Instagram-"Gynfluencerin" aus Göppingen

Frauenärztin informiert auf Social Media über Perimenopause und Endometriose

Zehntausende folgen ihr schon: Esther Scherrenbacher ist Frauenärztin und spricht auf Instagram über Gesundheitspolitik, Praxisalltag, Wechseljahre und Endometriose.

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Von Autor/in Deborah Kölz

Was bitte ist die Perimenopause? Ihre Meinung als Ärztin zu freien Tagen für Endometriose-Patientinnen? Muss sie 2027 wegen Kürzungen selbst ans Telefon gehen? Und schaffen sie es die 25.000 Follower-Marke zu knacken, um als ganzes Praxisteam nach Mallorca zu fliegen?

All das passiert kunterbunt auf dem Instagram-Kanal von Gynäkologin Esther Scherrenbacher (@dr.scherrenbacher). Ihre Praxis hat sie in Göppingen, wo sie im Quartal über 2.000 Patientinnen vor Ort behandelt. Ihre Tipps auf Instagram sehen aber mittlerweile über 35.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Man könnte sie also eine "Gynfluencerin" nennen.

Gynäkologie auf Social Media: Aufklärung mit Vertrauen

Meist sieht man die 52-Jährige in ihren Videos im Arzt-Hemd, manchmal auch im Hoodie, am Schreibtisch, im leeren Sprechzimmer oder am Empfang mit ihren Praxis-Mitarbeiterinnen. Es geht um Gesetze in der Frauenheilkunde, Berufspolitik - aber auch darum, was in einer Arztpraxis so passiert. Das baue Hemmungen ab. "Gynäkologie ist bei vielen Patientinnen ein angstbehaftetes Thema und ich persönlich finde: Das muss es nicht sein", erzählt Scherrenbacher. "Die Patientinnen sollen sich rundum wohlfühlen und diese Vertrauensbildung gelingt über Social Media wirklich sehr gut."

Gynäkologie ist bei vielen Patientinnen ein angstbehaftetes Thema. (...) Vertrauensbildung gelingt über Social Media wirklich sehr gut.

Sorgen von Berufskolleginnen und -kollegen in Bezug auf Social Media teilt die Ärztin nicht: "Dass man sich ja zum Affen und unglaubwürdig macht, wenn man zu viel auf Social Media stattfindet." Scherrenbacher hat es bisher anders erlebt, sieht vielmehr auch eine Chance und Verantwortung. "Es ist wichtig, dass wir uns als Gynäkologen auf Social Media gut positionieren und ordentlich aufklären, es wird ja auch viel Schindluder getrieben auf Social Media", sagt sie.

Frauenärztin Esther Scherrenbacher macht Instagram-Videos und erklärt Perimenopause und Gesundheitspolitik.
In den Videos von Esther Scherrenbacher geht es mal lustig, mal sarkastisch, mal ernst um Gynäkologie. Deborah Kölz

Tabuthemen Wechseljahre und Perimenopause

Ein Thema, über das die Gynfluencerin aufklären will, sind die Wechseljahre und die sogenannte Perimenopause. Das ist die Übergangsphase vor der letzten Menstruation, in der die Hormonschwankungen besonders stark sind und damit auch die Beschwerden vieler Frauen Mitte 40 bis Mitte 50. "Die Perimenopause war ganz lang ein Tabuthema", sagt die Gynäkologin, die die Phase gerade selbst erlebt. Es gebe viele Auswirkungen: nachts dauernd schlecht schlafen, Stoffwechselveränderungen, Hitzewallungen, Haarausfall, Gelenkschmerzen. Den betroffenen Frauen sei es oft peinlich darüber zu reden. Das Thema wurde auch in der Ausbildung vernachlässigt, findet sie: "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir irgendwann im Studium oder in der Facharztausbildung über Wechseljahre gesprochen haben."

"Mir persönlich ist sehr wichtig, darüber zu sprechen, weil so viele sich damit plagen. Dabei ist das unnötig, weil Hilfestellungen hier sehr leicht erbracht und die Diagnostik sehr leicht gefällt werden kann", sagt die Gynfluencerin. Hormontherapien könnten etwa helfen.

