Dienstagnachmittag am Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden (Rems-Murr-Kreis). Die Schule ist aus, neun Schülerinnen und Schüler sind trotzdem noch hier, um etwas über das Thema Katastrophenschutz zu lernen. Die Bevölkerungsschutz-AG findet in diesem Schuljahr als Pilotprojekt der Malteser statt und ist laut der Schulleiterin bislang einzigartig in Baden-Württemberg.
"Wir beschäftigen uns heute mit dem Thema Notgepäck", beginnt Lehrer Florian Hambach das AG-Treffen. Hambach unterrichtet normalerweise Englisch und Geschichte. In seiner Freizeit engagiert er sich als Katastrophenschützer für die Malteser. Im vergangenen Jahr hatte er schließlich die Idee, sein Wissen in einer AG an die Schülerinnen und Schüler weiterzugeben.
Das kommt gut an. Denn die Jugendlichen haben selbst schon einen Katastrophenfall miterlebt: das Hochwasser im Rems-Murr-Kreis vor zwei Jahren. "Da waren viel zu wenige Leute vorbereitet, und ich finde, das müssen wir ändern", meint der 13-jährige Simon. "Mich und meine Freunde hat es auch betroffen", erzählt die 15-jährige Schülerin Lara. "Das war der Antrieb, dass ich mitmachen wollte, weil ich mich besser auf solche Krisensituationen vorbereiten wollte."
Katastrophenschutz in Winnenden: Wie packe ich ein Notgepäck?
Auf einem Tisch im Klassenzimmer liegen Taschenlampen, Feuchttücher, Spielkarten, ein Kurbelradio und ein Reisepass neben weiteren Gegenstände. Die Schülerinnen und Schüler sollen damit ein Notgepäck packen. "Was macht Sinn, im Fall einer Evakuierung mitzunehmen?", fragt Hambach die Jugendlichen. "Eine Powerbank. Ich würde direkt zwei einpacken. Ganz wichtig ist, dass die voll sind", meint Lara. Schülerin Matilda ergänzt: "Ein Erste-Hilfe-Set, weil man weiß nie, wie viele es da gibt".
Die AG findet einmal die Woche statt und soll den Jugendlichen verschiedene Aspekte zum Thema Katastrophenschutz nahebringen. Beispielsweise, was man für einen Notvorrat zu Hause haben sollte oder woher man im Krisenfall seine Informationen bekommt.
Stromausfall: So geht Kochen ohne Strom
Das Thema Notvorrat stand in einem vergangenen AG-Treffen schon auf dem Programm. Aber, wie kocht man damit, wenn der Strom in einem Katastrophenfall ausgefallen ist? Dass der Strom im Notfall weg sein könnte, scheinen nur die wenigsten Menschen zu bedenken, wenn sie sich einen Vorrat anlegen. Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Katastrophenforschung in Kaiserlautern hat dazu gezeigt, dass nur ein Drittel der Personen, die sich einen Notvorrat angelegt haben, diese Lebensmittel auch ohne Strom kochen könnten.
Regierung will staatliche Notreserve erneuern Stromausfälle, Hochwasser und Pandemien: Sorgen wir privat genügend für den Ernstfall vor?
Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) plant, die staatliche Lebensmittelnotreserve zu erneuern. Wie steht es eigentlich um unsere private Vorratshaltung für Ernstfälle?
Die Schülerinnen und Schüler lernen deswegen, dass man zum Beispiel mit Hilfe eines Gaskartuschenkochers auch ohne Strom kochen kann. Das wird direkt ausprobiert. Am Ende stehen eine Gemüse-Reispfanne, Nudeln mit Tomatensoße, Mienudeln und eine Suppe auf dem Tisch. "Schmeckt nicht wie die Nudel, die man im Alltag isst, aber für so eine Krisensituation sehr gut", resümiert Lara.
Bevölkerungsschutz-AG schenkt Jugendlichen Sicherheit
Die AG soll die Schülerinnen und Schüler für den Katastrophenfall vorbereiten und sie sensibilisieren für Situationen, die in der Zukunft auf sie zukommen könnten. "Die wissen, dass durch den Klimawandel Katastrophenszenarien häufiger auftreten können, dass wir auch hier von Hochwasser und Starkregen betroffen sein können", meint Lehrer Hambach.
Durch die Teilnahme in der AG fühlen sich die Jugendlichen sicherer. "Man kann sich besser darauf vorbereiten", sagt die 14-jährige Lisa. "Das hat mir sehr geholfen und auch meiner Familie". "Ich fühle mich auch sicherer", meint Simon.
Bevor ich in der AG war, hatte ich definitv mehr Angst.
Auch bei den Eltern kommt die AG gut an. Einige Familien haben sich selbst schon Kurbelradios für den Notfall besorgt. "Einen Notvorrat wollen wir in der nächsten Zeit auch anlegen", erzählt Simon. Und die AG stößt auch außerhalb der Schule auf Interesse. Mittlerweile haben sich schon mehrere Lehrer- und Malteser-Kollegen aus ganz Deutschland bei Lehrer Hambach gemeldet, um nach seinen Erfahrungswerten zu fragen. "Es ist schön, dass man sich da vernetzen und das Thema auch bekannt machen kann", meint Hambach.
Katastrophenschutz in der Schule
Katastrophenschutz an Schulen ist nicht neu. In Baden-Württemberg gibt es seit dem Schuljahr 2023/2024 einen jährlichen Aktionstag für Kinder der sechsten Klasse. Ob die Bevölkerungsschutz-AG am Georg-Büchner-Gymnasium auch im nächsten Schuljahr weitergeht, ist im Moment noch unklar. Die Zeichen stehen aber gut.