Neubau durch Spenden finanziert

Neue Moschee in Kornwestheim feierlich eröffnet

Mit hunderten Gästen hat eine islamische Gemeinde in Kornwestheim ihre neue Moschee eingeweiht. Für das Bauprojekt sammelten Gemeindemitglieder mehrere Millionen Euro.

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Von Autor/in Christian Spöcker

In Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) ist am Sonntag eine neue Moschee feierlich eröffnet worden. Zu den rund 700 Gästen zählten auch Politikerinnen und Politiker aus dem Bundestag und dem baden-württembergischen Landtag. Der Neubau wurde nach Angaben des Trägervereins allein durch Spenden finanziert und hat knapp sechs Millionen Euro gekostet.

Gemeinde feiert Moschee-Neubau

Extra aus Berlin angereist kam der Ludwigsburger SPD-Bundestagsabgeordnete Macit Karaahmetoğlu. Er zeigte sich erfreut über den Neubau: "Ich kenne manche Akteure in dieser Gemeinde schon seit 30 Jahren und als ich eingeladen wurde zur Eröffnung bin ich natürlich gerne gekommen".

Ebenfalls vor Ort war der CDU-Abgeordnete Steffen Bilger, der für den Wahlkreis im Bundestag sitzt. Er erlebe, dass sich die muslimische Gemeinde sehr in der Stadtgesellschaft einbringe. "Es gibt viel Kontakt, sie beteiligen sich bei den Vereinsfesten, bei den Stadtfesten", so Bilger weiter. Es sei auch ein guter Dialog gepflegt worden zum Gemeinderat und zur Stadtverwaltung, sodass es nach seiner Wahrnehmung auch wenige Probleme während der Bauphase gab.

In Kornwestheim wurde eine neue Moschee eröffnet. Gebaut wurde sie nur mit Spendengeldern.
Nicht nur zu einem ersten Gebet wurde es voll in der neuen Moschee in Kornwestheim. Auch vor dem Neubau feierten hunderte Gäste die Eröffnung.

Vom Backsteingebäude in den Neubau

Mit der Einweihung des neuen Gebäudes endet die Zeit, in der die "Türkisch Islamische Gemeinde zu Kornwestheim" ein angemietetes Backsteingebäude nutzte. Es stand neben dem Neubau und wurde schließlich für Parkplätze abgerissen.

Der Neubau steht als Symbol für Transparenz, Begegnung und eine gelebte Gemeinschaft in Kornwestheim

Die Gemeinde sagt über das neue Gebäude, architektonisch gesehen vereine es traditionelle Elemente islamischer Baukunst mit einem modernen, offenen Stil. Dieses Konzept sei in Baden-Württemberg bislang einzigartig. Das sei zugleich ein Symbol dafür, dass die islamische Gemeinde in Kornwestheim "Transparenz, Begegnung und eine gelebte Gemeinschaft" pflege.

Spenden für Moschee-Neubau gesammelt

Für den Neubau sammelte die Gemeinde nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Euro an Spenden. Gemeindesprecher Muhsin Acar sagte dem SWR, begonnen habe es mit jeweils 20 Euro pro Monat von ihm und seiner Frau. "Für den Bau konnten wir auch noch andere Verwandte, Kinder und Enkel animieren, außerdem wurden die Mitgliedsbeiträge hochgesetzt", sagte Acar. So seien allein von seiner Familie schließlich 220 Euro pro Monat zusammengekommen. Einen Kredit für den Neubau aufzunehmen, sei wegen der vielen Spenden für die Gemeinde nicht nötig gewesen.

In diesem angemieteten Gebäude betete die Türkisch Islamische Gemeinde zu Kornwestheim e.V. vor dem Bau der Ayasoya-Moschee.
In diesem alten Gebäude war die DİTİB-Gemeinde in Kornwestheim bisher beheimatet.

Gehalt für Imam kommt aus der Türkei

Auch von der der türkischen Religionsbehörde Diyanet sei für den Bau kein Geld geflossen, so Acar. Diyanet bezahle das Gehalt des Imams, der immer für fünf Jahre aus der Türkei entsandt wird. Beobachter sagen, die türkische Behörde dominiere den Moscheeverband DİTİB. Dieser ist mit knapp 1.000 der rund 2.600 deutschen Moscheen der größte in der Bundesrepublik und auch die Kornwestheimer Gemeinde zählt dazu.

Kritiker beklagen daher einen zu großen Einfluss der türkischen Regierung auf türkisch geprägte muslimischen Verbände wie DİTİB. SWR-Islamexperte Ulrich Pick sagt dazu: "Zum einen hat der Verband einen Beirat mit Vertretern der Diyanet, der das letzte Wort bei allen Angelegenheiten auch in Deutschland hat. Zum anderen werden die meisten DİTİB-Imame vom türkischen Staat bezahlt und orientieren sich somit in der Regel an ihrem Geldgeber."

Bundestagspolitiker äußert sich zu Kritik

Der Bundestagsabgeordnete Macit Karaahmetoğlu (SPD) äußerte sich bei der Eröffnung auf Nachfrage des SWR zu diesen Sorgen. Kritik in einer Demokratie sei immer gut und wichtig, sagte Karaahmetoğlu, der lange Jahre als Rechtsanwalt in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) gearbeitet hat. Man dürfe aber auch nicht vergessen, was DİTİB in Deutschland leiste und dass der Verband vielen Menschen eine religiöse Heimat biete. "Ich kenne alle DİTİB-Gemeinden in Baden-Württemberg und da ist es so, dass dort null Toleranz gegen Extremismus hier herrscht", so Karaahmetoğlu weiter. Außerdem gibt der Bundespolitiker zu bedenken: "Wenn die DİTİB nicht wäre, wer würde diese Lücke füllen?" Deshalb sei eine Zusammenarbeit weiter wichtig und Dinge dort besser zu machen, wo Kritik berechtigt sei.

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Christian Spöcker
Christian Spöcker, SWR

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