Hohe Preise für Benzin und Diesel

Tanktourismus in Frankreich und der Schweiz: Warum der Sprit dort günstiger ist

Während viele Menschen für billigeren Sprit ins Ausland fahren, plant die Bundesregierung neue Maßnahmen. Wie erfolgsversprechend sind sie? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Das Tanken kann aktuell zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. Seit mehr als einer Woche liegt der Preis in Deutschland im Durchschnitt schon bei über zwei Euro. In Zeiten wie diesen wandert der Blick gern in die Nachbarländer. Und siehe da: Besonders in Polen, Österreich, Tschechien und Luxemburg ist der Sprit teils deutlich günstiger als hierzulande. Aber auch aus Baden-Württemberg fahren die Menschen zum Tanken in die angrenzenden Länder - sowohl nach Frankreich als auch in die Schweiz. Immer wieder gibt es von dort deshalb Berichte von überfüllten Tankstellen.

Warum ist der Spritpreis in Deutschland höher als in Nachbarländern?

Dass der Sprit in den Nachbarländern teils billiger zu haben ist, ist nicht nur in Krisensituationen so, sondern das ganze Jahr. Das liegt zum Beispiel an unterschiedlich hohen Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel in den EU-Ländern. In Deutschland etwa werden laut Angaben des Mineralölkonzerns Shell bei Otto-Kraftstoffen 65 Cent pro Liter und bei Dieselkraftsto ffen 47 Cent pro Liter an Energiesteuer fällig. Dazu kommt eine CO2-Abgabe, die laut Shell zwischen 15 und 18 Cent pro Liter beträgt. Auf den Gesamtpreis inklusive Energiesteuer und CO2-Kosten wird dann die Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben. In anderen Ländern sind diese Abgaben teils deutlich geringer.

Allerdings könne der Preisunterschied - etwa zwischen Frankreich und Deutschland - nur zum Teil durch die unterschiedliche Besteuerung erklärt werden. Das sagt etwa Alexander Eisenkopf, Wirtschaftswissenschaftler an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. "Da bleibt immer noch ein Rest von fünf, sechs, sieben Cent, die dadurch nicht erklärt werden." Was ebenfalls eine Rolle spielen könne: In Deutschland sei die Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft höher als in Frankreich.

Auffällig ist auch, dass der Diesel aktuell mehr kostet als E10-Benzin. Normalerweise ist das umgekehrt, weil ersterer deutlich niedriger besteuert wird. Sein Preis ist aber auch krisenanfälliger - unter anderem, weil Diesel auch als Ersatz für Gas verwendet wird und für die Industrie eine größere Rolle spielt. Schon auf den Beginn des Ukraine-Krieges hatte er stärker reagiert als Benzin.

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung?

Die Bundesregierung hat unter dem Namen "Spritpreispaket" kürzlich drei wesentliche Maßnahmen in die Wege geleitet, die einen weiteren Anstieg der Preise verhindern sollen. Zunächst will die Regierung nach eigenen Angaben Teile der nationalen Ölreserven freigeben. Um gegen missbräuchliche Preiserhöhungen vorzugehen, soll das Kartellrecht verschärft und die Ölkonzerne stärker kontrolliert werden. "Bei Verdacht auf missbräuchlich überhöhte Kraftstoffpreise müssen die Unternehmen dann darlegen, dass die Erhöhungen gerechtfertigt sind", heißt es von der Bundesregierung.

Außerdem sollen Tankstellen die Preise künftig nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, erhöhen dürfen. Preissenkungen sollen hingegen jederzeit möglich sein. Bei Verstößen gegen das Verbot drohen laut Bundesregierung Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Die Maßnahme orientiert sich am sogenannten "österreichischen Modell", das seit 15 Jahren existiert.

Wie schnell können diese Maßnahmen wirken?

Die Fraktionen geben an, das Paket unmittelbar in den Bundestag einbringen zu wollen. Ziel sei, die Regelungen "möglichst noch vor Ostern" einzuführen. Bis dahin wird sich der Spritpreis wohl allenfalls stabilisieren, was auch die aktuellen Zahlen zeigen. Der ADAC macht für die nächsten Wochen ebenfalls wenig Hoffnung: Bei Krisen gingen die Preise für Benzin und Co. zwar generell sehr schnell nach oben, sagte ein Sprecher. Nach dem Ende einer Krise dauere es aber immer recht lange, bis die Entspannung auch an der Zapfsäule ankomme.

Thorsten Weik aus der SWR-Wirtschaftsredaktion zweifelt an der Wirksamkeit der Maßnahmen im Allgemeinen. "Wenn wir auf das österreichische Modell schauen, gibt es unterschiedliche Studienergebnisse, dass das gar nichts oder kaum etwas bringt", sagt Weik. Ein Vorteil sei dennoch: Wenn man sich über die Preise im Voraus informiert, wird der Preis auch noch in dieser Höhe sein, wenn man an der Tankstelle angekommen ist.

Lohnt es sich also, zum Tanken ins Ausland zu fahren?

Es kommt darauf an, wo man wohnt - und wie weit die nächste Tankstelle im benachbarten Land weg ist. Wer sich dessen nicht sicher ist, es aber gern darauf anlegen möchte, kann mit der folgenden Faustformel rechnen: Für einen Cent Ersparnis an der Zapfsäule lohnt sich maximal ein Umweg von zwei bis drei Kilometern hin- und zurück, wie die SWR-Wirtschaftsredaktion berechnet hat. Zum Tanken in den Nachbarort zu fahren, lohnt sich deshalb zum Beispiel oft nicht, weil das, was man spart, durch die längere Fahrt wieder aufgefressen wird. Hinzu kommt, dass nicht nur der zusätzliche Spritverbrauch, sondern der Verschleiß am Auto und die aufgewendete Zeit eingerechnet werden muss.

Generell bringt es mehr, beim Tanken auf die Uhrzeit zu achten. Abends ist es etwa häufig günstiger - und Tankstellen an der Autobahn sind besonders teuer.

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Isabell Erb
SWR-Redakteurin Isabell Erb

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