Rund 400 Menschen haben am Donnerstagabend in St. Leon-Rot (Rhein-Neckar-Kreis) an einer Infoveranstaltung im Veranstaltungszentrum "Harres" zur Zukunft der historischen Kramer-Mühle teilgenommen. Die Diskussion verlief insgesamt sachlich, war teilweise aber auch hitzig. Die Gemeinde hatte dazu eingeladen, um die St. Leon-Roter mit Blick auf den Bürgerentscheid am 8. März umfassend über das Mühlen-Projekt zu informieren.
Mühle in St. Leon-Rot: Ausbau oder denkmalgeschützter Leerstand?
Im Zentrum der Debatte stand die Frage der Finanzierung der Sanierung und des Ausbaus der Kramer-Mühle zu einem Ort für Kultur, Veranstaltungen und Gastronomie. Die Alternative: Die über 500 Jahre alte Mühle wird nur soweit instandgesetzt, dass sie den Richtlinien des Denkmalschutzes entspricht. Dann aber wäre sie für Kulturveranstaltungen nicht nutzbar.
Projekt "darf nicht Zukunft der Gemeinde gefährden"
Auf dem Podium kamen zunächst neben Bürgermeister Alexander Eger (parteilos) die Projektplaner, Architekten, Vertreter der Kämmerei und die Gegner des Mühlen-Projekts zu Wort. Nach Meinung der Gegner darf "ein Projekt (wie die Mühlen-Sanierung) nicht die Zukunft unserer Gemeinde gefährden". Das zielt auch auf die Fragestellung des Bürgerentscheids am 8. März: "Soll die Gemeinde St. Leon-Rot den weiteren Ausbau, die Renovierung und die Sanierung der Kramer-Mühle, aufgrund der angespannten finanziellen Situation der Gemeinde, stoppen?"
Die Initiatoren des Bürgerentscheids teilten dem SWR mit, die "unsicheren Einnahmen der Gemeinde und die zu erwartenden laufenden jährlichen Ausgaben in der Zukunft haben uns motiviert, die Bürger von St. Leon-Rot zu fragen, ob der weitere Ausbau der Kramer-Mühle erst mal zu stoppen ist". Dieser Stopp würde demnach zunächst drei Jahre dauern. Danach könne die Gemeinde dann neu entscheiden – "bei hoffentlich besserer Ausgangslage, sprich: einer Haushaltskonsolidierung".
Fragen nach Pächter sowie Kosten für Sanierung und Baustopp
Anschließend wurde die Fragerunde eröffnet. Eine Frau wollte wissen: "Gibt es denn für die Gastronomie schon einen Pächter?" - Antwort der Experten auf dem Podium: Nein, gibt es noch nicht, weil zunächst das Ergebnis des Bürgerentscheids abgewartet werden müsse. Danach ging es in den Fragen vor allem ums Geld: "Was kostet uns ein Baustopp und wie teuer wird die Sanierung insgesamt?"
Antwort vom Podium: Beides wird teuer. Für Sanierung samt Ausbau rechnet die Gemeinde mit rund 17 Millionen Euro, davon knapp drei Millionen Euro bereits ausgezahlte Fördergelder. Weitere fast 2,5 Millionen Euro aus dem Landessanierungsprogramm stehen laut Gemeinde zum Abruf zur Verfügung. Bei einem Baustopp müsste die Gemeinde eventuell bereits ausgezahlte Fördergelder rückerstatten, schon beauftragte Handwerksbetriebe könnten außerdem Regressansprüche geltend machen.
Ein Fragesteller hakte nach, wie es denn mit den jährlichen Betriebskosten aussehe, wenn der Bürgerentscheid ergibt, dass die Mühle weiter saniert und ausgebaut wird. Antwort vom Podium: Noch unklar. Aber allein der Unterhalt des Gebäudekomplexes (Mühle, Haupthaus und Scheune) werde die Gemeinde wohl etwa 150.000 Euro jährlich kosten.
Höhere Gewerbesteuereinnahmen könnten Mühlen-Sanierung bezahlbar machen
Bürgermeister Alexander Eger wies beim Infoabend im Harres auf eine "Verbesserung der finanziellen Situation der Gemeinde" im laufenden Jahr hin. Er rechne für 2026 mit Gewerbesteuerzahlungen von rund 50 Millionen Euro. Es wurde wegen des Steuergeheimnisses nicht offen ausgesprochen, aber als größter Steuerzahler in St. Leon-Rot gilt der Softwarekonzern SAP.
Damit - das hatte Eger schon zuvor in einer Stellungnahme mitgeteilt - sei es möglich, das Projekt Kramer-Mühle "verantwortungsvoll fortzuführen und fertigzustellen". Eger hatte sich bereits in der Vergangenheit als Befürworter der Mühlensanierung und des Ausbaus in Stellung gebracht. Nach Fertigstellung könne die Mühle einen "wichtigen Beitrag zum Erhalt unseres kulturellen Erbes und zur Stärkung des gemeinschaftlichen Lebens im Ort" leisten.
Seit wann gehört die Kramer-Mühle der Gemeinde?
Die Gemeinde hat den historischen Mühlen-Gebäude-Komplex 2015 gekauft. Später wurde ein Nutzungskonzept erstellt - mit Gastronomie, Vereinsräumen, Trauzimmer und Künstlerwerkstatt. Die Sanierungsarbeiten begannen 2022. Problem: Im Sommer 2022 rutschte St. Leon-Rot "aufgrund rapide sinkender Einnahmen" in eine Haushaltssperre, so die Gemeinde. Dadurch wurde auch die millionenteure Sanierung der Mühle auf den Prüfstand gestellt, das Nutzungskonzept musste ausgedünnt werden.