Hans-Dieter Hilsenbeck schüttelt den Kopf: "Das ist für uns ein Schlag ins Gesicht. Seit 30 Jahren hören wir immer wieder, dass etwas gemacht wird und dann passiert wieder nichts", sagt der Braumeister aus Gruibingen (Kreis Göppingen). Nachdem am Donnerstag bekannt wurde, dass wegen einer Milliardenlücke auch der Ausbau des Albaufstiegs und -abstiegs zwischen Mühlhausen im Täle und Hohenstadt (auch beide Kreis Göppingen) in Gefahr ist, ist die Empörung bei den Menschen rund um den Engpass groß.
Frust bei den Kommunen rings um den Albaufstieg
Der Besitzer der Lammbrauerei in Gruibingen hat kein Verständnis dafür, dass der Ausbau wieder verschoben werden soll. "Jedes Wochenende ab Freitagmittag ist der Ort die ganze Woche zu, weil sich hier vor Gruibingen alle Zubringer bündeln. Wir können kaum mehr über die Straße laufen, da ist schon eine richtige Aggression bei den Autofahrern im Ort", erzählt er.
Am Donnerstag ist bekannt geworden, dass der Bund womöglich wegen fehlender Mittel den Ausbau des Albaufstiegs und -abstiegs der A8 zwischen Mühlhausen im Täle und Hohenstadt (beide Kreis Göppingen) verschiebt. Das geht aus dem "Finanzierungs- und Realisierungsplan 2025 - 2029" der Autobahn GmbH des Bundes hervor. Hintergrund ist eine Milliardenlücke im Etat.
Großprojekt des Albaufstieg ist seit Jahrzehnten geplant
Für die Autofahrenden, die Kommunen rings um den Engpass der A8 und die Landesregierung bedeutet diese Nachricht einen herben Rückschlag. Dabei ist das Großprojekt bereits planfestgestellt und aktuell in der sogenannten Bauvorbereitungsphase. Der Spatenstich ist derzeit für den Herbst 2027 anvisiert - nach Jahrzehnten der Debatten und Planung. Eigentlich wähnte man das Vorhaben längst in trockenen Tüchern.
Für die Bürgerinnen und Bürger in Gruibingen sei diese Nachricht eine Katastrophe, sagt auch Bürgermeister Roland Schweikert (parteilos). "Wir sind vom Verkehr enorm belastet hier, mit Schwerlastenverkehr, das ist wirklich kein Zustand." Man warte seit über 45 Jahren auf den Ausbau, die Planungen für die Brücken und Tunnel sind weit fortgeschritten.
Landesweit kommt Kritik am Bund
"Wenn wir es jetzt mit Sondervermögen nicht hinbekommen, dann weiß ich nicht, wie wir das in Zukunft jemals schaffen sollen", sagt Schweikert nun. Diese Angst ist auch weit über die Anrainer-Gemeinden hinaus zu spüren. Bereits am Donnerstag hatten Landesverkehrsminister Hermann (Grüne) sowie Christian Jung von der FDP das Vorhaben stark kritisiert. Am Freitag zog auch die IHK-Präsident Claus Paal mit Kritik nach.
Göppingens Landrat Markus Möller (CDU) reagierte kurze Zeit später mit einem Offenen Brief an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) auf die jüngsten Meldungen. "Die aktuelle Negativschlagzeile wirkt jetzt als herber Dämpfer und sorgt für absolutes Unverständnis", hielt Möller in dem Brief am Montag fest. Er forderte darin außerdem den zugesagten Zeitplan einzuhalten und die Finanzierung des Albaufstiegs bereits im Bundeshaushalt 2026 zu sichern.