Der im vergangenen Sommer aus Stuttgart abgeschobene Student Ramzi Awat Nabi ist nach Deutschland zurückgekehrt. Am Sonntag wurde er von seinem Bruder und zahlreichen Freunden und Unterstützern am Stuttgarter Flughafen empfangen. Im vergangenen August war der 24-Jährige in der Nacht aus seinem Stuttgarter Studentenwohnheim geholt und in den Irak abgeschoben worden.
Am Stuttgarter Flughafen: Freudentränen beim Wiedersehen
Mit Plakaten und Blumen warten Ramzis Bruder, seine Freunde und Familie mittags ungeduldig am Gate. Vor allem sein Bruder Bilal schaut immer wieder nervös auf die Anzeigetafel. "Ich habe richtig Gänsehaut. Bei jedem Passagier, der aus dem Gate kommt, denke ich: Ist es endlich Ramzi?" Dann geht die Tür vom Gate ein weiteres mal auf - und Ramzi strahlt der Gruppe entgegen. Sofort laufen Freunde auf ihn zu, umarmen ihn, heben ihn hoch. Ramzi selbst kann seine Freude kaum in Worte fassen: "Wenn ich mir das Ankommen heute ausgemalt habe, dann war es schon wie in Fiebertraum. Aber es ist noch viel krasser."
August 2025: Abschiebung während des Studiums
Fast ein halbes Jahr war Ramzi nun im Irak. Der 24-Jährige war im vergangenen August mitten in der Nacht aus seinem Stuttgarter Studentenwohnheim abgeführt und in den Irak abgeschoben worden. Zuvor hatte die Stuttgarter Ausländerbehörde ihm kein Aufenthaltsrecht gewährt, weil sie Zweifel an seiner Identität hatte.
Ramzi war als Minderjähriger mit seinen Eltern und mehreren Geschwistern aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Doch weil sein Vater nach der Einreise falsche Ausweispapiere vorgelegt hatte, hatte die Familie keine Zukunft in Deutschland. Nur die beiden ältesten Söhne blieben hier, um die Schule fertig zu machen. Sein Abitur machte Ramzi in Rheinland-Pfalz, mit der Durchschnittnote 1,5. Dann entschied er sich für ein Studium an der Hochschule Esslingen bei Stuttgart: "Nachhaltige Energie- und Gebäudetechnik" - ein Zukunftsfeld mit dringendem Bedarf an Fachkräften. Nach dem zweiten Semester wurde er dann abgeschoben.
Zahlreiche Unterstützer machten sich stark
Schnell setzten sich zahlreiche Unterstützer für ihn ein, allen voran sein 26-jähriger Bruder Bilal. Bei ihm entschied eine andere Behörde anders, er durfte bleiben. Erst vor wenigen Tagen dann das große Aufatmen: Ramzi Identität ist zweifelsfrei geklärt. Mit einem Studentenvisum durfte er jetzt wieder einreisen. "Dieser Druck, das war unglaublich. Und das fällt jetzt heute alles von unseren Schultern. Wir springen hier mit Freudentränen. Alle freuen sich, alle sind glücklich," erzählt Justin Kranz, Ramzis Kommilitone.
Kerstin Doppstadt drückt Ramzi am Flughafen besonders fest. In Deutschland ist sie praktisch seine Ersatz-Mama: "Als Schüler gingen die beiden Jungs bei uns ein und aus." Ein Sohn der Landwirtin und studierten Sozialpädagogin besuchte dasselbe Gymnasium wie Ramzi und Bilal. Als sie mitbekam, dass deren Familie Deutschland verlassen musste, kümmerte sie sich um die beiden Jungs. "Ich hab versprochen, dass wir dich nach Hause holen. Willkommen zu Hause, willkommen zurück! Und jetzt lassen wir dich nicht mehr los!" Ramzis Plan jetzt: einen Tag Ruhe genießen und dann so schnell wie möglich sein Studium fortsetzen.
Zunächst muss er allerdings für die Kosten seiner Abschiebung aufkommen. Das ist bei der Wiedereinreise nach einer Abschiebung gängige Praxis. Die Behörden haben dafür Rechnungen in Höhe von bislang rund 4.000 Euro gestellt, doch der größte Posten steht noch aus: die Rechnung der Bundespolizei. Ramzis Unterstützer gehen davon aus, dass sich die Summe dadurch mehr als verdoppeln wird, und sammeln Spenden.