Kardiologen-Kongress in Mannheim

Rauchen, ungesundes Essen, hoher Blutdruck: Was Herz und Kreislauf belastet und was wir dagegen tun können

Wie können wir Herz und Kreislauf schützen und wann können wir beides auch mal an die Leistungsgrenze bringen? Unter anderem das sind Themen beim Kardiologen-Kongress in Mannheim.

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Stand

Von Autor/in Wolfgang Kessel

Gabi und Alfred Kief (65 und 68 Jahre alt) aus Ketsch (Rhein-Neckar-Kreis) sind überzeugte Läufer und haben gemeinsam schon über 50 Marathonläufe absolviert. Jeder Marathonlauf ist natürlich eine große Belastung fürs Herz-Kreislaufsystem. Gabi Kief folgt dabei seit langem dem Rat ihres Kardiologen: Regelmäßig Blutdruck messen und das Ergebnis dann an die Trainings-Geschwindigkeit anpassen. "Dann geht´s mir gut, dann weiß ich: Ich mach alles richtig". Die Kiefs machen außerdem einmal im Jahr "einen ärztlichen Gesundheits-Check".

Experte rät: Kardiologische Untersuchung vor Marathonlauf

Dazu rät auch Herzspezialist Michael Böhm von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Sinnvoll ist eine kardiologische Untersuchung natürlich vor allem für Marathon-Neulinge. Böhm sagte am Mittwoch am Rande des diesjährigen Kardiologen-Kongresses in Mannheim, ein Marathonlauf (rund 42,2 Kilometer lang) sei "an sich nicht zwingend schädlich". Profi-Ausdauer-Sportlerinnen und -Sportler "leben im Schnitt länger als die (Normal-) Bevölkerung". Aber im Prinzip jede und jeder, die oder der mit Ausdauersport anfängt, "muss da gesund reinkommen".

Eingang zum Kardiologen-Kongress im Mannheimer Rosengarten
Internationale Herzspezialisten treffen sich beim diesjährigen Kardiologen-Kongress im Mannheimer Rosengarten.

Psychologisch bedingter Stress: Risiko fürs Herz?

Doch insgesamt gesehen nimmt sich freilich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung einen Marathonlauf vor und zieht ihn am Ende auch wirklich durch. Die meisten Menschen hierzulande leben ihren "ganz normalen" Alltag mit Beruf und Familie - und all den Dingen, die in diesem Zusammenhang Herz und Kreislauf belasten und gefährden können. Darunter fällt auch psychologisch bedingter Stress. Laut Böhm zum Beispiel "materielle Not, Scheidung, familiäre Katastrophen".

Risikofaktoren Rauchen, ungesundes Essen, Bluthochdruck

Aber: Ob sich allein Stress im Beruf oder ein Verzweifeln an der Lage in der Welt mit all seinen Krisen und Kriegen signifikant auf die Herz-Gesundheit auswirken, das ist Böhm zufolge "vollkommen ungeklärt". Was aber tatsächlich passieren kann: Dass bestimmte Menschen auf solchen Stress "fehlreagieren". Das heißt: Viele kompensieren Stress zum Beispiel mit ungesundem Essen und Rauchen. "Eine Missachtung der Selbstfürsorge", so Böhm. Jeder Mensch, der sich gestresst fühlt, "muss also gerade umso mehr auf sich selbst achten".

Herzspezialist fordert höhere Tabaksteuer und Zuckersteuer

DGK-Präsident Stefan Blankenberg sagte in diesem Zusammenhang am Rande des Kardiologen-Kongresses in Mannheim, er fordere in Deutschland eine Erhöhung der Tabaksteuer und die Einführung einer Zuckersteuer. Dies seien aktuell auch Empfehlungen der Expertenkommission der geplanten Gesundheitsreform. "Der Erlös käme der Gesellschaft zugute", so Blankenberg, und zwar "in Form einer Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge sowie einer geringeren Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen."

Zahlen und Daten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In der Europäischen Union (EU) leiden der DGK zufolge etwa 62 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Rund 1,7 Millionen Menschen sterben daran jedes Jahr. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem sogenannten "EU Safe Hearts Plan" diese Zahl um rund 25 Prozent zu senken. Wichtigste Maßnahme: Eine gezieltere Kontrolle der Risikofaktoren wie Rauchen und Bluthochdruck, sowie bessere Früherkennung und Vorbeugung.

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Wolfgang Kessel
Wolfgang Kessel, Redakteur beim SWR in Mannheim

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