"Wir haben keine Stellen abgebaut"

S21 und Digitalisierung: Jetzt äußert sich der Hersteller Hitachi

Nach der SWR-Recherche über die erneuten Verzögerungen beim Großprojekt Stuttgart 21 meldet sich nun der Hersteller der digitalen Technik zu Wort. Es seien keine Stellen abgebaut worden.

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Von Autor/in Frieder Kümmerer

Der Hersteller der Digitalen Leit- und Sicherungstechnik bei Stuttgart 21 Hitachi Rail äußert sich erstmals seit Jahren im Zusammenhang mit dem Großprojekt und dem Digitalen Knoten Stuttgart (DKS). Anders als teilweise dargestellt habe der Konzern im Bereich Digitalisierung kein Personal abgebaut. Vergangene Woche hatte eine SWR-Recherche ergeben, dass sich die Eröffnung des Großprojekts Stuttgart 21 bis mindestens 2029, die Gesamteröffnung sogar bis 2030 verzögern soll. Immer wieder gab es den Vorwurf, dass ein Grund für die Verzögerungen fehlendes Personal bei Hitachi sei.

Hitachi: Wir haben Personal auf-, nicht abgebaut

Die Firma bezieht sich auf eine Aussage in der Berichterstattung, dass Hitachi selbst, wie die Deutsche Bahn, Arbeitsstellen im digitalen Bereich abgebaut habe. Diese Aussage war auch zwischenzeitlich beim SWR zu lesen. "Diese Darstellung ist falsch", so der Konzern gegenüber dem SWR. "Hitachi Rail hat vielmehr - auch mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung der Schiene in anderen europäischen Ländern - in Deutschland neue Stellen geschaffen", sagt Christopher Bach, Sprecher von Hitachi Rail in Deutschland. "Wir hatten insgesamt zwischen Dezember 2024 und Dezember 2025 einen realen Beschäftigtenaufbau von 3,8 Prozent auf heute deutschlandweit 2.200 Beschäftigte."

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Diese Woche hat die Bahn die Führungsspitze bei Stuttgart 21 getauscht. Und inzwischen wird deutlich: S21 wird wohl um mehrere Jahre verschoben. Das erfuhr der SWR exklusiv.

SWR Extra: Stuttgart 21 - Eröffnung verschiebt sich weiter SWR

Der Aufbau habe fast ausschließlich in den Bereichen Engineering, Installation und Projects stattgefunden. "Also im Kernfeld der für Projekte wie DKS (Digitaler Knoten Stuttgart) relevanten Tätigkeiten rund um digitale Technologien." Insgesamt würden mehr als 70 Prozent der Belegschaft in diesen Bereichen arbeiten. "Darüber hinaus hat Hitachi Rail bereits global bewiesen - unter anderem in Japan, China und den Niederlanden - dass wir Strecken erfolgreich digitalisieren können." Das wolle man auch in Deutschland zeigen.

Bisher wenig Äußerungen zu S21 von Hitachi

Bisher hat sich Hitachi, dessen deutscher Firmensitz in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) ist, mit öffentlichen Äußerungen zu Stuttgart 21 immer zurückgehalten. Abgesehen von einer großen Pressemitteilung, als - damals noch unter dem Firmennamen Thales - die Zusammenarbeit bekannt gegeben wurde. Später verwies der Konzern meist darauf, dass für Anfragen zum Digitalen Knoten die Bahn selbst zuständig sei und man sich nicht äußern könne.

Mit den aktuellen Ausführungen scheint Hitachi nicht nur einen Teil der Berichterstattung der vergangenen Woche einordnen zu wollen. Hitachi scheint damit auch früheren Aussagen vom damaligen Infrastrukturvorstand der Bahn, Berthold Huber, zu widersprechen. Der hatte mehrfach in Pressekonferenzen dargestellt, dass auch zunehmend fehlendes Personal bei Hitachi dazu führe, dass Stuttgart 21 sich wiederholt verschieben würde.

Experte: "Bahn macht Hitachi für Verzögerungen verantwortlich"

Auch der Bahnexperte und Berater Hans Leister aus Berlin nimmt an, dass Hitachi nicht allein schuld an den Verzögerungen ist. Die Digitalisierung der Schiene sei weltweit zukunftsweisend, daher investiere auch Hitachi seit Jahren in diesen Bereich und baue Stellen dafür aus. "Für Hitachi wäre eine Inbetriebnahme von S21 ein tolles Referenzprojekt gewesen, jetzt ist es eher das Gegenteil, weil sich Hitachi plötzlich beschuldigt sieht, die DB-Malaise verursacht zu haben", erklärt Hans Leister dem SWR.

"ETCS ist längst Weltstandard, von Chile bis Vietnam, Ägypten, Israel, jetzt sogar Nordamerika, China und Europa sowieso. Überall wird ETCS verbaut, wenn modernisiert oder neu gebaut wird." Leister sieht daher die Problematik eher in der Digitalisierungsstrategie und Umsetzung der Bahn.

Hans Leister (Zukunft Schiene), Bahnberater aus Berlin, glaubt nicht, dass Stuttgart 21 nur wegen der Digitalisierung wieder nicht rechtzeitig fertig wird.
Hans Leister, Bahnberater aus Berlin, glaubt nicht, dass Stuttgart 21 nur wegen der Digitalisierung nicht rechtzeitig fertig wird.

Digitale Technik immer wieder in der Kritik

Die Digitalisierung des Stuttgarter Bahnknotens im Rahmen von Stuttgart 21 wurde immer wieder kritisiert. Laut Bahn sorgen die Probleme und Herausforderungen mit der neuen Technik zum wiederholten Male für die Verzögerungen beim Großprojekt. Eine SWR-Recherche hat bereits im Dezember gezeigt, dass es noch weitere Probleme beim Stuttgarter Bahnknoten gibt.

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