Nur 5,5 Prozent bei Landtagswahl geholt

Nach Wahl-Debakel bei der SPD: Spricht die AfD die Arbeiter besser an?

Bei der Landtagswahl erreichte die AfD ihren Bestwert in BW, die SPD landete auf einem historischen Tief. Ein Grund: Viele Arbeiter wählten die AfD. Was kann die SPD tun?

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Von Autor/in Astrid Meisoll

Es geht für die SPD in Baden-Württemberg ums Überleben. Mit 5,5 Prozent bei der Landtagswahl sind die Sozialdemokraten nur knapp über der Fünfprozent-Hürde. Die bestimmt, wer in den Landtag einzieht. Personell hat die SPD aus dem schlechten Abschneiden bereits Konsequenzen gezogen. Andreas Stoch kündigte noch am Wahlabend seinen Rückzug von der Partei- und Fraktionsspitze an. Künftig leitet Sascha Binder die Fraktion. Aber was folgt inhaltlich?

Die SPD verliert seit Jahren Stimmen in der Arbeiterschaft

Der Vertrauensverlust in der Arbeiterschaft trifft die SPD tief. Binder sagte dem SWR: "Das ist eine Entwicklung, die für uns kaum auszuhalten ist, wenn wir sehen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Baden-Württemberg das Gefühl haben, sie können nicht auf die SPD zählen."

Grafik: So haben Arbeiter bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg gewählt.
Grafik: So haben Arbeiter bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg gewählt.

Daten von infratest dimap zeigen: Viele Arbeiterinnen und Arbeiter wählen in Baden-Württemberg inzwischen AfD statt SPD oder CDU. 37 Prozent der Arbeiter haben 2026 ihre Stimme der AfD gegeben. Das sind elf Prozentpunkte mehr als noch 2021. CDU und SPD schneiden in dieser Wählergruppe inzwischen schlechter ab.

Das war mal anders: 2001 betrug der Stimmanteil unter den Arbeitern bei CDU-Wählern noch 48 Prozent, bei der SPD 32 Prozent. Auch bevor die AfD in den Landtag in Baden-Württemberg einzog, begann der Abwärtstrend.

Themen bei Arbeitern: Steigende Lebenshaltungskosten und Sorge um den Arbeitsplatz

Dabei gibt es aktuell viele Themen, die eine traditionelle Arbeiterschaft beschäftigen und die auf die SPD einzahlen könnten. Doch der AfD scheint es besser zu gelingen, diese Themen zu bedienen. "Es ist die Sorge um den Arbeitsplatz, die viele Menschen umtreibt", erklärt der neue Fraktionsvorsitzende der SPD, Binder. "Diejenigen, die arbeiten gehen, sorgt aber auch, dass viele Dinge teurer werden. Dass sie mehr fürs Benzin zahlen, dass sie mehr für die Kita bezahlen."

Die AfD bedient das gleiche Thema. Formuliert aber anders. Kay Rittweg, 46, frisch gewählter Abgeordneter für die AfD im Landtag, sagt: "Man buckelt sich krumm dafür, dass immer weniger im Geldbeutel übrig bleibt." Er findet, die AfD treffe den Nerv der Arbeiter. Rittweg selbst arbeitet seit fast drei Jahrzehnten im Mercedes-Werk in Sindelfingen.

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"Bist du für oder gegen das Verbrenner-Aus?"

Die Debatte an den Werkstoren im Land sei inzwischen sehr polarisiert, findet SPD-Fraktionschef Binder. "Bist du für oder gegen das Verbrenner-Aus?" Auf diese Frage liefe es oft hinaus. AfD-Mann Rittweg sagt: "Das Verbrennerverbot würgt die Automobilindustrie ab." Dass das sogenannte Verbrennerverbot schon wieder gekippt ist zugunsten von mehr Technologieoffenheit und die Benzinpreise aktuell neue Höhen erreichen - geschenkt. Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz trifft viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ganz konkret.

Die SPD will wieder mehr das Gespräch suchen

Für die SPD geht es in dieser Lage darum, nicht den Anschluss an die Wählerschaft zu verlieren, wenn sie sich vom schwachen Landtagswahl-Ergebnis wieder erholen will. Binder hat auch schon eine Idee, wie das gehen soll: "Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich an uns wenden, wenn vor Ort Standorte geschlossen werden, dann müssen wir vor Ort sein, müssen wir da sein, müssen wir das Gespräch suchen. Wir müssen nicht gleich sofort auf alles eine Antwort haben, aber wir müssen da sein." 

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Astrid Meisoll
Astrid Meisoll arbeitet als Moderatorin und Politik-Reporterin.

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