Vertrag mit Tierheim in Heidelberg beendet

Neuregelung bei Fundtieren: Schwetzingen setzt künftig auf Tierschutzvereine

Tierschutzvereine sind bei der Versorgung von Fundtieren günstiger als das Heidelberger Tierheim. Schwetzingen spart und setzt auf Vereine. Was bedeutet das für die Tiere?

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Stand

Von Autor/in Melanie Holstein

Wenn Tiere gefunden werden, müssen sich die Kommunen laut Bürgerlichem Gesetzbuch um die Unterbringung der "Fundsache" kümmern und diese auch bezahlen. Schwetzingen und weitere benachbarte Orte haben dafür bis jetzt mit dem Heidelberger Tierheim zusammengearbeitet. Die Kosten wären aber ab 2026 um das Dreifache auf 1,50 Euro gestiegen. Mit der neuen Kooperation zahlt Schwetzingen nach eigenen Angaben weiterhin 50 Cent pro Einwohner. Die Stadt zählt knapp 22.000 Einwohner

Ehrenamtliche aus Oftersheim, Schwetzingen und Plankstadt übernehmen Versorgung

Der neue Kooperationsvertrag ist Mitte Dezember unterzeichnet worden. Neben Schwetzingen haben auch Eppelheim und Plankstadt, Oftersheim und Ketsch den neuen Kooperationsvertrag unterschrieben. Auch sie wollen so Geld sparen. Der Grund: Schwetzingen zum Beispiel hätte ab diesem Jahr 1,50 Euro pro Einwohner für die Unterbringung von Fund- und beschlagnahmten Tieren ans Heidelberger Tierheim zahlen müssen, so die Stadtverwaltung Schwetzingen.

Das Geld und die Fundtiere werden stattdessen künftig auf mehrere Einrichtungen verteilt: Katzen kommen zum Tierschutzverein in Schwetzingen (20 Cent pro Einwohner), Hunde zum Hundesportverein Oftersheim (20 Cent) und Vögel zum Vogelpark in Plankstadt (10 Cent), alle im Rhein-Neckar-Kreis. Dadurch werde Geld gespart und der regionale Tierschutz unterstützt, so die Stadt Schwetzingen.

Tierheim in Heidelberg: Infrastruktur und Fachpersonal haben ihren Preis

Für das Heidelberger Tierheim kam die Änderung überraschend. Die bisherige Zusammenarbeit bestand über Jahre und der Fundtierpauschalbetrag von 50 Cent wurde trotz steigender Kosten für die Einrichtung über Jahrzehnte vorher nie angepasst, so die Geschäftsleitung Iris Mathea. Kostendeckend seien auch die 1,50 Euro nicht.

Im Tierheim arbeiten insgesamt sieben Menschen, darunter auch Fachpersonal. Die Betreuung der Tiere sei zum Teil sehr aufwändig und zeitintensiv, so Mathea weiter. Auffällige oder kranke Tiere entwickelten sich häufig zu Dauerinsassen. Sie schätzt die engagierte Arbeit der Vereine, hat allerdings Bedenken, ob sie die Belastung am Ende stemmen können.

Landestierschutzverband Baden-Württemberg: "Was ist der Tierschutz wert?"

Die Diskussion um den fälligen Betrag sei ein ewiger Kampf, so Volker Stutz vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg. Eine einheitliche Gebührenordnung gebe es nicht. Er war 13 Jahre im Vorstand des Verbands und ist im Wieslocher Tierheim aktiv. Dort berechne man seit Jahren bereits 1,50 Euro. Die tatsächlichen Kosten liegen hingegen bei ungefähr drei Euro. Er ist mit der Neuregelung nicht zufrieden.

Ich habe dabei ein blödes Bauchgefühl. Für die Versorgung der Tieren gibt es zudem strenge Auflagen, beispielsweise bei Quarantäne oder beim vorgeschriebenen Platz.

Als er von der Neuregelung erfuhr, war es wie ein "Schlag ins Kontor". Dass die Kommunen sparen müssen, sei verständlich. Aber die ganze Verantwortung deshalb aufs Ehrenamt zu übertragen, sei das falsche Signal. Seiner Einschätzung nach kann das nicht funktionieren. Ihm stelle sich daher die Frage, was der Tierschutz einer Kommune eigentlich wert ist.

Hundesportverein in Oftersheim sieht Grenzen

Angestellte oder Fachpersonal gibt es bei keinem der drei Vereine. Sie arbeiten ehrenamtlich und sind auf freiwillige Helfer angewiesen. Trotzdem habe man langjährige Erfahrung, ein gutes Netzwerk, und die Ehrenamtlichen verfügten über ausreichend Sachkunde-Nachweise, so die Vereine auf SWR-Anfrage. Alle beteiligten Vereine seien auf die Aufgabe vorbereitet.

"Wir sehen es als Gemeinschaftsaufgabe und arbeiten eng mit Tierärzten und Pflegestellen zusammen", so Peter Reinhard vom Hundesportverein Oftersheim. Man kenne sich auch mit "schwierigen" Hunden aus und könne damit umgehen. Der Hundesportverein sei allerdings nur eine Zwischenlösung. Dauerhaft könne man keine Hunde aufnehmen und das sei auch im Kooperationsvertrag so geregelt, langfristig sollen die Tiere in Pflegestellen unterkommen.

Viele Menschen sitzen an einem Tisch und unterzeichnen gemeinsam einen Vertrag.
hinten v.l.: Maria Mummert (Tierschutzverein Schwetzingen), Timo Wangler (Bürgermeister Ketsch), Pascal Seidel (Bürgermeister Oftersheim), Matthias Kutsch (Bürgermeister Eppelheim), Katharina Haag (Kanarien-, Exoten- und Vogelschutzverein 1961 Plankstadt e.V.), Lisa Schlüter (Erste Bürgermeisterin Stadt Schwetzingen), Andres Seibel (Ordnungsamt Stadt Schwetzingen) und Yvonn Rogowski (Ordnungsamtsleiterin Stadt Schwetzingen) (Quelle: Stadt Schwetzingen) Vorne v.l.: Anja Hecker (Tierschutzverein Schwetzingen), Peter Reinhard (Hundesportverein Oftersheim e.V.), Matthias Steffan (Oberbürgermeister Stadt Schwetzingen), Sven Berlinghof (Kanarien-, Exoten- und Vogelschutzverein 1961 Plankstadt e.V.) und Nils Drescher (Bürgermeister Plankstadt). Stadt Schwetzingen

Schwetzingen: Neuregelung gilt erst einmal für ein Jahr

In einem Jahr werde geprüft, wie gut die Zusammenarbeit mit den Vereinen funktioniert und ob die Tiere weiterhin sicher, artgerecht und verantwortungsvoll untergebracht sind, so die Stadt Schwetzingen.

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Melanie Holstein
Melanie Holstein schaut in die Kamera und lächelt, sie ist multimediale Reporterin im SWR Studio Mannheim.

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