Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liegen die Grünen knapp vor der CDU. Die AfD etabliert sich als drittstärkste Kraft, die SPD sackt auf ein historisches Tief ab. Ein Bild, dass sich in Teilen auch in der Rhein-Neckar-Region wiederfindet. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen Mannheim, Heidelberg und sowie dem Wahlkreis Rhein-Neckar sowie Neckar-Odenwald. Wer hier das Rennen gemacht hat, lesen Sie an dieser Stelle.
Mannheimer Norden: AfD-Kandidat Pepperl holt Direktmandat, Fulst-Blei (SPD) zieht über Liste ein
In Mannheim gibt es zwei Wahlkreise - Mannheim I (Nord) und Mannheim II (Süd). Als Sieger im Mannheimer Norden ist der Mannheimer AfD-Kandidat Bernhard Pepperl hervorgegangen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes holte er 22,3 Prozent der Erststimmen und erzielte damit das Direktmandat. Im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren ein Plus von 9,6 Prozentpunkten. Auf Pepperl folgt Lennart Christ (CDU) mit 21,7 Prozent. Die Christdemokraten legen damit um 6,5 Prozentpunkte zu. Dicht gefolgt auf Christ: Chris Rihm von den Grünen mit 21,6 Prozent. Das sind 6,2 Prozentpunkte weniger im Vergleich zur Landtagswahl 2021. SPD-Kandidat Stefan Fulst-Blei kommt auf 17,5 Prozent der Stimmen, also 4,2 Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Aufgrund seiner Position auf der Landesliste der SPD wird er in den Landtag einziehen.
Ganz anders sieht es aber bei den Zweitstimmen aus: Da belegen die Grünen mit 27,6 Prozent den ersten Platz, gefolgt von der CDU mit 20 Prozent und der SPD mit 11,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung im Mannheimer Norden liegt bei rund 54 Prozent. Das sind drei Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren.
Mannheimer Süden: Grünen-Kandidatin Elke Zimmer zieht direkt in Landtag ein
Ein anderes vorläufiges Ergebnis zeigt sich im Mannheimer Süden: Die Grünen-Kandidatin Elke Zimmer gewinnt bei den Erststimmen deutlich - mit 32,4 Prozent. Das sind 3,6 Prozentpunkte weniger im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl, bei der sie ebenfalls als Direktkandidatin in den Landtag einzog. Zimmer sagte, sie sei froh und stolz, dass ihre Partei im Mannheimer Süden stärkste Kraft wurde. Mannheim sei ein wichtiger Blickwinkel für die Politik in ganz Baden Württemberg.
Wir hier aus Mannheim bringen sicherlich immer diesen Blick einer Industriestadt mit einer Stadt, die Migration schon immer lebt. Einer Stadt, die mitten in der Transformation steckt.
Deswegen sei es ein wichtiger Punkt, den man in Mannheim einbringen könne - gerade auch was Bildungsgerechtigkeit, Transformation und soziale Gerechtigkeit angeht, so Zimmer.
SPD-Kandidat Weirauch könnte über Landesliste in Landtag einziehen
Auf die Grünen folgen die Christdemokraten mit Sengül Engelhorn (23,9 Prozent), die mit einem Plus von 7,2 Prozentpunkten deutlich zulegt haben. Den dritten Platz belegt Boris Weirauch (SPD) - mit 13,5 Prozent, einem Minus von 2,5 Prozentpunkten. Auch Weirauch zieht über die SPD-Landesliste in den Landtag ein. Die Wahlbeteiligung lag im Mannheimer Süden bei 64 Prozent - einem Plus von 2,2 Prozentpunkten.
Mannheims OB Specht über AfD-Ergebnis: "Das ist keine Alternative für uns"
Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) fordert einen Zukunftspakt mit der neuen Landesregierung, in dem man ganz klar deregulieren und priorisieren müsse. "Wir brauchen finanzielle Unterstützung. Viele Kommunen sind am Ende", so Specht weiter. Die Hoffnung sei da, dass das erkannt wird, weil sonst die Ränder weiter gestärkt würden. "Wir haben es gesehen, auch heute Abend an dieser Stelle. Das Wachstum zumindest mal bei der AfD. Das ist keine Alternative für uns, sondern wir haben ein unglaubliches Land nach wie vor mit vielen Potenzialen. Aber die müssen jetzt entfesselt werden und schnell und nicht im Streit, sondern mit einem klaren Fokus auf die Dinge, die uns wieder voranbringen."
AfD erreicht bisher bestes Ergebnis - man habe die richtigen Themen angesprochen
Gefolgt von der CDU und den Grünen belegt die AfD laut dem vorläufigen Endergebnis den dritten Platz. Rüdiger Ernst, AfD-Kandidat für den Wahlkreis Mannheim II (Süd), sieht das Ergebnis seiner Partei positiv. Man habe fast eine Verdoppelung gegenüber der Landtagswahl 2021 erreicht. Grund dafür sei, dass man die richtigen Themen angesprochen habe, so Ernst kurz nach der ersten Prognose. "Wir wollen eben kein Verbrenner-Aus. Wir wollen die Energiepreise senken, wir wollen keinen Kohleausstieg, wir wollen keine CO2-Steuer. Und das sind eben die Themen, die offensichtlich bei den Bürgern gut ankommen", sagte Rüdiger Ernst dem SWR. Er zieht über die Landesliste in den Landtag ein.
