Kosten von 134 Millionen Euro

Trotz Sparzwang: Kultur- und Kongresshaus in Ludwigsburg soll saniert werden

Das "Forum am Schlosspark" in Ludwigsburg ist marode. Nun ist klar: Eine Sanierung des Kultur- und Kongresshauses wird richtig teuer. Wie will die Stadt das trotz klammer Kassen bezahlen?

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Von Autor/in Katharina Kurtz

Das Forum am Schlosspark in Ludwigsburg ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Das ist schon länger klar. Am Mittwoch hat die Stadt Ludwigsburg erstmals Zahlen veröffentlicht, was eine Generalsanierung kosten soll: 134 Millionen Euro. Geld, das die Stadt wie viele andere nicht hat - zumindest nicht die volle Summe. Nun wirbt die Stadt bei den Bürgerinnen und Bürgern um Verständnis für das Millionenprojekt - und sucht nach weiteren Geldquellen.

Forum in Ludwigsburg eins der großen Häuser in BW

"Das Forum ist eins der identitätsstiftenden Gebäude in unserer Stadt. Es gehört zu unserer DNA. So wie das Schloss und das Blühende Barock", sagte der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht (parteilos) am Mittwoch. "Deswegen sind wir auch bereit, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Forum zu sanieren."

Im Forum finden nach Angaben der Stadt 400 bis 500 Veranstaltungen pro Jahr statt. Es ist eigenen Angaben zufolge eines der drei größten Kongress- und Kulturhäuser in Baden-Württemberg. Dort finden unter anderem Konzerte, Ballett, Musicals und die Schlossfestspiele statt, aber auch große Firmenveranstaltungen.

Kaputte Technik: Ersatzteile oft nur noch auf eBay

Das Forum ist 1984 erbaut worden und seine Technik ist nach Angaben der Stadt am Ende ihrer Lebenszeit angekommen: Demnach sind zum Beispiel Wasserleitungen korrodiert und teilweise schon gebrochen. Der Brandschutz sei nicht mehr aktuell und die Bühnentechnik so alt, dass es kaum mehr Ersatzteile gebe. Selbst wenn man weiter reparieren würde, sei das viel teurer als eine Generalsanierung, so das Argument aus der Stadtverwaltung.

Aber wo soll das Geld dafür herkommen? 45 Millionen Euro könnte die Stadt Ludwigsburg bezahlen, ohne dafür ihren Kernhaushalt antasten zu müssen. Die Schmerzgrenze liegt bei 60, vielleicht 70 Millionen Euro, sagte der Stadtkämmerer. Nochmal die gleiche Summe muss also irgendwo anders herkommen. Ludwigsburg hofft vor allem auf Fördertöpfe von Bund und Land.

Ludwigsburg: Forum als Interim für Oper Stuttgart?

Außerdem hat Ludwigsburg bereits vergangene Woche einen Vorschlag in Richtung Stuttgart gemacht. Dort soll bekanntlich die Stuttgarter Oper saniert werden. Das Forum könne nach Abschluss seiner Sanierung Ende 2032 als Interimsspielstätte für die Stuttgarter dienen. Dieser Vorschlag wurde in Ludwigsburg am Mittwoch nochmal bekräftigt - obwohl er in der Vergangenheit aus Stuttgart schon mal verworfen worden war.

OB Knecht hält es dennoch für "ein Gebot der Stunde", noch einmal darüber zu reden, wo doch aktuell sowohl Ludwigsburg als auch Stuttgart und dem Land viel Geld fehle. Laut Knecht sind bis Ostern Gespräche zwischen den dreien verabredet.

Nach Ludwigsburger Vorschlag: keine Euphorie in Stuttgart

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) bestätigte am Freitag dem SWR, dass für den 24. März ein Informationsgespräch verabredet sei. "Nach den bisher vorliegenden Informationen ist nicht ohne Weiteres vorstellbar, dass der Vorschlag aus Ludwigsburg eine tragfähige Alternative zur bestehenden Planung darstellt. Konkrete Details liegen uns bislang nicht vor, deshalb lässt sich die Idee derzeit auch nicht seriös bewerten", so Nopper.

Klar sei jedoch, dass die Stadt Stuttgart jeden ernsthaften Vorschlag zur Kostenreduzierung und Optimierung des Projekts prüfen wolle. Es bestehe kein Anlass, die Planungen und den Projektfortschritt der geplanten Interimsoper an den Wagenhallen zu unterbrechen oder gar infrage zu stellen, teilte Nopper mit.

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Geplante Sanierung Oper Stuttgart: Forum Ludwigsburg als Interimsspielstätte?

Die Stuttgarter Oper muss saniert werden. Als Ersatzspielstätte ist ein neues Gebäude nahe der Wagenhallen geplant. Doch nun hat Ludwigsburg einen Vorschlag gemacht.

Laut einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" lehnt eine Mehrheit des Stuttgarter Gemeinderats den Vorschlag aus Ludwigsburg ab. Demnach haben sich am deutlichsten die Fraktionen von Grünen und SÖS-Linke-Plus dagegen positioniert. Die CDU zeigt sich indes dem Bericht zufolge offen für den Ludwigbsurger Vorstoß.

Infoveranstaltung für Bürger und Online-Befragung

Es bleibt also offen, wie es mit dem Forum in Ludwigsburg weitergeht. Entschieden ist bislang nur, wann das Haus schließt. Der Ludwigsburger Gemeinderat hat am Mittwoch mit großer Mehrheit beschlossen, dass der Kultur- und Kongressbetrieb noch bis Sommer 2027 läuft. Schon jetzt wird die Nutzung wegen der technischen Mängel nur noch geduldet.

Die Ludwigsburger Stadtverwaltung hat jetzt etwa neun Monate Zeit, Geld für die Generalsanierung aufzutreiben. Denn schon Ende des Jahres soll der Gemeinderat final beschließen, wie es weitergeht. Die Bürgerinnen und Bürger bekommen jetzt die Möglichkeit, sich über die Sanierung des Forums zu informieren und bis April an einer Online-Befragung teilzunehmen.

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