Wer das Cannstatter Volksfest oder das Frühlingsfest in Stuttgart besucht, freut sich in der Regel auf einen friedlichen Aufenthalt. Trotzdem geraten gerade Frauen und weiblich gelesene Personen immer wieder in Situationen, in denen sie auf Hilfe angewiesen sind.
Mit der "Wasenboje" hat die Stadt Stuttgart im Jahr 2023 einen Schutzraum geschaffen, in dem Frauen und Mädchen Unterstützung finden können. Ende des Jahres 2025 läuft die Finanzierung für das Pilotprojekt aus. Im Dezember muss der Stuttgarter Gemeinderat dann im Rahmen der Verhandlungen über den kommenden Doppelhaushalt entscheiden, ob für die "Wasenboje" weiterhin Geld zur Verfügung stehen kann. Denn wie alle Kommunen muss auch Stuttgart stark sparen.
Hilfe in Notsituationen aller Art
In den blauen Containern der "Wasenboje" direkt am Haupteingang des Geländes konnten Frauen und Mädchen zum Beispiel nach zu viel Alkohol, bei Belästigung oder bei Orientierungslosigkeit Hilfe suchen. Über zwei Jahre wurde das Projekt während des Frühlingsfests und des Cannstatter Volksfests erprobt.
Es macht uns nachdenklich, dass wir möglicherweise das letzte Mal beim Cannstatter Volksfest mit dabei waren.
Während des diesjährigen Volksfests verzeichnete die "Wasenboje" rund 250 Fälle und damit eine Zunahme im Vergleich zum letzten Jahr, so Marc Reinelt, der Projektleiter bei der Stadt Stuttgart. "Ich glaube nicht, dass das Cannstatter Volksfest schlimmer geworden, sondern dass unser Angebot bekannter geworden ist." Gerade weil das Angebot so gut angenommen wird, wünscht sich Marc Reinelt, dass die "Wasenboje" auch nächstes Jahr wieder Teil der Volksfeste sein wird.
Insgesamt positive Bilanz Cannstatter Volksfest: Rund 4,2 Millionen Besucher auf dem Wasen
Mehr als vier Millionen Menschen haben in den vergangenen Tagen das Cannstatter Volksfest besucht. Das waren weniger Gäste als im Vorjahr, die Veranstalter sind trotzdem zufrieden.
"Andere Hilfsangebote können die Wasenboje nicht ersetzen"
Im vergangenen Jahr hatte Festzeltwirt Marcel Benz während des Frühlingsfests in seinem Zelt erstmals die App "SafeNow" für seine Besucherinnen und Besucher angeboten. Mit dieser App kann man auf Knopfdruck das Sicherheitspersonal informieren und den eigenen Standort melden.
Auch beim Münchener Oktoberfest kommt die Technik zum Einsatz. Die Festzeltwirte müssen allerdings selbst einen fünfstelligen Betrag investieren, um die App einzusetzen, so Marcel Benz.
Selbst wenn sich alle Festzeltwirte für diese Technik entscheiden, würde das die "Wasenboje" aber nicht ersetzen, sagt Marc Reinelt. Denn die "Wasenboje" bietet auch Hilfe vor dem Zelt oder in Momenten, in denen die Polizei nicht eingreifen kann.
Marc Reinelt schildert ein Beispiel: "Stellen wir uns vor: Drei Mädchen sitzen vor einem Zelt, zwei haben sich übergeben und wissen gar nicht mehr, was sie machen sollen. Die App hilft da nicht weiter. Die Polizei steckt ebenfalls ungern drei betrunkene Mädchen in eine Zelle. Die Mitarbeiterinnen der 'Wasenboje' würden die Mädchen in diesem Fall mitnehmen, gegebenenfalls die Eltern anrufen oder die Mädchen sogar nach Hause bringen."
Was tun bei Übergriffen im Festzelt? Verdacht auf K.-o.-Tropfen auf dem Cannstatter Wasen - diese Hilfen gibt es im Notfall
Die Polizei hatte am ersten Wasen-Wochenende einiges zu tun: Mitunter gab es Verdacht auf K.-o.-Tropfen. Übergriffe sind auf Volksfesten ein Thema. Welche Hilfsangebote gibt es?
Gibt es eine Zukunft für die "Wasenboje"?
Gerade weil das Angebot so gut angenommen wird, wünscht sich Marc Reinelt, dass die "Wasenboje" fortgesetzt wird. "Es macht uns nachdenklich, dass wir möglicherweise das letzte Mal beim Cannstatter Volksfest mit dabei waren", sagte er während der Pressekonferenz zur Bilanz des diesjährigen Cannstatter Volksfests. Die Finanzierung laufe Ende des Jahres aus - wie für viele andere Projekte der Stadt Stuttgart, die als freiwillige Leistungen zählen. Weil die Landeshauptstadt im nächsten Haushalt sparen muss, sind diese Projekte besonders gefährdet.
Es brauche weiterhin eine mittlere bis hohe fünfstellige Summe, um die "Wasenboje" fortführen zu können, so Reinelt. Der Stuttgarter Gemeinderat berät im November weiter und beschließt den neuen Doppelhaushalt 2026/27 dann am 19. Dezember.