Zehn junge Männer sitzen in einem Stuhlkreis im Jugendgefängnis in Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis). Viele von ihnen erfüllen das Knastklischee: breit gebaut, tätowiert, Trainingsanzüge. Mittendrin sitzt Mashood Khan, ein 37-jähriger Mann, der Karten auf dem Boden verteilt, darauf Gesichter, die verschiedene Stimmungen zeigen sollen. Toni, einer der jungen Männer, hebt eine Karte hoch - und redet über das Gefühl, das er mit seiner Karte verbindet: Euphorie. "Was verbindest du damit?", fragt Khan. "Zum Beispiel, wenn die Lieblingsfußballmannschaft gewinnt", sagt Toni, "oder wenn man aus dem Knast entlassen wird."
Resozialisierung: Workshop-Leiter war Intensivstraftäter
Khan leitet Workshops in Jugendgefängnissen in ganz Deutschland. Zu den Terminen bringt er seine eigene Knastgeschichte mit: Früher war er kriminell und hat sich einen Namen auf den Straßen Hamburgs gemacht. Er war Teil einer Jugendgang und verbrachte einige Zeit im Gefängnis, unter anderem wegen Gewalt- und Drogenkriminalität: ein sogenannter Intensivstraftäter.
Dann starb sein Vater - ein Wendepunkt in seinem Leben. Er ließ sein altes Leben hinter sich und arbeitete sich hoch: holte Schulabschlüsse nach, studierte, wurde Sozialpädagoge. Kürzlich erschien sein erstes Buch, das seine Geschichte erzählt: "Vom Stolz der Straße".
Heute arbeitet er viel mit jungen Kriminellen zusammen. Manchmal geht er mit den Häftlingen boxen, manchmal rappt er. Oder er redet einfach mit ihnen, wie an diesem Tag in Adelsheim. In den Gesprächen geht es um Stolz, gute und schlechte Entscheidungen - oder falsche Vorstellungen von Ehre. "Gerade wenn so Begriffe wie Mütterbeleidigungen fallen", erklärt Khan in der Runde, "dann fühlt man sich in der Ehre verletzt. Aber was ist denn mit der Ehre der Familie, was ist damit, wenn deine Mutter dich im Gefängnis besuchen muss?" Schweigen bei den Jugendlichen.
Besonderer Zugang zu jungen Häftlingen
Während Khan redet, hören die jungen Männer gebannt zu. Er spricht ihre Sprache, versteht ihre Lebensrealität und schafft so einen besonderen Zugang zu ihnen. Gerade zu den Häftlingen mit Migrationshintergrund kann Khan durchdringen. Er ist selbst Sohn pakistanischer Eltern. Die Häftlinge sähen ihn teilweise als großen Bruder. "Mein Haarschnitt, wie ich mich kleide, das passt halt", sagt er. Die Häftlinge würden sofort erkennen, wenn man nicht von der Straße sei. "Und ich hab' die Straße halt krass durchlebt."
Nach dem Workshop sind die Häftlinge beeindruckt. Khan sei einer von ihnen gewesen, sagen sie. "Andere haben nur das studiert und probieren es auf andere Weise", sagt einer. Aber Khan verstehe es richtig. "Er kann Leuten die Augen öffnen", sagt Toni.
Er sieht uns immer noch als Menschen, nicht nur als Verbrecher
Toni und seine Mithäftlinge haben unterschiedliche Perspektiven und Ziele für die Zeit nach der Haft: Der eine möchte wieder engeren Kontakt zu seinen Eltern aufbauen, der andere eine Ausbildung machen und einen Job finden. Aber nach Khans Besuch ist für alle klar: Wenn sie freikommen, wollen sie ihr Leben ändern - sonst werden sie schnell zurückkommen.