Oskar Weiß (FDP): "Schwerer Tag für die FDP"
Die SPD fällt auf ein historisches Tief; FDP und Linke bleiben unter der Fünf-Prozent-Hürde. Der Wähler habe nicht gesehen, wofür die FDP stehe, sagte der FDP-Kandidat für den Wahlkreis Mannheim I (Nord), Oskar Weiß, dem SWR am frühen Sonntagabend. Man müsse sich jetzt als progressive, liberale Partei neu aufstellen. Es sei ein "schwerer Tag für die FDP". "Ich glaube, man muss sich jetzt intern sortieren. Wir sind Stand jetzt nicht im Landtag in Baden-Württemberg vertreten. Ich bin ganz ehrlich, da müssen jetzt parteiintern Konsequenzen gezogen werden", so Weiß weiter.
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Die Wahl im SWR BW-Landtagswahl Liveticker: ++ Hagel bietet Rücktritt an - CDU-Landesvorstand lehnt ab ++ Özdemir erteilt Grüner Jugend eine Absage ++ Wechselt Palmer ins Özdemir-Kabinett? ++
Wer hat die Landtagswahl Baden-Württemberg gewonnen? Aktuelle Nachrichten, Hintergründe, Analysen und Zahlen zur Landtagswahl 2026 finden Sie live in unserem SWR Aktuell Ticker.
Heidelberger Grünen-Kandidat Kollmann holt Direktmandat
In Heidelberg waren rund 100.000 Menschen aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Nach Angaben des Statistischem Bundesamtes lag die Wahlbeteiligung in diesem Jahr bei 71,9 Prozent. Ein Plus von 4,6 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Landtagswahl. Die Grünen haben in der Universitätsstadt - wie auch schon bei der Landtagswahl vor fünf Jahren - klar gewonnen. Auf Platz zwei kommt die CDU, gefolgt von der SPD.
39,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten für den Grünen-Kandidaten Florian Kollmann. Damit hat er sich dank der Erststimmen das Direktmandat in der Unistadt geholt. Dabei haben die Grünen 2,5 Prozentpunkte im Vergleich zu 2021 verloren. Allerdings liegen sie bei den Zweitstimmen 47,4 Prozent und damit weit vor allen anderen Parteien. Grünen-Kandidat Florian Kollmann sagte dem SWR: "Ich bin sehr, sehr dankbar, dass mir so viele Menschen in Heidelberg das Vertrauen geschenkt haben. Das ist für mich auch ein Auftrag." Er wolle auch in erster Linie für seinen Wahlkreis da sein:
Heidelberg ist eine Stadt, die auch in Baden-Württemberg eine relevante Bedeutung hat, mit der Stärke, die wir hier in der Wissenschaft haben, jetzt im Klinikverbund Heidelberg-Mannheim. Dafür möchte ich mich jetzt einsetzen.
Cem Özdemir sei der richtige Spitzenkandidat gewesen, so Kollmann, das habe sich jetzt gezeigt. Die Kandidatin der CDU, Nicole Huber, konnte 20,8 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen. Das sind 5,5 Prozentpunkte mehr als bei der vergangenen Landtagswahl. Die Ergebnisse für die SPD in Heidelberg unterschieden sich deutlich: Auf Ines Palm kommen 13 Prozent der abgegebenen Erststimmen. Bei den Zweitstimmen sieht es für Sozialdemokraten mit 6 Prozent ähnlich schlecht aus wie auf Landesebene. Der Landtagskandidat der AfD, Sven Geschinski, landete bei 8 Prozent und damit hinter der Linken, für die Kandidatin Kim Bohnen 10,5 Prozent geholt hat.
Heidelbergs OB Würzner: "Das ist eine klare Botschaft"
Heidelbergers Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) sieht in dem Wahlergebnis die klare Botschaft an die neue Landesregierung, eine sehr realpolitische grüne Politik zu machen. Er hofft auf eine deutlich stärkere Wahrnehmung der kommunalen Anliegen. Die Städte seien der Ort, an dem Demokratie gelebt würde.
Die Menschen wollen auch Stabilität in Richtung einer Regierungsbildung, die auch eine Perspektive gibt für die Zukunft, auch im Sinne von Nachhaltigkeit, aber auch im Sinne von Wirtschaftlichkeit.
Franziska Brantner (Grüne) aus Heidelberg gratuliert Özdemir
Franziska Brantner (Grüne), Bundestagsabgeordnete aus Heidelberg, gratulierte ihrem Parteikollegen Cem Özdemir zu seinem Wahlsieg - auch wenn zu diesem Zeitpunkt das endgültige Ergebnis noch offen war. Es sei fantastisch zu sehen, dass sich die Menschen in Baden-Württemberg für Mut und Zuversicht entschieden hätten. "Wir wollen, dass eine starke Wirtschaft mit Klimaschutz zusammengeht, dass wir weltoffen bleiben, aber auch heimatverbunden sind. Dafür steht Cem. Dafür stehen wir Grüne", so Brantner.
Der Wahlkampf in Baden-Württemberg sei von der gesamten Partei mitgetragen worden. Nun gehe es darum, diesen Wind aus Baden-Württemberg in die Bundespolitik mitzunehmen. Man habe in Baden-Württemberg 15 Jahre lang erfolgreich regiert. Das habe Vertrauen geschaffen, so Brantner weiter.