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Frauenärztin: Richtige Informationen zu Endometriose wichtig

Auch zum Thema Endometriose erstellt sie Content. Es gebe viele Betroffene - eine entsprechende Diagnose sei wichtig, aber nicht immer einfach. "Auf Social Media wird da viel Mist erzählt", erzählt die Frauenärztin. Deswegen wolle sie ein Gegenpol sein: "Wenn ihr über Endometriose wirklich Bescheid wissen wollt, dann hört den richtigen Leuten zu. Diejenigen, die sich auskennen, das sind wir Gynäkologen."

Gynfluencerin Scherri: Patientinnenschutz an erster Stelle

Auf dem Kanal zeigt sich "Scherri", wie ihr Spitzname ist, aber nicht nur im Arbeitskontext, sondern auch als Privatperson. Mit ihrer Ehefrau lebt sie im Kreis Göppingen, begleitet die gemeinsame 13-jährige Tochter immer wieder beim Reit-Hobby. "Es polarisiert zum Teil bestimmt auch, wenn man privat etwas von mir sieht. Aber ich finde, das ist ein Teil von mir", sagt die Gynfluencerin.

In der Praxis sind die Grenzen bei der Content- und Videoproduktion dagegen strikt: "Ich würde niemals Patientendetails zeigen! Das ist ganz klar. Die Patientinnen dürfen sich immer sicher und geschützt fühlen, da wird nie irgendwas nach außen dringen", sagt Scherrenbacher. In den Videos werden die Patientenrollen deshalb immer nur von einer ihrer zehn Mitarbeiterinnen gemimt.

Gesundheitsreform: Nachteile für Krebsvorsorge und Schwangerschaftsbetreuung

In diesem Sommer spricht sie vor allem über die neuen Gesetze, die Anfang 2027 kommen sollen und was das für die Patientinnen bedeuten wird. "Wenn es so kommt, dann können wir wirklich Krebsvorsorge nicht mehr in dem Umfang anbieten, wie bisher." Einige Patientinnen würden die Vorsorge nicht mehr von ihrer Krankenkasse bezahlt bekommen, erklärt Scherrenbacher.

Auch die Schwangerschaftsbetreuung werde kompliziert, weil sie gedeckelt werde. Ärztinnen und Ärzte werden nur noch bis zu einer bestimmten Patientenzahl voll bezahlt. Private Extratermine anzubieten ginge dann auch nicht, findet sie: "Ich kann keine Leistung, die einer Patientin vom Gesetz her zusteht, plötzlich privat anbieten und quasi 'verkaufen'. Und ich kann ja auch nicht entscheiden, welche Patientinnen das trifft und welche nicht." In all diesen Unsicherheiten will sie Patientinnen Transparenz und Erklärung geben.

Frauenärztin Esther Scherrenbacher macht Instagram-Videos und erklärt Perimenopause und Gesundheitspolitik.
Zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen überlegt sich Dr. Scherrenbacher die Videos und spielt die Szenen. Deborah Kölz

Hasskommentare nach Impf-Video

Die Reaktionen auf ihre Videos seien überwiegend positiv, meint Scherrenbacher. Nur ein Video zum Thema Impfen sei gar nicht gut angekommen. "Da musste ich zum Teil wirklich schlucken. Die Leute treten einem wirklich auch ordentlich ans Knie." Das sei für sie, ihr Praxisteam und ihre Familie nicht leicht gewesen und sie hätte eine kurze Instagram-Pause eingelegt. "Ich kann mich ganz gut wehren, aber gerade beim Impfen, ging es wirklich zu weit."

Social-Media-Ärztin feiert 25.000 Follower mit Mallorca-Reise

"Social Media ist ja wirklich nur on top und nicht mein Hauptberuf", sagt Esther Scherrenbacher wenn sie als "Social-Media-Ärztin" bezeichnet wird. Sie und ihr Team wollen auf jeden Fall mit Instagram weitermachen. Es lohne sich immer wieder, den Aufwand neben dem Praxisalltag zu betreiben. "Es gibt einfach brutal viel positive Energie wieder zurück." Und der Trip nach Mallorca, weil sie rechtzeitig die 25.000 Follower geschafft haben? Der ist für 2027 geplant.

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Autor/in
Deborah Kölz
Deborah Kölz ist Redakteurin im SWR Studio Stuttgart.

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