Der Gemeinderat in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) hat am Donnerstagabend endgültig und einstimmig beschlossen, Ernst Sigle posthum die Ehrenbürgerwürde symbolisch abzuerkennen. Juristisch hat diese schon mit seinem Tod geendet. Sigle war in der NS-Zeit Aufsichtsrat der Firma Salamander. Seit Jahren war diskutiert worden, welche Rolle er in dieser Zeit gespielt hatte.
Gutachten zu NS-Vergangenheit von Ernst Sigle
Im Mai hatte eine Historikerin ein Gutachten vorgestellt, das die Verhaltensweise von Sigle und der Firma Salamander zwischen 1933 und 1945 beleuchtete. Demnach mussten Zwangsarbeiter Schuhe von in Konzentrationslagern ermordeten Menschen aufarbeiten. Außerdem wurden Häftlinge des KZ Sachsenhausen in sogenannten Schuhläufer-Kommandos zu qualvollen Materialtests eingesetzt.
Kornwestheimer Ehrenbürger Stadt ringt mit NS-Vergangenheit: Soll Gymnasium umbenannt werden?
Ernst Sigle, Ex-Aufsichtsratsvorsitzender der Salamander AG, hat Kornwestheim geprägt. Jetzt könnte ihm die Ehrenbürgerwürde aber aberkannt und eine Schule umbenannt werden.
Der Verwaltungsausschuss empfahl dem Gemeinderat, Sigle die Ehrenbürgerwürde zu entziehen. Auch das Ernst-Sigle-Gymnasium soll nach dem Entschluss am Donnerstagabend umbenannt werden. Zudem hat der Gemeinderat einem Antrag zugestimmt, bei dem es um die Frage geht, wie am Gymnasium künftig an den bisherigen Namensgeber erinnert werden soll. Oberbürgermeister Nico Lauxmann und allen Fraktionen war bei der Sitzung aber auch wichtig: Kornwestheim bleibt Salamanderstadt und die Stadt habe dem Unternehmen und auch Ernst Sigle viel zu verdanken.
Es gebe aber eben auch ein dunkles Kapitel. Die Untersuchung der Historikerin Dr. Anne Sudrow zeige, "dass die Verdienste Sigles die historische Verantwortung und seine Verstrickungen während der Zeit des Nationalsozialismus nicht ausgleichen können".