Pro Jahr können etwa 400 bis 600 Menschen betreut werden

Mit Unterstützung von Studierenden: Uni Mannheim eröffnet zwei neue Psychotherapie-Zentren

In Mannheim sind zwei neue Hochschulambulanzen für Psychotherapie eröffnet worden. Studierende sollen früher in die Praxis kommen. Gleichzeitig gibt es zusätzliche Therapieplätze.

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Von Autor/in Leon Kaessmann

Für Menschen mit psychischen Problemen aus Mannheim und Umgebung gibt es ab sofort neue Hilfsangebote: In der Nähe des Mannheimer Hauptbahnhofs sind am Mittwoch zwei neue psychotherapeutische Hochschulambulanzen eröffnet worden. Mit den neuen Einrichtungen ergänzt die Universität Mannheim die bestehende Psychologische Ambulanz am Otto-Selz-Institut.

Studierende sollen mehr praktisch arbeiten

Hintergrund der Eröffnung ist die Reform des Studiengangs Psychotherapie. In den Ambulanzen sollen Studierende früher und intensiver praktisch arbeiten können. Dabei können sie unter anderem bei psychotherapeutischen Erstgesprächen hospitieren. Sie sollen aber auch eigenständig Therapiesitzungen führen - beaufsichtigt von erfahrenen Therapeuten.

Die beiden Leiterinnen der Hochschulambulanzen für Psychotherapie Prof. Corina Aguilar-Raab (links) und Prof. Tina In-Albon (rechts)
Die beiden Leiterinnen der Hochschulambulanzen für Psychotherapie Prof. Corina Aguilar-Raab (links) und Prof. Tina In-Albon (rechts). Aguilar-Raab leitet die Hochschulambulanz für Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie, In-Albon die Ambulanz für Kinder und Jugendliche.

Größeres Angebot an Therapieplätzen

"Das ist eine Win-Win-Situation", sagte Corina Aguilar-Raab dem SWR. Sie leitet die neue Hochschulambulanz für Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie in Mannheim. Daneben gibt es noch eine Ambulanz für Kinder und Jugendliche.

Wir schaffen so eine wichtige Schnittstelle zwischen universitärer Lehre, Forschung und psychotherapeutischer Versorgung.

Neben einem positiven Effekt für die Studierenden erweitere man damit das Behandlungsangebot. Denn nach Angaben der Universität warten Betroffene in Mannheim momentan zwischen drei und sechs Monaten auf eine Psychotherapie. Die neuen Ambulanzen sollen dem entgegenwirken. Aguilar-Raab rechnet damit, dass in den beiden Einrichtungen pro Jahr etwa 400 bis 600 Patientinnen und Patienten betreut werden können. Pro Einrichtung arbeiten jeweils bis zu zehn Therapeutinnen und Therapeuten. Abgerechnet werden die Leistungen ganz normal über die Krankenkasse.

Ein Tisch mit einem Laptop und Kärtchen
In den beiden Hochschulambulanzen sind Studierende in Sitzungen mit Patienten dabei, um die verschiedenen Schritte innerhalb der Psychotherapie zu erlernen.

Schon jetzt eine Warteliste

Auch wenn die psychotherapeutische Versorgung im Raum Rhein-Neckar vergleichsweise "nicht schlecht" sei, so Aguilar-Raab, übersteige die Nachfrage immer das Angebot - bei Weitem. "Schon jetzt müssen wir Interessenten auf die Warteliste nehmen", sagte Aguilar-Raab, dabei haben die Ambulanzen gerade erst eröffnet.

Depression bis Persönlichkeitsstörung

Das Behandlungsspektrum der neuen Mannheimer Ambulanzen reicht von Depressionen über Angststörungen bis hin zu Ess- und Persönlichkeitsstörungen. Angesprochen werden Menschen jeden Alters. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Kindern und Jugendlichen sowie auf der Beziehungsarbeit. Vergleichbare Einrichtungen gibt es bereits in Ulm, Tübingen oder Konstanz.

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Leon Kaessmann
Leon Kaessmann, Autor im SWR-Studio Mannheim-Ludwigshafen

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