Die angekündigten Einschränkungen im Fernverkehr ab Mitte Dezember bereiten der Stadt Heidelberg "große Sorge". Das hat ein Sprecher auf Anfrage des SWR mitgeteilt. Heidelberg sei eine bedeutende Wissenschafts- und Wirtschaftsstadt und eng vernetzt mit den Zentren Stuttgart, Frankfurt und Mainz. Man teile die Einschätzung, dass insbesondere die morgendlichen Direktverbindungen für viele Beschäftigte unverzichtbar seien. Die Stadt Heidelberg stehe im Austausch mit der Deutschen Bahn sowie dem Verkehrsministerium des Landes, um die geplanten Streichungen zu prüfen und nach Möglichkeit abzuwenden.
Petition der Heidelberger Grünen: Bisher über 6.000 Unterschriften
Ende Oktober hatten verschiedene Politikerinnen und Politiker der Grünen aus Heidelberg eine Petition an die Bahn initiiert. Heidelberg dürfe nicht vom schnellen Zugverkehr abgehängt werden, heißt es darin. Mit dem Fahrplanwechsel zum 14. Dezember würden verschiedene Direktverbindungen am Morgen nach Stuttgart, Mainz und Frankfurt gestrichen. Das treffe vor allem Berufspendlerinnen und -pendler. Konkret gehe es um die ICE-Verbindungen 1118, 1611, 711, 1672, 932 und 776 sowie um den IC 481. In den vergangenen Jahren sei das Angebot auf diesen Strecken zunehmend eingeschränkt worden. Die Verbindungen, die jetzt noch übrig seien, seien keine gute Alternative, um planbar zur Arbeit zu kommen. Diese Petition haben mittlerweile mehr als 6.000 Menschen unterzeichnet.
Bahn: Von "Abhängen" kann keine Rede sein
In einer schriftlichen Mitteilung auf SWR-Anfrage hat eine Sprecherin der Bahn die Vorwürfe zum Teil zurückgewiesen. Bei vielen Fernverkehrszügen in den klassischen Pendlerlagen sei die Nachfrage zuletzt spürbar zurückgegangen. Die Kunden würden vor allem mit dem Deutschlandticket verstärkt den günstigeren Nahverkehr nutzen. Zu den pendlerrelevanten Zeiten würden auch weiterhin Direktverbindungen von und nach Stuttgart angeboten. Gleichzeitig kämen für Heidelberg und Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) neue Direktverbindungen von und nach Berlin sowie deutlich bessere Umsteigeverbindungen über Mannheim hinzu. Angesichts von mehr als 50 täglichen Halten in Heidelberg könne von einem "Abhängen" der Region nicht die Rede sein.
Fahrgastverband Pro Bahn sieht das Land in der Pflicht
Auf SWR-Anfrage äußerte sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn zu dem Thema. Andreas Schöber vom Regionalverband Pro Bahn Rhein-Neckar sagte, das veränderte Nutzerverhalten durch das Deutschlandticket schlage sich jetzt eben auch im neuen Fahrplan nieder. Es sei nun am Land Baden-Württemberg, das für den Regionalverkehr zuständig sei, in bessere regionale Verbindungen zu investieren, um die wegfallenden ICE-Verbindungen zu kompensieren.