SWR-Videopodcast "Zur Sache intensiv"

Steuerexperte Eigenthaler: Arbeit wird in Deutschland zu hoch besteuert

Thomas Eigenthaler kämpft seit Jahrzehnten für ein gerechteres Steuersystem. Im SWR-Podcast "Zur Sache intensiv" fordert er eine höhere Besteuerung von Reichen.

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Von Autor/in Hannes Köhle

"Nach meiner festen Überzeugung wird Arbeit in Deutschland zu hoch besteuert", sagt Thomas Eigenthaler im SWR-Podcast "Zur Sache intensiv". Die Hauptlast trage die arbeitende Bevölkerung und ganz besonders die Mittelschicht.

Steuerexperte Eigenthaler: Der Ehrliche ist der Dumme I Zur Sache! intensiv“

Die Steuerlast müsse jedoch gerechter verteilt werden. "Dazu gehört für mich, dass nicht nur Arbeit besteuert wird, sondern dass auch hohe Vermögen und vor allem überreiche Vermögen stärker herangezogen werden", sagt Thomas Eigenthaler. Dafür gebe es in Deutschland sogar ein Gesetz, nämlich die Vermögensteuer. Das würde die Politik jedoch seit drei Jahrzehnten nicht anwenden.

Ein Dornröschenschlaf seit 30 Jahren, das gibt es in der ganzen Welt nicht noch einmal, dass ein Gesetz da ist, aber seit 30 Jahren nicht angewendet wird.

Steuerexperte: Reichen-Lobby hat starken Einfluss auf Politik

Der Grund dafür: Laut Eigenthaler haben Menschen mit einem hohen Einkommen mit einer starken Lobby großen Einfluss auf die Politik in Berlin. "Die Lobby sagt natürlich: Vermögensteuer wollen wir gar nicht", sagt Eigenthaler. Mit Erfolg, denn keine politische Kraft habe es in den vergangenen 30 Jahren gewagt, mit diesem Gesetz Vermögende zu besteuern. Zudem habe es auch keine Partei gegeben, die es gewagt hätte, das Gesetz formal abzuschaffen.

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Thomas Eigenthaler setzt sich seit Jahrzehnten für ein gerechteres Steuersystem und gegen Steuerbetrug ein. "Was mich angetrieben hat, ist einfach die Forderung, wenn ein Staat Gesetze fertigt, wenn er sie erlässt, dann müssen diese auch durchgesetzt werden", sagt Eigenthaler, "Wenn man das nicht macht, sagen selbst die Ehrlichen: Ich bin doch nicht der Dumme. Wenn die nicht bezahlen und sich der Staat nicht kümmert, dann bezahle ich auch nichts mehr."

Das Superreiche mittlerweile schwieriger ihr Geld am deutschen Staat vorbei in Steueroasen, wie der Schweiz anlegen können, sieht er als positive Entwicklung. Sorge bereiten ihm aber Branchen, in denen noch immer viel mit Bargeld bezahlt wird, wie zum Beispiel in der Gastronomie. Dort würden viele Milliarden in schwarzen Kassen landen. Er schätzt bis zu 15 Milliarden Euro pro Jahr. Egal wie groß der Betrag sei, Steuerhinterziehung sei kein Kavaliersdelikt.

Wir müssen den Leuten bewusst machen: Für das, was Staat und Kommunen leisten, musst du auch was liefern. Und da darf niemand in die Büsche gehen und sich rarmachen.

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Es stört ihn, dass durch Steuertipps und Tricks auch in Steuersoftwares der Eindruck entstehe, wenn man es nur klug anstelle, könne man an der Steuer vorbeikommen. "Ich mache mir wirklich große Sorgen um unser Staatswesen, um unsere Demokratie", sagt Eichenthaler. Er spüre jeden Tag, wie ein Großteil der Bevölkerung unzufrieden sei. Mit ein Grund sei auch, wenn es im Steuersystem Ungerechtigkeiten gebe.

