Vor dem Ulmer Landgericht ist am Freitag ein Prozess wegen versuchten Mordes gestartet. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei angeklagten Männern vor, Ende Januar versucht zu haben, den Besitzer eines Dönerimbiss in Göppingen zu erschießen. Den Angeklagten wird laut Gericht unter anderem versuchter Mord in Mittäterschaft vorgeworfen.
Schuss in Göppingen: Projektil verfehlt Opfer
Die 22-, 20- und 19-Jährigen wurden laut Staatsanwaltschaft zu der Tat beauftragt. Der 19-Jährige soll den Schuss auf den Imbissbesitzer abgegeben haben. Der 22-Jährige soll einen extra für die Tat bereitgestellten Fluchtwagen gefahren haben. Damit sei das Duo nach der Tat zum eigenen Auto geflohen, in dem der 20-Jährige mit einem weiteren Begleiter wartete, der laut Anklage von den Mordplänen aber nichts gewusst habe.
Das Projektil verfehlte den Imbissbesitzer. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass es zu weiteren Schüssen nur nicht gekommen sei, weil die Waffe geklemmt habe. Nach dem Schuss sollen die Angeklagten geflohen sein.
Tatverdächtiger ist flüchtig Göppingen: Erneut Schüsse in einer Gaststätte
Immer wieder fallen in Göppingen Schüsse, zuletzt Mitte des Monats. Nun griff am Mittwochabend in der Innenstadt ein Mann zur Waffe. Die Polizei bittet um Hinweise.
Prozess nach Schuss in Göppingen: Angeklagter gesteht
Der 19-Jährige hat die Tat zu Prozessbeginn gestanden. Aber es sei anders gewesen, als es die Staatsanwaltschaft darstellt. Sein Verteidiger hat eine Erklärung des Angeklagten vorgelesen. Darin behauptet der 19-Jährige, von einem Komplizen zu der Tat gezwungen worden zu sein. Es habe sich um einen Warnschuss gehandelt, er habe bewusst auf keinen Menschen gezielt. So wollten sie versuchen, an die Online-Banking-Daten des Mannes zu kommen.
Er sei durch einen Bekannten in die Sache verwickelt worden, sagte er später aus. Dieser sei mit Anlagebetrug und sogenanntem Phishing von Kontodaten beschäftigt gewesen. Dabei wird versucht, mit gefälschten SMS- und Chat-Nachrichten an die Daten ahnungsloser Opfer zu gelangen.
Anwalt: Mandant hatte keine Mordabsicht
"Das hat mich fasziniert", lässt der junge Mann über seinen Anwalt erklären. Schon am Vortag sei er in Göppingen gewesen, doch die Übergabe von gefälschten Karten und Daten habe nicht geklappt. Darum sei er mit seinen drei Bekannten wieder dorthin gefahren. "Ich ging davon aus, dass es wieder um die Übergabe geht", sagte der junge Mann. Erst als er mit dem 22-Jährigen auf einem Waldparkplatz in einen bereitgestellten Kleinwagen gewechselt und die Pistole bekommen habe, sei ihm klargeworden, dass es diesmal um etwas anderes gehe. "Da konnte ich nicht mehr zurück", sagte der angehende Autoverkäufer, der bis zur Verhaftung bei seinen Eltern gelebt habe. Von der Tat im Imbiss soll es Aufnahmen einer Sicherheitskamera geben, die in dem Lokal installiert ist. Der Anwalt des jungen Mannes will nun damit beweisen, dass sein Mandant keine Mordabsicht hatte.
"Man sagte mir, er ist bewaffnet. Also schnell schießen und wieder raus", beschreibt der 19-Jährige die Vorgabe seiner mutmaßlichen Auftraggeber. Tatsächlich wurden zwei der drei Angeklagten bei ihrer Flucht aus dem Lokal von einem 15-Jährigen beschossen.
Familienfehde als Hintergrund
Die Staatsanwaltschaft geht dagegen von einem geplanten Mordversuch aus. Sie bestätigte gegenüber dem SWR, dass der Fall mit einer Rachefehde zwischen zwei türkisch-kurdischstämmigen Familien aus Nordrhein-Westfalen zusammenhängt. Nach früheren Angaben der Polizei wird gegen die Gruppen im Zusammenhang mit Taten im gesamten Bundesgebiet ermittelt. Die beiden anderen Angeklagten haben sich bei dem Prozess bislang nicht geäußert. Ein Urteil könnte Mitte Dezember fallen.
Staatsanwaltschaft ermittelt Ist eine Familienfehde in NRW der Grund für Schüsse in Göppingen?
Schüsse in einer Gaststätte in Göppingen im Januar könnten etwas mit einem Familienstreit in einem anderen Bundesland zu tun haben. Mehrere Tatverdächtige wurden bereits festgenommen.
Auftragsmörder sollte Imbissbesitzer umbringen
Auch ein mutmaßlicher Auftragsmörder soll auf den Imbissbesitzer angesetzt worden sein. Ein 38-Jähriger soll sich im Februar bereit erklärt haben, den Mann aus einem fahrenden Auto heraus zu töten. Er wurde jedoch auf dem Weg nach Göppingen gestoppt. Laut Staatsanwaltschaft versuchte sein Fahrer, einer Kontrolle zu entkommen und fuhr dabei gegen eine Leitplanke. Der 38-Jährige wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.