Nach der Kündigung der ASB-Schulbegleitung für 146 Kinder ist laut Stadt für alle betroffenen Kinder ein Träger gefunden, der künftig eine "Assistenzkraft für das jeweilige Kind" stellt. Eltern zweifeln, ob sie ihre Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf wirklich zeitnah wieder in die Schule schicken können. Mit Schulen, Eltern und Trägern hatte es zuvor Gespräche über eine möglicher Notbetreuung der Kinder nach den am Freitag zu Ende gehenden Faschingsferien gegeben. Dabei gehe es darum, "die Kinder übergangsweise - wo immer möglich - in kleineren Gruppen zu begleiten und zu unterstützen", hatte die Stadt mitgeteilt.
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Die Stadt Stuttgart wirft dem Arbeiter-Samariter-Bund falsche Abrechnungen vor. Es geht dabei um die Schulbegleitung von Kindern. Derweil warten die betroffenen Familien weiter auf Hilfe.
Eltern: Zwei Drittel der Kinder sind nach den Faschingsferien daheim
Am Donnerstagabend hatte sich die zuständige Vertreterin im Stuttgarter Gesamtelternbeirat Anna Linder mit anderen betroffenen Eltern abgestimmt. Sie glaubt nicht, dass die Bemühungen um eine Notprogramm an den Schulen für alle betroffenen Kinder greifen. Nach den Faschingsferien seien ab Montag ihrer Einschätzung nach "zwei Drittel aller Kinder voll daheim". Nur wenige Schulen könnten eine Betreuung für wenige Tage an den Schulen ermöglichen. Für die Schulen bedeute dies auch, dass Kinder, die durch andere Träger begleitet würden, beeinträchtigt würden.
Was verspricht die Stadt?
Nach Angaben der Stadt konnten zwar neue Träger verpflichtet werden. Für die 146 betroffenen Schülerinnen und Schüler wird es direkt nach den Ferien aber noch keine 1:1-Begleitung geben. Einige Träger müssten erst noch weiteres Personal gewinnen, um die Betreuung dauerhaft stemmen zu können, heißt es von Seiten der Stadt. Die neuen Anbieter und die betroffenen Schulen würden sich abstimmen, um die Kinder übergangsweise, so weit möglich, in kleineren Gruppen zu begleiten.
In der kommenden Woche wolle sich die Stadt dann über den aktuellen Stand der Versorgung informieren. Laut Elternvertreterin Linder haben inzwischen alle betroffenen Eltern einen Brief von der Stadt bekommen, in dem um Geduld und Verständnis gebeten werden. Doch sie sagt: "Genau das haben wir nicht - wir haben weder Geduld noch Verständnis."
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Hoffnung der Eltern: Gleiche Begleiter mit neuem Anbieter
Zahlen, wie viele Begleitpersonen vom ASB zu einem anderen Anbieter gewechselt sind, um das bisherige Begleitkind weiter betreuen zu können, lägen der Stadt nicht vor, so ein Sprecher. Einige Personen hätten sich aber gewünscht, weiterhin "ihr" Kind betreuen zu dürfen. Aus einzelnen Familien habe es auch die Rückmeldung gegeben, dass ein Personalwechsel zu einem neuen Anbieter gelungen sei. Laut Elternvertreterin Lindner gelingt das nur bei einigen wenigen Kindern.
Beim ASB ist man derzeit im Gespräch über Aufhebungsverträge mit mehreren Mitarbeitern, die bislang für die Schulbegleitung eingesetzt worden sind. Etwa die Hälfte der festangestellten Kräfte erwäge, zu einem anderen Träger zu wechseln und die Begleitung beim gleichen Kind im Auftrag eines andern Arbeitgebers fortzusetzen. Beim ASB ist man über den Weggang dieser rund 30 Arbeitskräfte laut Geschäftsführer Markus Mitzenheim nicht unglücklich. Man habe nach der Kündigung der Schulbegleitungsdienste durch die Stadt nicht genug Aufgaben, um sie anders einzusetzen.
Stadt verteidigt Vorgehen
Auf die Vorwürfe der Eltern reagierte die Stadt am Freitag. "Das gemeinsame Ziel ist es, dass so viele Kinder wie möglich am Montag wieder am Unterricht in der Schule teilnehmen können. Wie viele Schülerinnen und Schüler am Montag in der Schule sein werden, kann heute noch nicht genau benannt werden", erklärte die Stadtverwaltung. Und weiter: "Alle relevanten Kapazitäten der beiden Referate sind jetzt für die Sicherstellung der Betreuung gebunden. Sobald die Schulbegleitung wieder regulär sichergestellt ist, werden wir uns der Aufarbeitung der vergangenen Geschehnisse widmen." Laut Bürgermeistern Isabel Fezer (FDP) bemühe man sich darum, dass Streitigkeiten über die Schulbegleitung "nicht zu Lasten der Kinder, der Jugendlichen und deren Familien gehen".