Seit einem Jahr als Müll-Detektivin auf Streife

Mannheims Sauberkeitsermittlerin: "Es hat schon etwas von Miss Marple"

Sabrina Brand entlarvt seit einem Jahr Mannheims Müllsünder. Sie sucht hauptberuflich wild entsorgten Müll. Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Was hat sich nach einem Jahr verändert?

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Von Autor/in Melanie Holstein

"Von Arzt bis Zeitarbeiter haben alle die gleichen Ausreden" - Zumindest wenn es um illegale Müllentsorgung geht, erzählt die Sauberkeitsermittlerin Sabrina Brand. Sie ist eine von drei Sauberkeitsermittlern aus Mannheim und ist fünf Tage die Woche im Einsatz.

Sabrina Brand ist 41 Jahre alt. Früher hat sie Strafzettel verteilt und heute sucht sie in den Mannheimer Stadtteilen nach wild entsorgten Müll. Ihr Tag beginnt um sieben Uhr im Büro. Sie checkt zu Beginn die angemeldeten Sperrmüll-Abholungen im Stadtgebiet. Denn dort, wo ihre Kollegen vom Stadtraumservice unterwegs sind, wird sie nicht gebraucht.

SWR Reporterin Melanie Holstein hat sie eine Schicht lang begleitet:

Müll-Detektivin ist in zivil unterwegs

Auf Streife ist sie inkognito in einem geliehenen Auto unterwegs, damit man sie nicht direkt erkennt. Sie überprüft die Straßen, hat ihre Augen überall. Sobald sie etwas entdeckt, steigt sie aus. Bei gutem Wetter ist sie häufig zu Fuß unterwegs. Dann kommen auch schon mal rund 20.000 Schritte an einem Arbeitstag zusammen, erzählt die Sauberkeitsermittlerin.

Immer mit dabei: Ihr Telefon und das Klemmbrett. Jeder Fund wird genau dokumentiert. Neben Hausmüll und Schrott finden sich vor allem Möbel, Kühlschränke und Matratzen. Mit ihrer grellen Warnweste und Handschuhen geht sie dann auf Spurensuche.

Mannheims Sauberkeitsermittlerin konfrontiert Verursachende

Zu ihrer Arbeit gehört auch, dass sie die Verursachenden konfrontiert. Vorausgesetzt, sie findet im Müll ausreichende Hinweise: Kontoauszüge, Lieferscheine, Name und Adresse. Dann geht sie klingeln. Die Menschen seien in der Regel skeptisch und am Anfang schockiert. Am Ende aber einsichtig. Eskaliert sei eine Konfrontation bisher noch nicht. Schließlich gehe es auch nur um Sperrmüll.

Gemeckert werde trotzdem. Aber die dreifache Mutter hat eine dicke Haut, bleibt auch dann gelassen. Die positiven Erlebnisse überwiegen für sie. Es kommt auch vor, dass sie angesprochen und für ihre Arbeit gelobt wird.

Ein großer Haufen Sperrmüll am Straßenrand. Sabrina Brand trägt eine grelle Warnweste und kniet neben dem Müll. Sie sucht nach Hinweisen.
Sauberkeitsermittlerin Sabrina Brand sucht nach illegal abgestellten Müll.

Mannheims Straßen: Schrott, Ratten und manchmal auch Schätze

"Handschuhe und Desinfektionsmittel habe ich immer dabei", erklärt sie. Das sei auch notwendig, denn vor allem im Hausmüll versteckten sich öfter Ratten. Ein unangenehmes Problem, das mit den Sauberkeitsermittlern bekämpft werden soll. Im Sperrmüll findet man aber auch kleine Schätze - wie etwa eigenen gut erhaltenen Teppich. Sie frage sich manchmal schon, ob die Leute zu viel Geld haben. Brand macht ihre Arbeit immer noch gerne. Frustrierend sei die Unachtsamkeit und Selbstverständlichkeit der Müllsünder aber trotzdem.

Zwischenbilanz nach zehn Monaten

Auf Sabrina Brands Arbeitslaptop befinden sich Dutzende Fotos von Müllhaufen. In den vergangenen zehn Monaten, seitdem es das Projekt gibt, haben die Müllermittler knapp 2.200 illegale Sperrmüllablagerungen untersucht. Insgesamt 3.590 Kubikmeter unangemeldeter Sperrmüll wurde aus dem Stadtgebiet entfernt.

Insgesamt 220 Fälle wurden zur Anzeige gebracht. Nach Angaben der Stadt wurden fast 90 Prozent der Müllablagerungen während der Streifen entdeckt. Den Rest hätten Bürgerinnen und Bürger über den sogenannten Mängelmelder oder der Stadtraumservice selbst gemeldet. Das alles sei ein großer Erfolg, so die Stadtverwaltung.

Müll-Schwerpunkt im Stadtteil Rheinau ist jetzt weg

Sabrina Brand erzählt auch von einem Müll-Schwerpunkt an einem Platz im Mannheimer Stadtteil Rheinau. Nachdem sie und ihr Team konsequent vor Ort mit Menschen gesprochen haben und Abfall entsorgt wurde, gibt es dort kaum noch Müll, sagt sie. Aber Sabrina Brand und ihr Team haben immer noch genug zu tun, langweilig sei der Job auch nach einem Jahr nicht: Allein in diesem Jahr hätten sie schon wieder mehr als 400 illegale Müllablagerungen gemeldet.

Unter dem Motto "Helden gesucht" organisiert die Stadt Mannheim im März wieder eine Reinigungswoche. Die Stadt stellt Handschuhe, Greifzangen und Müllsäcke bereit und lädt zum gemeinsamen Müllsammeln ein. Auch Sabrina Brand will mit ihrer Arbeit zu einer sauberen Stadt beitragen. "Wir sind auch so kleine Helden. Ohne Cape, aber dafür mit Gummihandschuhen und Desinfektionsmittel", erklärt die Sauberkeitsermittlerin. Bei der Saubermach-Aktion im März wird sie nicht dabei sein. Für sie ist quasi jede Woche eine Reinigungswoche.

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