36-Jähriger lebte in Ludwigshafen

Familie des getöteten Zugbegleiters: "Verlust wiegt unermesslich schwer"

Die Tat sorgt für Entsetzen: Serkan Çalar, Zugbegleiter aus Ludwigshafen, wird bei einer Ticketkontrolle so massiv mit Schlägen traktiert, dass er stirbt. Jetzt meldet sich seine Familie zu Wort.

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Stand

Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz hat die Familie darum gebeten, den vollen Namen von Serkan Çalar zu nennen. "Die Hinterbliebenen von Serkan Çalar trauern um ihn als einen Menschen, Familienvater, Sohn und Bruder, der für seine Familie und sein Umfeld ein fester Anker war, warmherzig, freundlich, ruhig und zuverlässig", teilten die Anwälte der Familie mit.

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Man habe am Donnerstag das Mandat von der Familie bekommen, sagte einer der Anwälte auf Anfrage.

Bahnmitarbeiter war verlobt und plante Hochzeit

Der 36-Jährige sei der älteste von fünf Brüdern und allein erziehender Vater von zwei Kindern gewesen. "Zudem war er aktuell verlobt und freute sich auf die gemeinsame Zukunft und die geplante Hochzeit mit seiner Verlobten. Der Verlust wiegt unermesslich schwer", teilten die Anwälte im Auftrag der Familie mit. 

Die beiden Kinder des getöteten Zugbegleiters seien seit der Tat bei der Mutter von Serkan Çalar gewesen, teilt einer der Anwälte mit. Sobald die Familie aus der Türkei wieder zurückgekehrt ist, sollen die beiden Kinder dann bei ihrem Onkel, einem Bruder von Çalar leben. Dies sei ihr ausdrücklicher Wunsch.

Serkan Calar, der bei Landstuhl angegriffene und getötete Zugbegleiter aus Ludwigshafen
Der getötete Serkan Calar

Familie will spürbare Strafe

Für die Familie stünden nun zwei Interessen im Vordergrund. Zum einen die vollständige Aufklärung der Abläufe und Hintergründe. "Nur die Wahrheit ermöglicht eine Verarbeitung und kann zur Bewältigung der Trauer beitragen." Außerdem müsse am Ende eine spürbare Strafe stehen, die auch eine abschreckende Wirkung entfaltet, damit anderen Familien nicht ähnliches Leid passiert. 

Vergangene Woche war in einer Moschee in Ludwigshafen das Totengebet für den 36-Jährigen gehalten worden. Inzwischen ist er im türkischen Gaziantep beerdigt worden. Seine Familie bleibt dort für eine dreiwöchige Trauerphase, erzählt ihr Anwalt.

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Familie möchte im Fall eines Prozesses als Nebenkläger auftreten

"Im Laufe eines möglichen Gerichts-Verfahrens werden voraussichtlich sowohl der Tötungsvorsatz als auch mehrere in Betracht kommende Mordmerkmale zu prüfen sein", teilten die Anwälte der Familie mit. Ein wichtiges Anliegen sei es für die Anwälte zudem, das Vorleben des mutmaßlichen Täters zu beleuchten, um möglicherweise zu ergründen, wie dieser zu solch einer Tat fähig war. "Daneben erscheint uns auch das Verhalten des Täters am Tattag selbst von erheblicher Bedeutung", so die Anwälte. Hierfür soll auch Videomaterial von den Bahnhöfen, an denen sich der Täter aufgehalten hat, ausgewertet werden.

Die Anwälte teilen auch mit, dass die Familie von Serkan Çalar in einem möglichen Gerichtsprozess als Nebenkläger auftreten möchten. Konkrete Prozess-Strategien gäbe es noch nicht, da das Ermittlungsverfahren noch am Anfang stünde. Es ist auch möglich, dass noch mehr Anwälte dazu stoßen würden. Das hänge davon ab, wie groß ein möglicher Prozess im Endeffekt werden wird.

Getötet bei Ticketkontrolle

Der 36 Jahre alte Bahnmitarbeiter war bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress von einem Reisenden ohne gültiges Ticket mit Schlägen gegen den Kopf attackiert worden. Er verlor das Bewusstsein und starb später in einer Klinik an einer Hirnblutung. Der Tat verdächtigt ist ein 26 Jahre alter Mann. Gegen ihn erging ein Haftbefehl wegen Totschlags.

Zeugenaussagen fehlen

Die Tat wurde mit Kameras, die in dem Regionalexpress hängen, aufgezeichnet. Mittlerweile verfügen auch die Anwälte über eine Kopie. "Die Videos sind schrecklich", sagt einer von ihnen. Man erkenne sogar, dass Çalar in den Schoß einer jungen Frau gefallen sei, nach dem er mehrere Schläge gegen den Kopf bekommen habe.

Auf den Videos ist auch zu sehen, dass sich zum Zeitraum der Tat mehr als 20 Personen im Wagon befanden. Allerdings haben nach Informationen der Anwälte bisher nur vier Personen bei der Polizei ausgesagt, darunter ein Bundeswehrsoldat, der erste Hilfe geleistet habe.

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SWR

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