Einige hundert Kulturschaffende in Stuttgart haben am Samstagabend nach der Premiere von "Hamlet" im Staatstheater auf der Bühne gegen drohende Einschnitte beim städtischen Haushalt demonstriert - bisheriger Höhepunkt der Proteste aufgrund von geplanten pauschalen Kürzungen bei der Kultur im kommenden Doppelhaushalt.
Die Kulturschaffenden befürchten, dass durch die Kürzungen ganze Strukturen in den Bereichen Kultur, Bildung und Soziales dauerhaft zerstört werden. Derzeit diskutiert der Stuttgarter Gemeinderat, wie angesichts eines massiven Finanzlochs der nächste Doppelhaushalt aufgestellt werden kann.
Kulturszene: Einsparungen jetzt müssen später teuer bezahlt werden
Auf der Bühne entrollten die Protestierenden ein riesiges Banner mit der Aufschrift: "An Kultur, Bildung und Sozialem zu sparen, kostet zu viel" - auch das Motto der gesamten Protest-Kampagne. Bei der mit dem Staatstheater abgestimmten Aktion am Samstagabend ergriffen einige Demonstrierende das Wort. "Jeden Cent, den wir jetzt einsparen, müssen wir später teuer bezahlen", erklärte ein Redner. Er verwies darauf, dass es gefährlich sei, weniger in die Bildung zu investieren.
Der Verzicht auf Kulturförderung und auf Investitionen in soziale Projekte erzeuge langfristig viel größere Kosten, so die Befürchtung. Bei den aktuellen Haushaltsberatungen ist eine pauschale Kürzung von rund sechs Prozent in der Kultur im Gespräch. Wenn die Kürzungen für alle Vereine, Institutionen, Verbände und Träger gleich angewandt werden, dann werde es zudem nicht nur unwiderbringbare Verluste geben, sondern das bedeute für die Kleineren in der Kulturszene durchaus das Aus, hieß es.
Online-Petition gegen Kürzungen hat schon 28.000 Unterschriften
Die Staatstheater mit ihren Intendanten Marc-Oliver Hendriks, Viktor Schoner (Oper), Tamas Detrich und Burkhard Kosminsiki (Schauspiel) unterstützten den Protest. Die Stuttgarter Kulturszene hatte bereits vor anderthalb Wochen eine Online-Petition gestartet und zuvor unter anderem auch Rathaus eine Protestaktion durchgeführt. Bis Montagmorgen hatte die Petition mehr als 28.000 Unterschriften, Ziel der Initiative sind mindestens 30.000.
Mit viel Herzblut und privaten Spendern Stuttgart: "Open Piano" am Charlottenplatz vorerst gerettet
Von den Sparmaßnahmen der Stadt Stuttgart in der Kultur ist auch das "Open Piano" am Charlottenplatz betroffen. Doch durch die Hilfe von privaten Spendern muss es nicht verstummen.
Weitere Kritik am Stuttgarter Sparkurs erwartet
Der Stuttgarter Gemeinderat diskutiert derzeit hinter verschlossenen Türen den künftigen Haushalt. Am 19. Dezember soll dann im Plenum über den neuen Doppelhaushalt entschieden werden. Erst einen Tag zuvor werden die genauen Sparvorschläge der Öffentlichkeit vorgestellt. Bis dahin wird von vielen Initiativen mit Protesten gerechnet. So formiert sich beispielsweise auch im Bereich von Familien und Elternvertretungen derzeit Kritik an möglichen Kürzungen im Schulbereich.
Im sozialen Bereich gibt es nach Angaben von Betroffenen Pläne, pauschal um 16 Prozent zu kürzen. Die Auswirkungen wären ähnlich ungleich verteilt wie bei der Kultur: Für einzelne Projekte oder gar Träger würde das dann das Aus bedeuten. Viele Verbände und Institutionen sind nach SWR-Informationen in den vergangenen Wochen bereits entsprechend benachrichtigt worden.