Inklusive Projekte im Stadtteil

Mutmacher aus Mannheim: So will ein 39-Jähriger die Schönau aufwerten

Der Mannheimer Stadtteil Schönau hat nicht den besten Ruf. Zu Unrecht, findet Panajotis Neuert. Mit einer Inklusionsbackstube und anderen Projekten will er das Viertel aufwerten.

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Von Autor/in Danilo Quarta

Panajotis Neuert wohnt sehr gerne in Mannheim-Schönau. Der 39-Jährige ist überzeugt, dass der Stadtteil ein positiveres Image verdient. Deswegen ruft der gebürtige Mannheimer immer wieder Projekte ins Leben, die dem Stadtteil mehr Lebensqualität verleihen sollen.

Seine neueste Idee: Eine Inklusionsbackstube in einem örtlichen Supermarkt. Der vorherige Bäcker musste nach knapp acht Jahren den Standort schließen. Ein Treffpunkt weniger für die Schönauer - das wollte Neuert nicht zulassen.

Fensterfront der neuen Inklusions-Backstube in Mannheim-Schönau
Die neue Inklusionsbackstube in Mannheim-Schönau.

Bei seinen Projekten sei ihm wichtig, dass alle Menschen angesprochen werden. Deswegen sind sie auch immer inklusiv - wie zuletzt die Inklusionsbackstube. Nach einer vierwöchigen Anlaufphase wird das Inklusionsamt Baden-Württemberg zwei Mitarbeiter auswählen, die künftig das vierköpfige Team in der Backstube unterstützen sollen, erzählt Panajotis Neuert.

"Ich sehe mich als ein Bediensteter der Menschen"

Eigentlich betreibt Joti, wie ihn alle auf der Schönau nennen, einen ambulanten Pflegedienst in Mannheim. Mit seinen Projekten, um die er sich nebenbei kümmert, möchte er seinem Lieblingsviertel etwas zurückgeben. Dazu gehören unter anderem ein Inklusionskiosk und ein Sommerfest, das einmal im Jahr stattfindet.

Die dadurch entstehenden Kosten und den damit verbundenen Aufwand nimmt er gerne in Kauf. "Ich sehe mich als Bediensteter der Menschen", erzählt Joti. Außerdem bekomme er jederzeit tatkräftige Unterstützung von Anwohnern. "Sie sind unglaublich hilfsbereit. Wenn wir unser Sommerfest aufbauen, kommen sie ungefragt dazu und helfen. Das gibt mir Kraft. Geben und Nehmen, gemeinsam statt einsam." Seine offene Art und die inklusiven Ideen finden auch auf unternehmerischer Ebene Anklang. Der Bäcker, der vor ihm in dem Supermarkt angesiedelt war, hat Joti einfach das Mobiliar geschenkt. Auch der örtliche Supermarkt findet die Idee so gut, dass Jotis Betrieb keine Miete an den Supermarkt zahlen muss.

Kindheit in einfachen Verhältnissen

Joti ist im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt-West aufgewachsen. Seine Kindheit sei nicht leicht und auch nicht besonders luxuriös gewesen. Erste Kontakte mit dem Thema Pflege hatte Joti, als er sich mit 15 Jahren um seine Nachbarin kümmerte, die im Rollstuhl saß.

Der kontaktfreudige Joti kam anfangs nur für kleine Aufgaben zum Helfen rüber. Irgendwann kümmerte er sich intensiver um seine Nachbarin. Geld spiele keine große Rolle in seinem Leben. Alles, was er verdient, steckt er nach eigenen Angaben wieder in seine Projekte.

Ein alter heruntergekommener Kiosk in Mannheim-Schönau
Der alte Kiosk in Mannheim-Schönau, für Joti war das ein "Schandfleck". Nach Bitten der Anwohner hat er ihn gekauft und saniert. Bild in Detailansicht öffnen
Inklusionskiosk in Mannheim-Schönau
Entstanden ist ein Inklusionskiosk, ein Treffpunkt für die Schönauerinnen und Schönauer. Bild in Detailansicht öffnen

Joti - Vielleicht der beliebteste Schönauer?

Durch seine offene Art und seiner Liebe zur Schönau kommt Joti bei den Anwohnern offenbar gut an. Dass er erst vor 12 Jahren zugezogen ist, scheint hier niemanden groß zu interessieren. Auch zur Eröffnung der Inklusionsbackstube Anfang März sind viele Anwohner gekommen. Einer von ihnen betont, dass es wenige Menschen gebe, die so viel für das Viertel tun: "Der Herr Panajotis macht so viele gute Dinge auf der Schönau, das kann man sich im normalen sozialen Leben gar nicht mehr vorstellen, dass es so jemanden gibt, der alles macht."

Den Kerle, ich lieb ihn einfach. Er macht so viele tolle Projekte. Das ist einfach ein Herzensmensch. Was er in die Hand nimmt, das wird irgendwie toll.

Welche Projekte als Nächstes kommen, möchte Joti noch nicht verraten. Denn da gebe es noch zu viele Unklarheiten. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht.

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Danilo Quarta
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