Nicht nur Mensch und Tier leiden unter der Hitze, auch Bäume. Das kann gefährlich werden: In der Region Stuttgart gab es dieses Jahr zwei Todesopfer durch herabstürzende Bäume und Äste. Sorgen bereiten dabei gerade Buchen und Eschen. Experten raten deshalb Spaziergängern zur Vorsicht - gerade an heißen Tagen und bei Böen oder Sturm.
Region Stuttgart: Todesopfer durch kranke Bäume
Denn die Gefahren sind kaum vorherzusehen: In Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) war im März zwischen Kleinhegnach und Neustadt eine Esche auf ein fahrendes Auto gestürzt. Der 55-jährige Fahrer starb. Nach dem Unfall ließ die Kommune 220 Bäume auf Privatgrund fällen. Generell wurden im Rems-Murr-Kreis seither etliche Eschen gefällt.
Ende Mai war zudem in einem Stuttgarter Waldstück ein 76 Jahre alter Mann von einem heruntergefallenen Ast erschlagen worden. Der Mann war mit Frau und Sohn im Rotwildpark unterwegs, als in einer Baumkrone ein Ast abbrach und den 76-Jährigen traf. Seine Frau wurde leicht verletzt, der Sohn blieb unversehrt. Der Rotwildpark ist ein beliebtes Ausflugsziel bei Stuttgart.
Experte: Hitze setzt Bäume unter Stress
Wie kommt es zu solchen Unglücken? "Die Bäume haben Stress, wir beobachten spontane Astabbrüche", erklärt Experte Alexander Abt. Er ist Waldbaureferent bei Forst BW. Das kühle und teilweise feuchte Frühjahr habe den von den Vorjahren gebeutelten Bäumen gutgetan, sagt Abt. Doch die Trockenheit und Hitze im Juni und Juli setze vielen Bäumen wieder extrem zu.
Die Bäume sind geschädigt und gestresst aus den letzten Jahren.
Ohnehin gehe es vielen Bäume seit längerer Zeit schlecht. Das zeigt der Waldschadensbericht. Diesem zufolge führt der Klimawandel zu mehr Dürren und Starkregen. Für den Wald bedeutet das mal einen Mangel, mal einen Überschuss an Wasser - das schwächt die Vitalität der Bäume.
Hohenheim: Pappelallee nach zwei Baumstürzen gesperrt
Vor allem Buchen kämen da an ihre Grenzen, sagt Abt. Zumal die Bäume auch von Pilzen befallen werden, die die Wurzeln schädigen. Das gefährde die Standsicherheit, ergänzt Robert Gliniars, der an der Uni Hohenheim für die Gärten zuständig ist. Im Park des Hohenheimer Schlosses geht man deshalb mit anderen Pilzen gegen die Schadpilze vor.
Die Pappelallee beim Hohenheimer Schloss ist seit Mai gesperrt: Zweimal sind dort Bäume umgestürzt. Jetzt versucht man, die Pappeln einzukürzen, um das Gewicht der Kronen zu reduzieren. Ähnlich geht man in der Wilhelma vor, sagt Kathrin Stuba vom Fachbereich Parkpflege. Man entferne abgestorbene Äste, sichere die Baumkronen. In Einzelfällen fälle man auch Bäume.
Plage: Eichenprozessionsspinner
Die Hitze gefällt zudem einigen Insekten - auch sie setzen den Bäumen zu. Der Eichenprozessionsspinner sei wieder sehr aktiv, klagt Abt von Forst BW. Allerdings: Wenn Bäume schon jetzt Blätter abwerfen, sei das ein Schutzmechanismus und nicht zwangsläufig ein Indiz dafür, dass der Baum stirbt, sagt Stuba von der Wilhelma.
Region Stuttgart zuletzt stärker betroffen Ist der Eichenprozessionsspinner auf dem Vormarsch?
Jedes Jahr zum Frühsommer macht er Ärger: der Eichenprozessionsspinner. Aufwändig bekämpfen ihn die Kommunen. In der Region könnte die Population trotzdem wieder zunehmen.
Manchen Bäumen sehe man es momentan noch gar nicht an, wie schlecht es ihnen geht. Vermutlich werde man bei vielen erst nach dem nächsten Winter feststellen, dass sie geschädigt seien. "Die Bäume leiden jetzt und zeigen es später", sagt Abt von Forst BW.
Bei Wind vorsichtig sein
Spaziergänger sollten deshalb die Augen offen halten. Die Bäume werden zwar kontrolliert. In sie hineinschauen können aber niemand. Gliniars von der Uni Hohenheim rät zur Vorsicht - "gerade an extrem heißen Tagen, wenn es dann auch noch ein bisschen windig ist". Die Alternative wäre, Parks und Wälder an diesen Tagen zusperren. Das wäre sehr aufwändig - und das wolle auch niemand.