Über 100 Züge stehen auf dem Messegelände in Berlin. Fahrzeuge aus Norwegen, Südkorea, Österreich und Stuttgart. Für die Messe wurde ein S-Bahn-Zug auf das Messegelände gebracht, der auch mit Stuttgart 21 zu tun hat. Doch warum präsentiert die Deutsche Bahn ausgerechnet ein Projekt in Zusammenhang mit dem skandalumwobenen Projekt S21? Und welche anderen Projekte aus Baden-Württemberg sind vertreten?
S21 und das Projekt "Automatisiertes Fahren"
Die Stuttgarter S-Bahn mit der Aufschrift "Automated Train Operation" (ATO) ist vollgepackt mit Technik, zusätzlichen Rechnern und vorne am Zug dran: viele Sensoren. "Das Ganze ist ein Objekterkennungssystem", erklärt Susanne Gschwendtner. Sie ist die verantwortliche Projektmanagerin bei der Bahntochter DB InfraGo. Eines Tages soll der Zug mit ATO weitestgehend selbständig fahren können.
Vor der S-Bahn stehen ein Plastik-Wildschwein und ein Einkaufswagen. "Das sind Sachen, die stehen einfach mal in den Gleisen oder am Rand." Das müsse ein Objekterkennungssystem selbstständig erkennen und im Zweifelsfall bremsen und anhalten können. Auf einem Bildschirm im Zug sieht man, wie die Sensoren die Gegenstände erkennen. Je näher am Gleis, desto größer das Gefahrenpotenzial.
S-Bahn auf Testfahrten im Stuttgarter Knoten
Seit Monaten fährt dieser Zug durch das Stuttgarter Netz und sammelt vor allem Daten. Das Projekt ATO steht im Zusammenhang mit Stuttgart 21 und dem sogenannten Digitalen Knoten. Denn wenn der Tiefbahnhof einmal eröffnet ist und der Digitale Knoten in Betrieb genommen wird, sollen perspektivisch die Züge selbstständig durch den Stuttgarter Knoten fahren. Auch dadurch sollen die Zugkapazitäten erhöht werden.
Wir sammeln 400 Stunden lang Daten im Stuttgarter S-Bahn-Netz.
Noch sei es ein langer Weg, bis die S-Bahnen einmal selbstständig durch den Stuttgarter Knoten rollen, erklärt Fabian Lehnert, der in Stuttgart zuständige Projektleiter. Und selbst dann müssten Lokführer noch anwesend sein, um den Zug zu überwachen. "Der Ablauf ist, dass zuerst der Digitale Knoten Stuttgart fertig sein sollte. Und dann macht es erst wirklich Sinn, dass so ein Projekt eben in die Serienreife umgesetzt werden kann."
Streit um Finanzierung beigelegt Stuttgart 21: Finaler Ausbau des Digitalen Knotens soll kommen
Jahrelang gab es Streit zwischen der Bahn, dem Land und dem Bund über die Finanzierung der dritten und letzten Ausbaustufe des Digitalen Bahnknotens. Dieser soll jetzt beigelegt sein.
Warum die S-Bahnen noch nicht autonom fahren
Woanders gibt es bereits autonom-fahrende Züge. Bei der Hamburger S-Bahn wird ATO schon seit längerem auf einem Abschnitt eingesetzt und getestet. In Kopenhagen und Nürnberg fahren Metro und U-Bahnzüge komplett selbständig ohne Fahrer. Warum fährt die S-Bahn noch nicht von alleine? "Wir teilen uns die Trassen eben mit Güterzügen, mit dem Fernverkehr oder auch mit Regionalzügen", sagt Lehnert.
Das sei für den Bahnverkehr die komplexeste mögliche Betriebsumgebung. In Nürnberg und Kopenhagen fahren die Züge in einem für sich geschlossenen System, ohne mit anderen Zugtypen oder Bahnübergängen interagieren zu müssen. Was in Stuttgart entwickelt wird, soll aber universal, europaweit eingesetzt werden können.
Darum wird der Zug auf der InnoTrans ausgestellt
Doch warum wird auf der Messe ein Projekt ausgestellt, das auch vom skandalträchtigen Großprojekt Stuttgart 21 abhängt, das einfach nicht fertig wird? "Hier treffen Innovationen zusammen", erklärt die Projektmanagerin Susanne Gschwendtner. "Genau das haben wir mit der S-Bahn aus Stuttgart erreicht. Hier zeigen wir modernste Technologien."
Ich bin sehr stolz und das ganze Team freut sich, dass wir es hierher geschafft haben.
Der nächste Schritt soll sein, dass mithilfe des ATO-Systems Züge selbstständig in und aus Abstellanlagen fahren können. Dafür müssten Lokführerinnen und Lokführer dann nicht einmal selbst im Zug sein. Sie könnten am Bahnhof am Bahnsteig auf ihren Zug warten, der von alleine aus dem Abstellbahnhof kommt. Das würde Ressourcen und Zeit sparen.
Baden-Württemberg auf InnoTrans stark vertreten
Etwa ein Drittel der knapp 3.000 Aussteller kommt aus Deutschland. Neben der S-Bahn aus Stuttgart sind insgesamt 128 Aussteller aus Baden-Württemberg auf der InnoTrans vertreten. Und der Markt wächst, so der Verband der Bahnindustrie in Deutschland. 40 Prozent des Umsatzes sei 2025 durch Exporte erzielt worden.
Mit Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen zählt Baden-Württemberg zu den wichtigsten Bundesländern für die Bahnindustrie. Rangierlokomotiven, die teilweise elektrisch fahren, Baumaschinen, die auf Schienen fahren können, Zugtoilettenkabinen und Neuentwicklungen für Nachtzugabteile - nur ein kleiner Querschnitt der Themen, die Baden-Württemberg auf der InnoTrans präsentiert.