Vor dem Landgericht Stuttgart hat am Dienstag der Prozess gegen einen 42-Jährigen aus Lenningen (Kreis Esslingen) begonnen. Er soll, so die Staatsanwaltschaft, seine Partnerin vergewaltigt haben, während sie offenbar regungslos war. Dabei habe er sie gefilmt. Der Mann hat beim Prozessauftakt die Taten gestanden.
Angeklagter verweist auf Alkohol- und Drogenkonsum
Die Anschuldigen würden stimmen, sagte der Mann. Er verwies auf seinen Alkohol- und Drogenmissbrauch an den Abenden und entschuldigte sich. Seine frühere Partnerin war nicht anwesend. Der Richter hat den Verhandlungstag nach dem Geständnis beendet, im Mai wird dann weiterverhandelt.
Die Frau soll erst nach der Beziehung von dem Missbrauch erfahren haben. Der Prozess erinnert in seinen Grundzügen an den Fall Gisèle Pelicot. Der angeklagte Mann soll die Videos allerdings nicht ins Netz gestellt haben.
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Millionen Frauen weltweit solidarisierten sich mit Gisèle Pelicot. Aber nur sehr wenige Männer. Dabei müsste es gerade von Männern einen lauten Aufschrei geben.
Feste Beziehung zwischen mutmaßlichem Täter und Opfer
Nach Angaben des Gerichts haben sich die Taten im Januar 2021 und im Februar 2022 ereignet. In beiden Fällen habe der Mann mit der geschädigten Frau Geschlechtsverkehr gehabt, während diese äußerlich regungslos gewesen sei. Sie habe sich in einem Zustand befunden, in dem sie nicht zu einer Willensäußerung fähig gewesen sein soll, so der Tatvorwurf. Der Mann und die Frau sollen im Zeitraum der Taten eine langjährige Beziehung geführt haben. Sie lebten zusammen in einer Wohnung in Lenningen.
Das gibt es immer wieder, dass Opfer in willenlosem Zustand heimlich fotografiert oder gefilmt werden.
Hans Matheis von der Opferhilfe "Weißer Ring" erklärte im Gespräch mit dem SWR, dass solche Taten wie nun vorgeworfen keine Ausnahme sind: "Das gibt es immer wieder, dass Opfer in willenlosem Zustand heimlich fotografiert oder gefilmt werden." Die Aufnahmen würden dann zur Erpressung der Opfer verwendet oder sie tauchten später eher zufällig auf. Die Täter seien selten Unbekannte: Die Opfer kennen sie oft aus dem Freundeskreis, von der Arbeit oder aus dem Verein, so Matheis. Oder es bestehe ein verwandtschaftliches Verhältnissen bis hin zum Partner oder Ehemann.
Polizei zählte 2025 Anstieg von Sexualdelikten
Der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Jahres 2025 verzeichnen die Ermittler im Vergleich zum Vorjahr 8,5 Prozent mehr Sexualdelikte wie Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und sexuelle Übergriffe im besonders schweren Fall. Laut Bundeskriminalamt (BKA) sind die Tatverdächtigen bei Vergewaltigungen überwiegend Freunde oder Bekannte sowie (ehemalige) Partner und zu 98,6 Prozent männlich.
Bei der Vorstellung der PKS-Zahlen vor einer Woche hatte BKA-Präsident Holger Münch erklärt, der Anstieg sei wohl auch auf eine gestiegene Anzeigebereitschaft zurückzuführen. Seit 2018 ist die Zahl der Vergewaltigungen, sexueller Nötigungen und Übergriffe um 71,7 Prozent gestiegen. Experten zufolge sei das auch darauf zurückzuführen, dass das Prinzip "Nein heißt Nein" in deutsches Recht umgesetzt worden sei.