Im Juli hat sich ein Expertengremium der Europäischen Union zusammengesetzt und ein Social-Media-Verbot für Kinder bis 13 Jahre geprüft. Das Ergebnis: Sie halten es für sinnvoll. Im Herbst möchte die EU-Kommission einen entsprechenden Gesetzesentwurf einreichen. Vergangene Woche wurde im französischen Parlament ein solches Verbot für Kinder unter 15 Jahren beschlossen. Nach den Sommerferien tritt es in Kraft. Steffen Haschler ist Gymnasiallehrer für Informatik, Physik und Mathematik am Englischen Institut in Heidelberg. Im Februar wurde er gemeinsam mit 17 anderen Lehrerinnen und Lehrern mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet - als "Lehrer des Jahres". Im Interview mit SWR Aktuell erzählt er, wie er zu einem pauschalen Verbot steht.
Lehrer: Soziale Medien belasten Kinder und Jugendliche
Haschler sieht in Social Media tatsächlich eine Gefahr für junge Menschen. "Hier und auch an anderen Schulen merkt man einfach: Die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder ist geringer, ein Teil schläft zu wenig und sie wirken gestresst." Egal ob ungesunde Trends oder gar Kriegsbilder, Social Media und die Inhalte, die darauf kursieren seien nicht kindgerecht - das sei auch gar nicht so beabsichtigt, sagt Haschler. "Die Social-Media-Apps sind ja nicht dafür gemacht, um das Kindeswohl zu maximieren, sondern um ein Geschäftsmodell zu maximieren."
Verbote schön und gut, aber wir brauchen eine Gesamtstrategie zu diesem Thema.
Medienkompetenz an Schulen
Haschler sieht ein zentrales Problem in der Verbotsdebatte: Auf ihn wirke es so, als würden Befürworter erwarten, dass ein Social-Media-Verbot für junge Menschen alle Probleme lösen könne. Vielmehr brauche es aber eine Gesamtstrategie, so Haschler.
Mit dem 13. Geburtstag wächst den jungen Menschen nicht magisch ein Schutzschild über Nacht.
Seiner Meinung nach muss noch mehr passieren. Er nennt ein Beispiel: "Auch wenn Kindern das Autofahren untersagt ist, bauen wir trotzdem Zebrastreifen, Ampeln und begrenzen Geschwindigkeiten an unsicheren Stellen." Denn mit einer Maßnahme allein sei es eben nicht getan, findet er. Auch wachse jungen Menschen nicht ein "magisches Schutzschild" über Nacht, nur weil sie 13 Jahre alt werden. Laut ihm muss das Thema Medienkompetenz und Social Media in den Schulen präsenter werden. Das koste allerdings mehr Ressourcen: Nicht nur die Technik müsste bereitgestellt werden, auch Lehrkräfte müsste man in diesen Themen besser schulen.
Plattformen speziell für junge Menschen entwickeln
Ein weiterer Aspekt der laut Haschler in der Verbotsdebatte zu kurz kommt, ist der, dass die digitale Welt nun mal existiert. Es sagt, diesen Raum gebe es nun mal, "vielleicht ist er Mist", gleichzeitig hätten Kinder und Jugendliche aber ein Recht darauf, sich dort aufzuhalten, findet der Lehrer. Eine Lösungsansatz für ihn: Anstatt alternativlos Plattformen vor Kindern zu verbergen, sollten Plattformen geschaffen werden, die auch mit jungen Menschen und für sie erstellt wurden - Social Media für Kinder sozusagen.