BW-Verkehrsminister für länderübergreifende Regeln

Nach Tod von Serkan Çalar: Was muss sich bei der Sicherheit in Regionalzügen tun?

Seit dem Tod eines Zugbegleiters steht die Sicherheit im öffentlichen Verkehr im Fokus. In Berlin haben sich jetzt Vertreter von Politik, Bahn und Gewerkschaften getroffen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Knut Bauer, Wera Engelhardt

Bei einer Fahrscheinkontrolle in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz war ein Zugbegleiter tödlich verletzt worden. Jetzt hat sich Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) für länderübergreifende Regelungen in Sachen Sicherheit im öffentlichen Verkehr ausgesprochen. Es müsse kritisch geprüft werden, "welche weiteren Instrumente die Sicherheit erhöhen können", teilte Hermann auf SWR-Anfrage mit.

Hermann: Sicherheitsleute und Bodycams in Zügen

Vertreter von Bahn, Politik und Gewerkschaften kamen am Freitag zu einem Sicherheitsgipfel in Berlin zusammen. Auch Hermann nahm daran teil. Ziel seien Maßnahmen, "um die Sicherheit in den Zügen und an den Bahnhöfen vollumfänglich zu gewährleisten", sagte Bahn-Chefin Evelyn Palla vorab.

Doch welche Maßnahmen das sein sollen und vor allem, wer sie am Ende umsetzen und bezahlen muss, das dürften die Knackpunkte werden. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus Teilnehmerkreisen, dass Palla noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auch im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausstatten will.

Mit Blick auf die Regionalzüge in Baden-Württemberg wird nach Angaben von Verkehrsminister Hermann schon einiges getan. Auf Strecken mit großer Nachfrage wie Stuttgart-Tübingen oder Mannheim-Heilbronn gebe es Zugbegleiter in allen Zügen. Sie würden bei Großereignissen wie Fußballspielen oder dem Cannstatter Volksfest von Sicherheitspersonal unterstützt. Hermann verwies außerdem auf Videoüberwachung und mehr Bodycams, um Straftäter abzuschrecken.

Gefährdet ist offenbar nicht nur das Zugpersonal. Ein Bahnmitarbeiter hat dem SWR von beinahe täglichen Übergriffen berichtet:

Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar löste Debatte aus

Wie aus einer Landtagsanfrage der Grünen vom November hervorgeht, ist die Zahl der Opfer von Aggressionsdelikten im öffentlichen Personennahverkehr im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen - von rund 6.300 auf knapp 7.000. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 sind nach Angaben des Verkehrsministeriums in den Regionalzügen im Rheintal und im Netz Stuttgart-Bodensee mehr Einsatzstunden von Sicherheitsdiensten geplant. Außerdem soll es weitere Schwerpunktaktionen bei Großveranstaltungen geben.

Anfang Februar war der 36-jährige Ludwigshafener Zugbegleiter Serkan Çalar in einem Regionalexpress nahe Kaiserslautern bei einer Ticketkontrolle tödlich verletzt worden. Nach Angaben der Polizei hatte ein Fahrgast keinen gültigen Fahrschein und sollte den Zug verlassen, woraufhin der 26-Jährige dem Zugbegleiter mehrfach heftig gegen den Kopf schlug. Die Tat löste deutschlandweit Entsetzen aus. Seitdem gibt es Diskussionen über die Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Rheinland-Pfalz

Mehr Bodycams in Zügen Tödliche Attacke auf Zugbegleiter Serkan C. - Mehr Personal und Sicherheit gefordert

Die tödliche Attacke auf einen Zugbegleiter im Kreis Kaiserslautern sorgt für Entsetzen. Von vielen Seiten werden nun mehr Personal und bessere Sicherheitsvorkehrungen verlangt.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Ludwigshafen/Landstuhl

36-Jähriger lebte in Ludwigshafen Familie des getöteten Zugbegleiters: "Verlust wiegt unermesslich schwer"

Die Tat sorgt für Entsetzen: Serkan Çalar, Zugbegleiter aus Ludwigshafen, wird bei einer Ticketkontrolle so massiv mit Schlägen traktiert, dass er stirbt. Jetzt meldet sich seine Familie zu Wort.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Knut Bauer
SWR-Reporter und -Redakteur Knut Bauer
Wera Engelhardt
SWR Redakteurin Wera Engelhardt

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!