Am Samstag fand nicht nur das DFB-Pokalfinale mit Stuttgarter Beteiligung durch den VfB in Berlin statt - auf der Waldau in Stuttgart wurde das Pokalfinale des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) ausgetragen. Dabei traten die Stuttgarter Kickers gegen die SG Sonnenhof Großaspach an. Die SG gewann das Spiel souverän mit 4:1. Nach dem Spiel, das bereits von Unruhen von Kickers-Fans überschattet war, eskalierte die Sache: 10 bis 15 Menschen sollen Großaspachs Torschützen Michael Kleinschrodt angegriffen und überfallen haben.
Auf Weg zum Auto abgepasst, geschlagen, getreten
Dies berichtete zuerst die "Backnanger Kreiszeitung". Demnach lauerten etwa 10 bis 15 Personen in Trikots der Stuttgarter Kickers dem Fußballer des Regionalliga-Meisters SG Sonnenhof und dessen Eltern nach dem WFV-Pokalfinale auf, passten ihn auf dem Weg zum Stadion-Parkplatz ab und überfielen ihn dann.
Dem SWR beschrieb Michael Kleinschrodt den Vorfall am frühen Sonntagabend. Er sei nach dem Spiel mit seinen Eltern über den Parkplatz auf der Waldau gegangen, dort seien etwa 100 Menschen gestanden, sagte Kleinschrodt. Er habe da schon "ein mulmiges Gefühl" gehabt, sei dann aber mit seinen Eltern am Rand entlang gelaufen. "Dann höre ich auf ein Mal Schreie, schaue über meine linke Schulter und dann sehe ich, wie Leute auf mich zu rennen, schreiend." Da sei er losgerannt. "Dann hab ich von rechts Leute kommen sehen, die auf mich eingeschlagen haben, getreten... und dann habe ich mich irgendwann befreien können", so der SG-Spieler. Auch sein Vater habe ihm später berichtet, dass er Schmerzen habe. "Er hat versucht, mich zu verteidigen. Das tut mir natürlich am meisten weh."
Die Polizei bestätigte auf SWR-Anfrage den Vorfall. Den Angaben nach wurde Kleinschrodt seine Sporttasche entrissen, dabei wurde er geschlagen und getreten. Als der Fußballer floh, verlor er sein Smartphone und seine Geldbörse. Das Portemonnaie sei ihm später wiedergegeben worden, so ein Polizeisprecher. Das Bargeld sei aber weg. Trotz eines schnellen Polizeieinsatzes konnte vor Ort niemand festgenommen werden - den Tätern gelang die Flucht. Sowohl Kleinschrodt als auch sein Vater wurden leicht verletzt.
Beleidigungen und Becherwürfe: Pokalfinale wurde unterbrochen
Bereits während des Spiels war es von Seiten der Kickers-Fans zu Beleidigungen der gegnerischen Mannschaft und Bierbecher-Würfen gekommen. In der Schlussphase kletterten Kickers-Fans in ihrem Unmut über den Spielverlauf dann über den Zaun und wollten das Spielfeld stürmen. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie daraufhin und schickte die Mannschaften in die Kabine. Nach mehr als zehn Minuten Unterbrechung ging es im Pokalfight dann weiter, den die Kickers schließlich in Unterzahl verloren.
Kickers-Fans fühlten sich offenbar von Kleinschrodt provoziert
Provoziert hatte etliche Kickers-Fans offenbar Michael Kleinschrodts Reaktion auf die Beleidigungen: Er hatte gegenüber den gegnerischen Fans mit den Händen ein Herz geformt und gezeigt. Direkt nach dem Spiel entschuldigte er sich dafür. "Ich hoffe, die Gemüter haben sich wieder beruhigt", sagte er lachend.
Kickers verurteilen Angriff auf Kleinschrodt
Die Stuttgarter Kickers sind tief erschüttert über die Berichte und Vorfälle während und nach dem Pokalfinale und verurteilen den Angriff auf Michael Kleinschrodt aufs Schärfste. "Emotionen und Provokationen im sportlichen Wettbewerb dürfen niemals in Gewalt oder persönliche Übergriffe umschlagen", heißt es in einem Statement des Vereins, das dem SWR vorliegt. Wer Menschen körperlich angreife oder einschüchtere, überschreite jede Grenze des sportlichen Miteinanders.
"Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeder Form von Gewalt und unterstützen die vollständige Aufklärung der Vorfälle durch die zuständigen Behörden." Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei bittet mögliche Zeuginnen und Zeugen, sich unter der Telefonnummer 0711-8990 5778 zu melden.