Langanhaltende Hitze und Trockenheit führen in Baden-Württemberg immer öfter zu Niedrigwasser. Wenn Flüsse und Seen deutlich weniger Wasser führen als gewöhnlich, hat das spürbare Folgen - unter anderem für die Tier- und Pflanzenwelt, Schifffahrt und Stromproduktion.
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes messen an ihren Pegelstationen die Wasserstände und Durchflussmengen in Flüssen und Seen.
Auf dieser Grundlage berechnet das datenjournalistische Team des SWR vier Kategorien zur Einstufung der Niedrigwassersituation. Die Karte wird täglich aktualisiert und zeigt immer die Werte des Vortags.
Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Energieversorgung
Niedrige Pegel treffen unter anderem die Schifffahrt: Frachtschiffe auf Rhein und Neckar können bei Niedrigwasser teilweise nur noch ein Drittel der Ladung transportieren oder gar nicht mehr fahren. Das spüren zum Beispiel Autofahrer an den Tankstellen: Höhere Transportkosten treiben die Spritpreise nach oben.
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Die Energieversorgung ist ebenso betroffen, denn Wasserkraftwerke müssen bei Niedrigwasser teilweise ihren Betrieb drosseln oder komplett einstellen. Auch einige Gas- und Kohlekraftwerke werden mit Wasser gekühlt. Wenn die Flüsse zu wenig Wasser führen oder zu warm werden, ist das nicht mehr möglich.
Auch die Umwelt leidet stark: Sinkende Wasserstände verkleinern den Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten in Flüssen und Seen. Mit dem Pegel sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Gleichzeitig steigt die Wassertemperatur und die Konzentration von Schadstoffen. Darunter leiden Fische und andere Lebewesen im Wasser.
Wie wird Niedrigwasser gemessen?
Niedrigwasser wird nicht über den Wasserstand, sondern über den Abfluss erfasst. Das ist die Menge Wasser, die in einer bestimmten Zeit durch einen Fluss oder den Zufluss eines Sees strömt.
Historisches Niedrigwasser am Rhein Pegelstand und Wassertiefe: Wie werden sie gemessen und was unterscheidet sie?
Die Hitze hat zu einem extremen Niedrigwasser des Rheins geführt. An mehreren Orten wurden Tiefstwerte bei den Pegelständen erreicht. Doch was ist das überhaupt - ein Pegel?
Die Kategorien ergeben sich so: Der mittlere tägliche Abfluss wird mit dem Durchschnitt der aktuellen Klimareferenzperiode (1991 bis 2020) verglichen. Fließt an einem Tag deutlich weniger Wasser als im Durchschnitt dieser Zeitspanne, spricht man von Niedrigwasser.
Die Kategorien folgen der Methode des Niedrigwasserinformationssystems:
- "niedrig": aktueller Abfluss ist kleiner als an 75 Prozent der Tage von 1991-2020
- "sehr niedrig": Abfluss ist kleiner als an 95 Prozent dieser Tage
- "extrem niedrig": Abfluss ist kleiner als an 99 Prozent dieser Tage
Für die grau gefärbten Pegel können keine Kategorien berechnet werden, da entweder keine vollständige Zeitreihe vorliegt oder der Abfluss nicht zuverlässig gemessen werden kann.