Weil die Sparda-Bank Baden-Württemberg den IT-Dienstleister wechselt, kommt es knapp vier Tage lang zu großen Einschränkungen für die mehr als 700.000 Kundinnen und Kunden im Land. Laut Mitteilung der Genossenschaftsbank stehen von Donnerstag, 24. Juli, 17 Uhr, bis Montag, 28. Juli, 8 Uhr, zahlreiche Services nicht zur Verfügung.
Sparda-Bank BW: Knapp vier Tage Einschränkungen bei Kartenzahlung
So fällt laut Sparda-Bank BW im genannten Zeitraum das Online-Banking auf der bisherigen Plattform TEO aus. Zudem werden alle Geldautomaten der Sparda-Bank außer Betrieb sein. Zahlungen mit der Bankkarte in Deutschland funktionieren nur eingeschränkt und im Ausland gar nicht. Und auch bei der Sparda Debit Mastercard wird es laut Bank on- und offline in diesem Zeitraum zu Ausfällen kommen.
Darüber hinaus werden in dieser Zeit alle 35 Filialen im Land geschlossen bleiben, auch telefonisch und per Mail können Kundinnen und Kunden die Sparda-Bank BW dann nicht erreichen. Die Notruf-Hotline zur Kartensperrung bleibe aber unter der 116116 weiterhin erreichbar, so die Sparda-Bank BW gegenüber dem SWR. Das Geldinstitut rät seinen mehr als 700.000 Kundinnen und Kunden, vor Beginn der Ausfallzeit ausreichend Bargeld abzuheben. Gebührenfrei sei das Abheben außerdem auch während der Ausfallzeit an Bankautomaten sogenannter Cash-Pool-Partnerbanken möglich. Das sind zum Beispiel die Targobank, Santander und die Südwestbank.
Sparda-Bank sieht Kunden gut vorbereitet, Verbraucherzentrale rechnet mit Beschwerden
Auf SWR-Anfrage teilte die Sparda-Bank BW mit, man habe die Kundinnen und Kunden "gut auf dieses Wochenende vorbereitet" und frühzeitig auf verschiedenen Kanälen informiert. Im Zuge des geplanten IT-Umstiegs habe es bereits zuvor kurzzeitig Einschränkungen gegeben und - so eine Sprecherin: "Das war bisher kein Thema für unsere Kundinnen und Kunden - sicherlich auch, weil wir im Vorfeld umfassend informieren und damit auch klar ist, welche Lösungen bzw. Alternativen es für unsere Kundinnen und Kunden gibt."
Niels Nauhauser von der BW-Verbraucherzentrale schätzt den Zeitraum, in dem Kundinnen und Kunden der Sparda-Bank BW mit Einschränkungen leben müssen, im Gespräch mit dem SWR als ungewöhnlich lang ein. Ihm sei keine andere Bank bekannt, bei der Einschränkungen wegen einer IT-Umstellung so lange andauerten. "Wir würden uns wundern, wenn keine Beschwerden dazu reinkommen." Dann müsse man jeden Einzelfall genau prüfen, erklärt Nauhauser, denn: "Zum einen ist die Bank ihren Kunden gegenüber verpflichtet, den ordnungsgemäßen Betrieb sicherzustellen. Auf der anderen Seite haben Gerichte in der Vergangenheit Banken aber auch schon Ausfallzeiten zugestanden, wenn diese notwendig waren, um die Technik auf den neuesten Stand zu bringen." Sollte Kundinnen und Kunden durch die Einschränkungen bei der Sparda-Bank BW ein Schaden entstehen, müssten diese im Zweifel nachweisen, dass die Bank wirklich verantwortlich für diesen Schaden war. Ebenfalls wichtig sei die Frage, ob die Informationen tatsächlich ausreichend waren, die im Vorfeld von der Bank an die Kundinnen und Kunden ausgegeben wurden.
Sparda-Banken: IT-Wechsel kostet Kundinnen und Kunden
Bereits 2023 haben die Sparda-Banken in Deutschland insgesamt rund 2,3 Millionen Kundinnen und Kunden auf die Einschränkungen im Zuge der IT-Umstellungen hingewiesen. Damals mahnte der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Sparda-Banken, Florian Rentsch, eine gute Kommunikation rund um die Umstellung an. Denn der mit Einschränkungen verbundene Wechsel zum genossenschaftlichen IT-Dienstleister Atruvia habe die Sparda-Banken, die schon früher umgestellt hatten, in der Vergangenheit eine Zahl von Kundinnen und Kunden "im signifikanten Bereich" gekostet. "Was wir feststellen ist, dass die Kunden frühzeitiger, intensiver, auch auf unterschiedlichen Kanälen informiert werden müssen", so Rentsch. "Das reine Versenden von Briefen reicht definitiv nicht aus."
Weniger Mitglieder, aber stabile Kundenzahlen
Sinkende Mitgliederzahlen gab es bei der Sparda-Bank BW bereits vor den nun anstehenden Einschränkungen durch den Wechsel des IT-Dienstleisters. So zählte man 2020 noch mehr als 524.000 genossenschaftliche Mitglieder, 2024 waren es noch knapp 459.000. Trotzdem ist sie weiterhin die mitgliederstärkste Genossenschaftsbank in Baden-Württemberg. Die Zahl der Kundinnen und Kunden lag in den vergangenen Jahren stabil bei mehr als 700.000. Mit einer Bilanzsumme von knapp 15 Milliarden Euro war die Sparda-Bank BW im Jahr 2024 laut Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken die sechstgrößte Genossenschaftsbank in Deutschland.