Mitte November fiel in diesem Jahr bereits der erste Schnee am Feldberg im Schwarzwald. Doch der Wärmeeinbruch Anfang Dezember hat die Schneedecke wieder schmelzen lassen, der Skibetrieb ist aktuell nur sehr eingeschränkt möglich. "Die Feldbergbahn und der Feldbergturm sind für Fußgänger geöffnet", heißt es auf der Internetseite. Klimaforschern zufolge wird dies in Zukunft häufiger so sein.
Was bedeutet das fürs Skifahren und den Wintersport im Land? Wie schätzen Fachleute und Liftbetreiber die Lage ein? Und welche Veränderungen sind notwendig, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen?
Schneereiche Winter - wie ist die Prognose für den Schwarzwald?
Auch in Zukunft wird es hierzulande noch schneereiche Winter geben, darin ist sich die Klimaforschung einig. Dennoch werden Frosttage und damit Winter mit viel Schnee laut Umweltbundesamt in Baden-Württemberg seltener, die Temperaturen steigen. Skigebiete, die tiefer liegen als 1500 Meter über dem Meeresspiegel, werden dadurch in Zukunft nicht mehr dauerhaft schneesicher sein, sagen Klimaforscher wie Michael Stölzle von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Das betrifft auch die Skigebiete im Schwarzwald mit bis zu 1450 Metern Höhe.
Wenn man sich die Klimamodelldaten anschaut, sieht man eindeutig, dass es - wie überall in Europa und in Deutschland - auch im Schwarzwald wärmer wird. Vor allem in tieferen und in mittleren Lagen geht es sehr stark zurück, was die Schneedecke angeht.
Mit Blick auf den Wintersport und insbesondere das Skifahren in deutschen Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald bedeutet das: Es ist schwerer vorhersehbar, wann die Schneedecke zwischen November und März über einen längeren Zeitraum hinweg hoch genug sein wird, um Skilifte laufen zu lassen. Selbst mit Kunstschnee.
Insbesondere für Liftbetreiber wird es also schwerer sein zu kalkulieren, ob und wie lange sich ihr Aufwand rechnet. Einige kleinere Liftbetreiber in niedrigen Lagen haben ihren Betrieb daher bereits eingestellt.
Spürbar für Skigebiete in tieferen Lagen Winterwetter: Bis zu 20 Prozent weniger Schnee im Allgäu laut Klimastudie
In den nächsten 30 Jahren soll es im Allgäu bis zu 20 Prozent weniger Naturschnee geben, das zeigt eine Klimastudie. Skifahren wird aber auch in den nächsten Jahren möglich sein.
Wie reagieren Liftbetreiber am Feldberg auf diese unsicheren Prognosen?
Selbst auf dem Feldberg, dem mit 1.493 Metern höchsten Berg aller deutschen Mittelgebirge, wird Skifahren in Zukunft also seltener möglich sein. Noch aber lebt die Region vom Winter- und Skitourismus. Jeder Skitag bringt Geld ein - und diese Einkünfte sollen auch die Anpassung der Region an die sich wandelnden Bedingungen finanzieren. Der Skibetrieb bleibt wichtig. Die Liftanlagen am Feldberg waren deshalb ab Mitte November betriebsbereit - und konnten direkt anlaufen, als die Schneedecke dick genug wurde.
Zugleich setzt man in den Skigebieten stärker auf technische Beschneiung mithilfe von Schneekanonen, also Kunstschnee. Dafür ist nicht nur jede Menge Energie nötig, die am Feldberg durch Ökostrom gedeckt wird, sondern auch viel Wasser. Liftbetreiber und Gemeinden am Feldberg planen auch ein großes, neues Speicherbecken, das eine flächendeckende Beschneiung künftig auch in schneearmen Wintern ermöglichen soll. Die Pläne sind aber umstritten: wegen der Eingriffe in die Natur einerseits und des enormen Energie- und Wasseraufwands andererseits.
Nicht nur Skifahren: Tourismus im Schwarzwald muss sich anpassen
Klar ist: Der Schwarzwaldtourismus wird sich anpassen müssen, auch am Feldberg. So sollen der Betrieb der Lifte und Bahnen und die Angebote allmählich auf einen Ganzjahresbetrieb umgestellt werden, der nicht mehr nur Wintersportler bedient. Also: Weg vom Ski- und Wintersport - hin zum Naturerlebnis, sagt Kai Lebrecht von den Feldbergbahnen.
Also die Umstellung von einer klassischen Saisonkarte, die nur den Skibetrieb ermöglicht, zu einer Ganzjahreskarte. Dass alles zusammen - das Wandern, das Biken, aber auch eben das Skifahren - eben mit einer Jahreskarte möglich ist.
Ganz nach dem Motto: der Schwarzwald hat mehr zu bieten als Skifahren. Um solche Konzepte für einen Ganzjahresbetrieb zu entwickeln und nach und nach umzusetzen, brauche es aber noch die Einnahmen aus dem Winter, sagt Kai Lebrecht.
Preise, Schnee, Lifte Feldberg, Schwäbische Alb, Schwarzwald: Alles Wichtige zur Skisaison in BW
Am Feldberg startet die Skisaison. Aber wie sind die Bedingungen für die Skiliftbetreiber? Und: Wie teuer sind die Ticketpreise und welche Lifte haben in BW offen? Ein Überblick.
Zukunft: Rodelbahnen und Bikeparks oder authentisches Naturerlebnis?
Der Ausbau von Infrastruktur für den Tourismus wird allerdings zum Teil auch skeptisch betrachtet, nicht nur von Naturschützern. Wasserspeicher, Sommerrodelbahnen, Bikeparks und andere Freizeitanlagen etwa: Auch manche Tourismusforscher warnen davor, zu stark auf technische und künstliche Infrastruktur zu setzen - sowohl für den Winter- als auch für den Ganzjahresbetrieb.
Auch Kulturgeograph und Alpenforscher Werner Bätzing rät vom "Freizeitpark-Mittelgebirge" ab, denn dies führe zu einem Investitionswettrüsten. Seiner Meinung nach sollte der Schwarzwald seine Nähe zu den Ballungszentren nutzen, um Städtern ein pistenfreies, authentisches Naturerlebnis zu bieten.
Einen Wintertourismus ohne technische Hilfsmittel, wo das Erleben der Natur im Winter eine Rolle spielt. Und wo man abends vielleicht das Ganze mit Wellnessanlagen oder mit lokaler Kulinarik ergänzt, aber weg von dieser Monofunktion Abfahrtski. Die ist, glaube ich, wirklich ein Auslaufmodell.
Die Besinnung auf den Schwarzwald als Natur- und Naherholungsraum als nachhaltige Alternative zu technikgetriebenen Attraktionen also. Damit, glaubt Bätzing, könne langfristig auch die Einzigartigkeit der Region bewahrt werden.