Eine günstige Unterkunft zum Semesterstart? Davon können die meisten Studierenden nur träumen. Zum Wintersemester erwarten die Hochschulstädte in Baden-Württemberg wieder hunderte zugezogene Studentinnen und Studenten - doch bezahlbaren Wohnraum gibt es nicht. Immer wieder hört man von Neuankömmlingen, die in den Fluren ihrer Uni oder sogar im eigenen Auto schlafen. Um den Wohnungsmangel entgegenzuwirken, wollen Jugendherbergen verstärkt helfen. Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) bietet mit seinem "Long Stay-Angebot" Studierenden vergünstigte möblierte Zimmer an.
Bundesweit gibt es das Angebot mittlerweile in rund 30 Jugendherbergen in 25 Hochschulstädten - darunter Stuttgart, Heilbronn, Karlsruhe und Pforzheim.
Long Stay-Angebote: Genutzt werden sie kaum
Seit der Einführung des Long Stay-Angebots im vergangenen Herbst, zählte die Jugendherberge Stuttgart International bislang insgesamt bis zu zehn Long-Stay-Gäste. Aktuell gibt es aber keine. "Während des Cannstatter Wasens sind wir oft schon ein Jahr im Voraus an den Wochenenden ausgebucht“, erklärt Ryan de Vries von der Rezeption der Jugendherberge Stuttgart International. Für das Long Stay-Angebot seien keine expliziten Zimmer vorhanden, diese sind in der Belegung integriert. Darum werden Long Stay-Anfragen nur eingeschränkt angenommen, was die Unterbringung zusätzlicher Gäste erschwere. Das Interesse ist laut der Jugendherberge Stuttgart International dennoch groß - erste Anfragen für das kommende Frühjahr liegen bereits vor.
Das Angebot richte sich nicht ausschließlich an Erstsemester-Studis, sondern generell an junge Menschen, die eine Bleibe finden müssen.Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft beim DJH, die einmalig 3,50 Euro kostet.
Die Jugendherberge als Überbrückungsoption
Alle teilnehmenden DJH-Häuser bieten Studierenden Einzel- oder Doppelzimmer an. Die Kosten variieren je nach Aufenthaltsdauer, dem Standort und der Zimmerart. In den Jugendherbergen Stuttgart liegt der Preis für ein Einzelzimmer bei 550 Euro im Monat, ein Doppelzimmer kostet 450 Euro. Nebenkosten wie Strom, Wasser und Internet sind im Preis enthalten, es gibt auch ein Badezimmer.
Kochen ist allerdings nicht möglich - weder im Zimmer noch in einer Gemeinschaftsküche. Wer möchte, kann sich für 100 Euro im Monat zusätzlich mit einem täglichen Frühstück versorgen. Für den Rest bleibt Selbstverpflegung, etwa im Bistro der Jugendherberge. "Ich glaube für jemanden, der das auf lange Zeit machen möchte, fehlt bestimmt eine eigene Küche. Aber die meisten Long-Stay-Gäste sind weiterhin auf Wohnungssuche", sagt de Vries. "Es ist ein Sprungbrett", fügt sie hinzu.
Das scheint jedoch vor allem Stuttgart zu betreffen. Trotz Semesterstart gibt es derzeit keine Long Stay-Gäste in den Jugendherbergen Pforzheim, Karlsruhe oder Heilbronn.
Dramatische Situation auf dem Wohnungsmarkt
Dass auch Jugendherbergen schon Studierenden eine Bleibe bieten wollen, zeigt die dramatische Lage am Wohnungsmarkt. Laut dem Studentenwohnreport 2025 des Finanzdienstleisters MLP und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind die Mieten für Studierende im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent gestiegen - und im Dreijahresschnitt sogar um 4,6 Prozent jährlich.
Besonders betroffen sind Konstanz, Freiburg und Stuttgart: In diesen Städten liegen die Quadratmeterpreise für kleine Wohnungen bei rund 19 Euro - fast doppelt so hoch wie in ostdeutschen Städten wie Dresden oder Magdeburg.
Auch die Studierendenwohnheime können die Nachfrage kaum abfedern. Laut Deutschem Studierendenwerk gibt es in Baden-Württemberg rund 46.600 Wohnheimplätze für etwa 319.000 Studierende - das entspricht einer Unterbringungsquote von 14,6 Prozent. Damit liegt das Land zwar deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10 Prozent, doch der Bedarf übersteigt das Angebot weiterhin bei Weitem.
Für viele Studierende sind die Mieten finanziell nicht mehr zu stemmen. Selbst die BAfög-Wohnkostenpauschale von 380 Euro reicht laut MLP-Analyse in keinem einzigen Hochschulort Baden-Württembergs für eine typische 30-Quadratmeter-Wohnung aus.