wir müssen jetzt auch als Kreisverband, als Ortsvereine, als SPD in der gesamten Fläche nicht zurückziehen, sondern ganz im Gegenteil massiv rausgehen, auf die Leute zugehen, sichtbar sein, Gespräche führen, Gesprächsangebote schaffen und das wirklich in der gesamten Fläche.
Ein Mandat mehr als bisher 17 Abgeordnete vertreten die Rhein-Neckar-Region im neuen Landtag
Die Rhein-Neckar-Region wird mit einem Mandat mehr als bisher im baden-württembergischen Landtag vertreten sein. Wer sind die Abgeordneten und welcher Partei gehören sie an?
SWR Aktuell: Was wünschen sie sich denn vor dem Hintergrund von der Bundespolitik oder von ihrer Spitze?
Röderer: Na, von der Bundespolitik wünsche ich mir das, was ich auch schon vor der letzten Bundestagswahl gesagt habe und auch ein bisschen die Hoffnung hatte: Wir sollten mal dahin gehen, dass wir weniger auf öffentlicher Bühne streiten. Das kann man gerne im Zimmer machen oder in den Sitzungssälen, das gehört ja auch dazu, das muss so sein. Aber wenn ich mich auf einen Kompromiss einige, dann muss ich da halt auch raus gehen und sachorientiert arbeiten - versuchen, wirklich die Herausforderungen und Probleme lösungsorientiert anzugehen und nicht sich im Klein-Klein irgendwo zu verlieren, weil das sorgt weiter dafür, dass die Leute keine Lust mehr haben, dass die Politikverdrossenheit weiter zunimmt und es treibt natürlich auch den Rechten, der AfD, in die Hände. Also ich bin überzeugt davon, dass nicht die große Zahl, die jetzt da auch in Baden-Württemberg wieder rauskam, alle voll und ganz überzeugt ist von den wenigen Inhalten, die die AfD da hat, aber die Unzufriedenheit mit dem Rest ist halt weiterhin da und da müssen wir einfach besser werden alle. Da gehört die Bundespolitik natürlich ganz vorne mit dazu, weil das schlägt natürlich durch auf die unteren Ebenen dann.