Beschäftigte von Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg haben am Mittwoch ihre Arbeit niedergelegt. Wie die Gewerkschaft ver.di mitteilte, streikten im Land insgesamt rund 1.500 Beschäftigte. Allein in Heidelberg hätten rund 600 Streikende demonstriert. Die Gewerkschaft hatte zu dem Warnstreik aufgerufen, um ihrer Forderung im aktuellen Tarifstreit im öffentlichen Dienst Nachdruck zu verleihen. Hier fordert ver.di eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent.
Dafür setzt sich ver.di im Detail ein
Monatlich sollen Angestellte mindestens 300 Euro mehr bekommen. Nachwuchskräfte sollen zudem monatlich 200 Euro mehr bekommen und nach erfolgreicher Ausbildung unbefristet übernommen werden. Zudem möchte die Gewerkschaft erreichen, dass der Tarifvertrag auch für studentische Hilfskräfte gilt.
An diesen Unis in BW wurde gestreikt
Gestreikt wurde an zahlreichen Universitäten und Hochschulen in Land, unter anderem auch in Freiburg. Dort kamen rund 300 Streikende aus verschiedenen Fakultäten der Universität zusammen und zogen bei Regenwetter durch die Innenstadt. Sie skandierten unter anderem "Fairer Lohn - einzige Option". Anschließend fand eine Kundgebung vor dem alten Unigebäude am Hauptcampus KG1 statt.
Gabriele Strnad, ver.di-Gewerkschaftssekretärin im Bezirk Südbaden Schwarzwald, begründete den Streik damit, dass die Arbeitgeberseite - die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) - kein Angebot vorgelegt habe, lediglich einen "Korridor, der nicht akzeptabel ist". "Jetzt machen wir Druck, jetzt werden wir laut, jetzt gehen wir auf die Straße, damit die TdL kapiert: So nicht mit uns. Wir sind mehr wert", so Strnad.
In Konstanz zogen am späten Vormittag mehr als 100 Beschäftigte der Universität Konstanz und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in gelben Westen und mit Plakaten und Trillerpfeifen durch die Altstadt. An dem Streik beteiligten sich Mitarbeitende der Verwaltung, aber auch studentische Hilfskräfte. "Gute Hochschulen gibt es nicht für lau", sagte eine Mitarbeiterin der Uni Konstanz dem SWR. Auch Mitarbeitende des Zentrums für Psychiatrie Reichenau legten ihre Arbeit nieder.
"Kein gescheites Angebot" Warnstreik: Beschäftigte von Uni und Hochschule in Konstanz fordern mehr Geld
Mehr als 100 Streikende von Uni und Hochschule sind am Mittwoch in Konstanz auf die Straße gegangen. Sie forderten mehr Gehalt - und ärgern sich über die aktuelle Teilzeit-Debatte.
In der Region Stuttgart beteiligten sich Mitarbeitende der Universitäten Stuttgart und Hohenheim, des Studierendenwerks Stuttgart und der Staatsschule für Gartenbau an dem Streik. In Karlsruhe waren Beschäftigte der Hochschule und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zum Streik aufgerufen.
In Heilbronn hieß es am Vormittag, dass dort die Resonanz auf den Streikaufruf nur verhalten sei. Dort waren Beschäftigte der Hochschule Heilbronn, der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn und des Studierendenwerks Heilbronn zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.
Zum Warnstreik aufgerufen waren außerdem Uni- und Hochschulbeschäftigte in Heidelberg, Mannheim, Tübingen, Reutlingen und Ulm. In Heidelberg, Mannheim und Tübingen sollten auch Mitarbeitende der Studierendenwerke streiken. Laut ver.di blieben dadurch mehrere Mensen und andere Einrichtungen wie Uni-Kitas geschlossen.
Gewerkschaft ver.di: Universitäten bieten ihren Beschäftigten "Prekariat"
Auf der Kundgebung in Tübingen sagte Annelie Schwaderer, stellvertretende Landesfachbereichsleiterin von ver.di Baden-Württemberg: "Unsere wichtigste Ressource im Wettbewerb sind hochqualifizierte Fachkräfte. Wenn wir dieses Land voranbringen wollen, sollten wir in die Menschen an den Unis investieren und nicht auf deren Rücken sparen."
Ver.di kritisiert unter anderem, dass Beschäftigte in den Menschen in teuren Unistädten arbeiteten, aber nur bescheidene Einkommen bekämen. Im Wissenschaftsbetrieb würden sich zudem "Kolleginnen und Kollegen von Befristung zu Befristung" hangeln. "Die Universitäten wollen Exzellenz und bieten ihren Beschäftigten Prekariat." Laut ver.di sollen die Streiks in der kommenden Woche fortgesetzt werden.