Ein bisschen sperrig, mit sichtbaren Kabeln und ziemlich schwer. Seit Freitag steht im Technoseum Mannheim ein E-Bike aus dem Jahr 1983. Gebaut wurde es vom Elektrotechniker Bernhard Sprenger aus Gerlingen (Landkreis Ludwigsburg). Der Tüftler wollte seinen täglichen Arbeitsweg zu Bosch erleichtern - und montierte kurzerhand einen Elektromotor an sein Fahrrad. Heute gilt seine Konstruktion als visionär.
Technoseum Mannheim: So sah das E-Bike von 1983 aus
Als Motor verwendete Sprenger eine 6-Volt-Lichtmaschine aus einem VW Käfer, die die Kraft über ein kleines Rad auf das Hinterrad übertrug. Das Fahrrad hatte sogar eine Energierückgewinnung beim Bremsen (Rekuperation) - ein Konzept, das man heute aus Elektroautos kennt.
Besonders kurios: Sprenger verbaute ein kleines Radio mit Lautsprecher und Antenne auf dem Lenker, um unterwegs Musik zu hören. Ein Kippschalter schaltete die Unterstützung zu - die Kraftübertragung erfolgte dann über eine Kette am Hinterrad. Bis zu einer Geschwindigkeit von rund 25 Kilometer pro Stunde hat der Hilfsmotor unterstützt - wie bei heutigen Pedelecs.
Bosch winkte ab - und wurde später Weltmarktführer
Sprenger reichte seine Idee 1983 bei seinem Arbeitgeber Bosch ein. Die Reaktion war eindeutig: kein Markt für ein solches Produkt. Fahrräder seien ein Sportgerät, ein Motor nicht notwendig. Das Fahrrad blieb damit weiter in der privaten Nutzung.
Erst Jahrzehnte später gab es von Bosch eine kleine Geste der Anerkennung, erzählte der Sohn des Tüftlers Tobias Sprenger bei der feierlichen Übergabe im Technoseum in Mannheim. Und zwar einen Gutschein für einen Fahrradladen. Die Ironie bleibt: Heute ist Bosch führender Hersteller für E-Bike-Antriebe weltweit.
E-Bike ist Teil einer langen Reihe von Technik-Versuchen
Schon 1895 war laut einem Sprecher des Technoseums das erste Patent für ein Fahrrad mit elektrischem Antrieb erteilt worden. Danach gab es immer wieder Prototypen, Versuche, Konzepte. Die Begriffe "E-Bike" oder "Pedelec" existierten noch nicht - wohl aber die Idee.
Die meisten frühen Modelle schafften nie den Sprung in die Serienfertigung. Dass nun ein solcher Prototyp - aus der Region, funktionstüchtig und durchdacht - Teil der Mannheimer Sammlung ist, zeigt wie wertvoll auch gescheiterte Visionen sein können, erklärte der stellvertretende Leiter des Technoseums Mannnheim, Jens Bortloff.
Technikgeschichte zum Anfassen in Mannheim
Das E-Bike bleibt im Orginalzustand erhalten: Batteriebox, Kippschalter, Motor und Radio. Bernhard Sprenger ist inzwischen gestorben. Doch seine Vision lebt weiter - als Teil der Technikgeschichte Baden-Württembergs in Mannheim.