Weil sich die Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart21 nach SWR-Informationen verzögert, muss der Stuttgarter Kopfbahnhof noch länger als gedacht in Betrieb bleiben. Insider gehen davon aus, dass dies wohl noch bis 2030 nötig ist. Die Bahn sagt auf SWR-Anfrage lediglich, man äußere sich nicht zu Spekulationen. Ein neues Inbetriebnahmekonzept werde bis zum Sommer 2026 erarbeitet. Die Stadt Stuttgart wollte sich am Freitag auf SWR-Nachfrage nicht zum Thema Kopfbahnhof äußern.
Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs verschiebt sich erneut Kommentar zu Stuttgart 21: "Sind die Herausforderungen zu groß gewesen?"
Wieder einmal wird die Fertigstellung von Stuttgart 21 verschoben. Der Schaden, der dadurch immer größer wird, ist nicht nur finanzieller Art, findet SWR Bahn-Experte Harald Kirchner.
Pfaffensteigtunnel wird frühestens 2032 fertig
Sollte der Kopfbahnhof tatsächlich länger genutzt werden müssen, hat dies auch Konsequenzen für den Schienenverkehr über die sogenannte Gäubahn. Für Züge auf dieser Strecke zwischen Zürich und Stuttgart ist vorgesehen, dass sie über den entstehenden elf Kilometer langen Pfaffensteigtunnel den Hauptbahnhof erreichen. Doch der Tunnel wird frühestens 2032 fertig sein.
Zweifel an Wirtschaftlichkeit S21: Pfaffensteigtunnel kurz vor Baubeginn in der Kritik
Der Pfaffensteigtunnel soll künftig Fahrgäste aus Zürich und Singen zum Flughafen Stuttgart und in den neuen S21-Tiefbahnhof bringen. Doch Kritiker zweifeln am wirtschaftlichen Nutzen.
Nach bisheriger Planung sollte die zwischen Singen und Stuttgart verlaufende "Gäubahn" Ende diesen Jahres etwa zehn Kilometer vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof gekappt werden. Ab dann, so war die Planung, sollen Fahrgäste jahrelang in Stuttgart-Vaihingen in S- und Stadtbahnen umsteigen. Denn: Wenn der Tiefbahnhof in Stuttgart voll in Betrieb geht und der Kopfbahnhof stillgelegt wird, fällt auch die oberirdische Anbindung der Gäubahn über die sogenannte Panoramabahn weg.
Bürgermeister fordern: Gäubahn-Kappung verschieben
Dagegen wehren sich nun die Oberbürgermeister von mehreren Städten entlang der Gäubahn. Denn viele ihrer Einwohnerinnen und Einwohner nutzen die Gäubahn für die Fahrt nach Stuttgart und haben durch den nötigen Umstieg einen erschwerten Weg, beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit. Wenn der neue Tiefbahnhof nun später als geplant fertig wird, dann müsse bis dahin auch gewährleistet sein, dass die Gäubahn den Stuttgarter Kopfbahnhof ansteuert, fordern die Oberbürgermeister in einem offenen Brief an die S21-Projektpartner. Eine vorzeitige Kappung sei nicht akzeptabel. Die Oberbürgermeister fordern eine klare, verbindliche Zusage, dass der direkte Anschluss an den Kopfbahnhof bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs aufrechterhalten wird.
"Solange der Tiefbahnhof nicht in Betrieb ist, muss zumindest der umsteigefreie Anschluss an den Stuttgarter Kopfbahnhof erhalten bleiben. Alles andere wäre eine zusätzliche Zumutung für Pendlerinnen und Pendler sowie für unsere Wirtschaftsregion", schreiben die Oberbürgermeister beispielsweise von Böblingen, Herrenberg, Horb, Konstanz und Singen. "Ein zusätzlicher Umstieg würde die Situation weiter verschärfen und das Vertrauen in die Verlässlichkeit des Bahnverkehrs weiter untergraben."
Wollte bis zum S21-Start bleiben Führungswechsel bei S21: Olaf Drescher tritt ab - Klaus Müller folgt nach
Im Juli noch hatte Olaf Drescher als S21-Chef verlängert. Aber mit der verschobenen Eröffnung des Tiefbahnhofs wurde nun doch der Wechsel eingeleitet. Klaus Müller rückt nach.
Technik von Stuttgarter Kopfbahnhof veraltet
Der alte Kopfbahnhof verfügt über ein Stellwerk, das ebenfalls in die Jahre gekommen ist: Es stammt aus den 1970er-Jahren und sollte eigentlich bereits 2019 außer Betrieb genommen werden - wie auch der gesamte Kopfbahnhof, so sahen es zumindest frühere Pläne vor. Bahninsider sagten dem SWR schon 2025, es seien hohe Investitionen in das Stellwerk nötig. Bereits jetzt kommt es durch die alte, marode Infrastruktur immer wieder zu Störungen bei Weichen und Signalen.