Mit einem feierlichen Gottesdienst im Münchener Liebfrauendom wird am Montag, 2. Februar, das offizielle Seligsprechungsverfahren des Jesuitenpaters und Widerstandkämpfers Alfred Delp eröffnet. Das Datum ist nicht zufällig gewählt - es ist der Todestag des gebürtigen Mannheimers.
Wusste Delp vom Stauffenberg-Attentat gegen Hitler?
Die Nationalsozialisten hatten den heute weltweit bekannten Jesuitenpater am 2. Februar 1945 nach einem Schauprozess wegen Widerstands gegen den Staat in Berlin-Plötzensee hinrichten lassen. Nach dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler 1944 wurde Delp als Mitverschwörer verhaftet und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Inzwischen sind hunderte von Straßen, Schulen und Bildungseinrichtungen nach Alfred Delp benannt, er wird als Märtyrer verehrt.
Seligsprechungsverfahren beginnt am Todestag des Jesuitenpaters Delp
Mehr als 80 Jahre nach seiner Hinrichtung könnte Alfred Delp nun seliggesprochen werden. Die Leitung und Koordination des Verfahrens liegen in München, wo Delp lange lebte und als Seelsorger tätig war.
Alfred Delp kam 1907 als ältester Sohn von sechs Kindern in Mannheim zur Welt. Nach dem Abitur trat er dem Jesuitenorden bei und wurde Redakteur der bis heute existierenden Ordenszeitschrift "Stimmen der Zeit". Delp arbeitete zwischenzeitlich zwei Jahre als Lehrer und Erzieher an der Jesuitenschule Kolleg St. Blasien (Kreis Waldshut). Prägende Jahre für den Jesuiten, so der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Im Frühjahr 1942 nahm der Theologe Kontakte zur Widerstandsgruppe "Kreisauer Kreis" auf - einer Gruppe von Intellektuellen und Politikern, die sich gegen das nationalsozialistische Terrorregime stellte und ein Gesellschaftsmodell für die Nachkriegszeit entwickelte. Noch in der Todeszelle schrieb der Jesuit viele Briefe und religiöse Meditationen.
Vor einer Seligsprechung sind zunächst alle Gläubigen aufgerufen, der eingesetzten Kommission Informationen über alle Aspekte des Lebens der Person zukommen zu lassen. Dazu werten Historiker und Theologen Dokumente aus Archiven aus und stellen eine umfassende Akte zusammen.
"Alfred-Delp-Gesellschaft" in Mannheim befürwortet Seligsprechungsverfahren
Für die von Mannheimer Bürgerinnen und Bürgern gegründete Alfred-Delp-Gesellschaft ist die Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens längst überfällig. Der Verein hat sich intensiv mit dem Jesuitenpater befasst und mehrere Jahrbücher über Delp herausgegeben.
Im Gespräch mit dem SWR bezeichnete der Vorsitzende Peter Kern den Theologen als "besonders kostbaren Menschen", dessen Andenken "lebendig gehalten werden muss." Er sei Vorbild und Fürsprecher für alle Menschen gewesen. Kern will am Montag nach München fahren, um am Festgottesdienst teilzunehmen.
Wir können auch in der heutigen Zeit noch viel von Alfred Delp lernen.
Laut dem Erzbistum München und Freising wird das Seligsprechungsverfahren mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Entscheidung über die Seligsprechung liegt dann beim Vatikan.