Rund 7.000 Menschen haben an einem Schweigemarsch in Stuttgart anlässlich des 30. Jahrestags des Genozids in Srebrenica teilgenommen. Friedlich zogen sie in der Landeshauptstadt vom Konsulat für Bosnien und Herzegowina bis zum Stuttgarter Stadtgarten.
Mehr als 8.000 Menschen in Srebrenica systematisch ermordet
Das Massaker von Srebrenica (im heutigen Bosnien und Herzegowina) gilt als das größte Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Vom Internationalen Gerichtshof wurde es als Genozid eingestuft. Zwischen dem 11. und 19. Juli 1995 haben bosnisch-serbische Einheiten in Srebrenica über 8.000 muslimische, bosniakische Jungen und Männer systematisch ermordet. Obwohl diese Verbrechen im Jugoslawienkrieg international als Völkermord anerkannt wurden, leugnen viele serbische Menschen und Politiker den Genozid.
Schweigemarsch: Erinnerung an Screbrenica mehr an junge Menschen weitergeben
Der Völkermord dürfe nicht in Vergessenheit geraten, sagen die Veranstalter in Stuttgart. Viele Familien würden auch nach dreißig Jahren immer noch sehr damit kämpfen, was damals passiert ist. Außerdem sollte der Genozid von Srebrenica auch in Geschichtsbüchern und Schulen mehr thematisiert werden, fordert Semin Bristina, Mitorganisator des Schweigemarschs.
Langfristig gesehen wünschen wir uns eine Erinnerung auch in den Geschichtsbüchern, in den Schulen. Es geht darum, zu zeigen, was passiert ist, damit es nicht nochmal passiert.
Deshalb findet es der Bosnier Armin Alic, der an dem Schweigemarsch teilnimmt, auch sehr wichtig, nachfolgende Generationen zu informieren: "Ich habe mein Kind von klein auf informiert, was passiert ist. Ohne Hass, einfach die Wahrheit." Er sei sehr stolz auf seine Tochter, die schon mehrere Male beim Friedensmarsch für Srebrenica dabei gewesen sei und mittlerweile einen bunten Freundeskreis hätte, auch Serben und Kroaten. "Alle möglichen Nationen, so sollte es eigentlich sein", sagt Alic.
Armin Alic wünscht sich auch in Bosnien und Herzegowina eine noch bessere Aufarbeitungskultur und dass dort alle der Wahrheit wirklich ins Auge schauen, wie er dem SWR sagt. "Damit man dann auch gemeinsam in Bosnien und Herzegowina, alle Völker, eine gemeinsame Zukunft zusammen haben."
Auch in Mannheim und Karlsruhe setzen sich jüngere Generationen mit dem Genozid in Srebrenica auseinander, wie der SWR im Juli 2025 berichtet hat.
Zwei junge Frauen aus Mannheim gedenken der Opfer des Genozids Mahnwache in Karlsruhe: Die Nachkommen von Srebrenica
Lamija Begic aus Mannheim ist 18 Jahre alt. Beim Überfall auf die bosnische Stadt Srebrenica vor 30 Jahren starben acht ihrer Familienmitglieder. Daran will sie erinnern, zusammen mit Gleichgesinnten.
Polizei Stuttgart lobt friedliche Demonstration
Die Veranstalter des "Srebrenica Awareness Network" freuen sich sehr, dass so viele Menschen zu dem Gedenken gekommen sind - auch so viele nicht-bosnische Teilnehmende. "Das zeigt aber auch wie schlimm es war und dass die Menschen es niemals vergessen werden", so Amar Šehić vom Organisations-Team des Schweigemarschs in Stuttgart. Bei einer Mahnwache für Srebrenica am Brandenburger Tor in Berlin hatten sich am 11. Juli zum Vergleich rund 500 Menschen versammelt.
Die Polizei zeigte sich dem SWR gegenüber sehr zufrieden mit der Veranstaltung. Es sei wie in jedem bisherigen Jahr eine der friedlichsten Demonstrationen in Stuttgart gewesen. Zudem sei die Organisation der Veranstalter immer sehr gut, damit beispielsweise bei Hitze niemand kollabiere und auf alle geachtet würde.