Nach dem Japankäfer könnte bald ein weiterer Schädling den Landwirten in Baden-Württemberg zu schaffen machen. Der sogenannte Wanderfalter Baumwollkapseleule (Helicoverpa armigera) breitet sich in der Schweiz immer weiter aus und könnte laut Experten nach Norden ziehen. In Süddeutschland habe er schon Schäden angerichtet.
Der Falter hat nach Experteneinschätzung ein extrem hohes Schadenspotenzial, weil seine Raupen mehr als 100 Wirtspflanzen befallen können - darunter etwa Bohnen, Erbsen, Tomaten, Paprika, Zuckermais und Salate.
"Problematischer als der Japankäfer" - Ernteausfälle möglich
Vereinzelt seien die Falter sogar schon in Hannover oder Berlin entdeckt worden. In Deutschland treiben die Schädlinge bisher in Kichererbsen ihr Unwesen, sagt Olaf Zimmermann, Schädlingsexperte am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe.
"Baumwollkapseleulen sind im Ackerbau deutlich problematischer als etwa der Japankäfer", betont Zimmermann. Der Japankäfer fresse demnach Blätter und Früchte und gehe hauptsächlich in Wein und Obst, aber die Baumwollkapseleule richte auch in Flächenkulturen wie Mais und Feldgemüse Schaden an.
"Die Raupen befallen mit Vorliebe Hülsen und Früchte der Pflanzen", sagt Cornelia Sauer vom Kompetenzzentrum für die landwirtschaftliche Forschung beim schweizerischen Bundesamt für Landwirtschaf. Aber auch an Blattgemüse komme es zu Schabe- und Lochfraß und zu Verschmutzung durch den Raupenkot. Dadurch werde das Erntegut unverkäuflich und nicht mehr verwertbar.
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Verbreitung ist Folge des Klimawandels
Der Falter heißt übrigens Eule, weil er wie eine Nachteule nachts unterwegs ist. "Es gibt in Deutschland noch keine Überwinterung, aber jedes Jahr Zuflüge", sagt Zimmermann. "Die Frage ist nicht, ob er kommt und bleibt, sondern wann." Die Falter könnten 1.000 Kilometer weit fliegen und die Alpen überqueren.
Durch den Klimawandel verschieben sich die Verbreitungsgebiete nach Expertenangaben nach Norden, wie schon bei anderen Schädlingen. "Man kann davon ausgehen, dass sich irgendwann eine Population an unsere klimatischen Bedingungen anpasst und wir dann vielleicht eine erste Enklave in Südbaden haben. In Ungarn überwintern sie bereits", so Zimmermann. Dort hätten sie sich als Mais-Schädling dauerhaft etabliert. 2023 hatten die Falter Lavendel in Südfrankreich befallen und hohe Ertragsausfälle verursacht.
Schädlings-Monitoring nötig?
"Das Vermehrungspotenzial ist ein Problem", sagt Zimmermann. Ein Falterweibchen könne mehr als 2.000 Eier legen. Es gebe aber wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten. Wichtig sei das Timing: "Die Baumwollkapseleule hat eine bohrende Raupe. Wenn sie einmal im Stängel einer Pflanze ist, kommt man nicht mehr ran. Wenn man erste Falter entdeckt, hätte man zwei bis drei Wochen zum Eingreifen. Dafür wäre das Monitoring wichtig."
In Deutschland gibt es noch kein Überwachungssystem für die Falter. "Weil es kostspielig und aufwendig ist. Gehandelt wird oft erst, wenn bereits große Schäden da sind", sagt Zimmermann. Die Schweizer haben bereits 2024 zur Überwachung 25 Fallen installiert. Darin seien Ende Juni mehr Falter entdeckt worden als zum gleichen Zeitpunkt 2024. Es seien schon erste Schäden der Saison gemeldet worden, an Tomaten südlich der Alpen. Erstmals hatten die Raupen 2023 in Gemüsekulturen große Schäden angerichtet.
Japankäfer in BW schon länger nachgewiesen
Der aus Asien stammende Japankäfer (Popillia japonica) hat in Baden-Württemberg zuletzt Forscher und Landwirte in Alarmbereitschaft versetzt. Die Tiere fallen über Obstplantagen, Weinberge, Wälder, Grünanlagen und Gärten her und fressen bei mehr als 300 Pflanzenarten alles kahl. Natürliche Feinde gibt es hierzulande keine. Nachgewiesen wurde der Käfer bisher unter anderem in Freiburg und im Kreis Lörrach.