Abschaffung der Bonpflicht ist "irre"

Den Plan der neuen Bundesregierung die Bonpflicht wieder abzuschaffen, hält er für "irre" und "absurd". Für ihn ist die Bonpflicht Teil eines Schutzkonzeptes. Diese wurde 2020 eingeführt, um Steuerhinterziehung zu bekämpfen.

Auch hier habe Lobbyarbeit Erfolg gehabt. "Es führt dazu, dass mehr Geld nicht offiziell in der Kasse landet", sagt Eigenthaler. Gerade in Betrieben, in denen mit Bargeld bezahlt würde und die Inhaber geführt seien, gebe es Steuerbetrug - dazu gehöre auch die Gastronomie. "Da fehlen Milliarden pro Jahr."

Doch wie viel Steuergeld in der Gastronomie hinterzogen wird, weiß laut Eigenthaler jedoch niemand in Deutschland. Die Behörden würden die einzelnen Fälle nicht nach Branchen erfassen. Das muss sich laut Eigenthaler ändern: "Bevor wir alle im luftleeren Raum argumentieren, halte ich das für wirklich wichtig, mal Zahlenmaterial herbeizuschaffen."

Mehr Kontrollen gegen Steuerhinterziehung

Zudem fordert Eigenthaler mehr Steuerkontrollen. Betriebe würden im Schnitt nur etwa alle 10 bis 15 Jahre kontrolliert, kleine Betriebe sogar nur alle 20 bis 40 Jahre.

"Im Grunde ist das völlig grotesk. Arbeitnehmer werden jedes Jahr steuerlich überprüft und der Arbeitgeber wird auch nochmal geprüft, ob er die Lohnsteuer richtig abgezogen hat. Wir haben eine doppelte Überprüfung und der andere Bereich ist eine unbekannte Erde", sagt Eigenthaler.

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Steuerexperte legt Schweizer Schwarzgeldkonten trocken

Der gelernte Steuerinspekteur und Jurist gilt als eine der führenden Stimmen gegen Steuerbetrug in Deutschland. Zehn Jahre war er Leiter eines Finanzamts und prägte Jahrzehnte die deutsche Steuergewerkschaft. Bis 2022 war er ihr Bundesvorsitzender nun ist er Ehrenvorsitzender.  

Sein größter Coup: Er war daran beteiligt, das System der Schwarzgeldkonten in der Schweiz und Luxemburg trocken zu legen. Dass vermögende Menschen ein Schwarzgeldkonto hatten, sei bis dahin fast ein Sport gewesen und galt nur als Kavaliersdelikt und nicht als Steuerbetrug. "Das wusste auch die Politik, aber man hat nichts gemacht", sagt Eigenthaler. Zunächst gegen den Willen des damaligen Finanzministers Wolfgang Schäuble von der CDU setzte sich Eigenthaler für eine strikte Verfolgung von Steuersündern in der Schweiz ein.

"Das ging ja wirklich ans Gerechtigkeitsgefühl. Einer meiner Aussprüche war damals, das ist ein roter Teppich für Steuerhinterziehung", sagt Eigenthaler. Einer der damals wegen Steuerhinterziehung aufgeflogen und deswegen im Gefängnis landete: Uli Hoeneß. "Er hat nämlich auf dieses Amnestieabkommen von Schäuble spekuliert und als es zu Fall gebracht wurde, mit meiner bescheidenen Mithilfe, hat Uli Hoeneß ganz schnell eine Selbstanzeige gefertigt", sagt Eigenthaler.

Allerdings sei die nicht vollständig gewesen, denn er habe einen relativ kleinen Betrag angemeldet. "Das hat ihm strafrechtlich gesehen, das Genick gebrochen." Inzwischen würden mehr als 100 Länder einschließlich Deutschlands, Steuerinformationen austauschen. Das sei laut Thomas Eigenthaler ein "steuerpolitischer Mauerfall".

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