Ein Brand auf dem Gelände der Baustoff-Firma Paul Link in Korntal-Münchingen hat am Wochenende verheerenden Schaden verursacht. Laut Polizei ermittelt weiterhin der Staatsschutz, ob jemand das Gelände mit Absicht in Brand gesteckt hat - aus einem politischen Motiv. Denn auf den Silos der Firma hingen zuvor mehrere Israel-Flaggen. Die Firmenbesitzer sind Mitglieder einer christlichen Glaubensgemeinschaft, die enge Beziehungen zu Israel pflegt.
Anwohner warnten Firmengründer
Laut Anwohnern hingen bereits seit einiger Zeit rund ein Dutzend Israel-Flaggen auf dem Firmengelände. Ein Foto, dass dem SWR vorliegt, zeigt eine Aufnahme von vor mehreren Monaten. Einer der Anwohner sagte dem SWR, dass er in der Vergangenheit Firmengründer Paul Link wegen der Flaggen gewarnt habe. Diese zu hissen, könne gefährlich werden, so der Anwohner.
Feuerwehreinsatz am Sonntagmorgen Millionenschaden bei Brand in Baustoff-Betrieb in Korntal-Münchingen: Staatsschutz ermittelt
Auf dem Gelände einer Firma in Korntal-Münchingen hat es gebrannt. Laut Polizei entstand ein Sachschaden von 1,5 Millionen Euro. Die Ermittler schließen Brandstiftung nicht aus.
Auch im Internet wurden die Flaggen kritisch kommentiert. In den Google-Rezensionen der Firma findet sich eine Bewertung, in der ein Nutzer die durch die Flaggen ausgedrückte politische Positionierung als "untragbar" bewertet und diese als "rechtsextrem-zionistische Flaggen" bezeichnet. Gleichzeitig häufen sich seit dem Brand vom Sonntag Kommentare, die sich solidarisch mit der Firma zeigen.
Israel-Flaggen als Zeichen der Solidarität
Gegenüber der "Ludwigsburger Kreiszeitung" sagte Paul Link, dass er die Flaggen nach dem Angriff der palästinensischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 aufgehängt habe. Diese wollte er laut Zeitung erst wieder abnehmen, wenn alle israelischen Geiseln wieder frei sind.
Warum das Firmengelände in Brand geriet, ist laut Polizei weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Bei dem Feuer entstand nach bisherigen Schätzungen ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro. Mehrere Silos, eine Lagerhalle sowie zwei Lastwagen wurden teilweise bis völlig zerstört.
Rechtsextreme Symbole: Kamerabilder sollen mutmaßlichen Täter zeigen
Laut Firmengründer Paul Link liegen Hinweise vor, die für Brandstiftung und ein politisches Motiv sprechen. So gebe es Kamerabilder, die einen mutmaßlichen Täter zeigen. Dieser soll, so Paul Link gegenüber mehreren Zeitungen, vermummt auf die Baustoff-Silos geklettert sein. Dort soll er dann die Israel-Flaggen angezündet haben. Danach habe er auch die angrenzende Lagerhalle in Brand gesteckt. Dem SWR liegen die genannten Aufnahmen nicht vor.
Sorge vor weitreichenden Folgen Krieg im Nahen Osten: Das beschäftigt Menschen in BW
Am Montag hat der Iran einen US-Militärstützpunkt in Katar angegriffen - als Reaktion auf das US-Bombardement seiner Atomanlagen. Die Lage im Nahen Osten besorgt Menschen in BW.
Zudem sollen die Aufnahmen zeigen, dass der Unbekannte rechtsextreme Symbole auf einen Lkw geschmiert hat und den Slogan "Free Palestine" ("Freiheit für Palästina") angesprüht haben soll. Gegenüber dem SWR wollte sich das Unternehmen nicht zu den Vorkommnissen äußern.
Religiöse Firmeninhaber haben enge Beziehung zu Israel
Sowohl Paul Link als auch dessen Sohn und jetziger Geschäftsführer der Firma, Martin Link, haben starke Bezüge zu Israel. Beide sind Teil der Brüdergemeinde Korntal. Martin Link ist laut Angaben der Gemeinde dort als Gemeinderat tätig. Die evangelisch-pietistische Glaubensgemeinschaft unterhält seit ihrer Gründung enge Beziehungen zu Israel.
Kampf gegen Extremismus Verfassungsschutz in Baden-Württemberg soll mehr Befugnisse erhalten
Unter anderem sollen Ermittler Verbindungsdaten und private Videoaufnahmen abfragen dürfen. Ziel ist laut Innenminister Strobl (CDU) eine Stärkung des Verfassungsschutzes.
Korntal durch jüdischen Glauben geprägt
Auch Korntal-Münchingen ist stark durch das Judentum und Israel geprägt. Laut der Brüdergemeinde war Korntal-Münchingen 1999 die erste Kleinstadt Deutschlands, die im "Wald deutscher Länder" einen eigenen Forst angepflanzt hat. Dieser liegt in der Negev-Wüste in Israel und wurde laut dem "Jüdischen Nationalfonds", der die Spenden für das Projekt betreut, als Zeichen der Völkerverständigung und zur Aufforstung der Region angelegt.
Kritiker betonen seit Längerem, dass der Wald vor allem dazu diene, dort verwurzelte, arabischstämmige Beduinen aus der Negev-Wüste zu vertreiben. Auf SWR-Nachfrage bestätigt das Stadtarchiv von Korntal-Münchingen, dass 1998 Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit der Brüdergemeinde mehr als 100.000 Deutsche Mark an das Projekt gespendet haben, um damit 5.000 Bäume in der Negev-Wüste pflanzen zu lassen.