Das Bahnprojekt Stuttgart 21 bekommt einen neuen Chef. Das hat die Deutsche Bahn am Dienstag mitgeteilt. Olaf Drescher, der bisherige Chef der bahneigenen Projekt-Gesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU) geht damit früher als noch im Sommer 2025 angekündigt in Rente. Der neue Vorsitzende ab 1. März heißt Klaus Müller. Er ist seit Anfang des Jahres Technik-Chef und somit auch Mitglied der Geschäftsführung der Projektgesellschaft.
So wird nun voraussichtlich Klaus Müller nach tatsächlicher Fertigstellung das rote Band für den neuen Bahnhof in Stuttgart durchschneiden. Er arbeitet seit 25 Jahren im DB-Konzern. In dieser Zeit hat er laut Bahn zahlreiche Erfahrungen gesammelt - in Großprojekten, Fahrplan- und Bauabläufen und der Einführung von digitalen Neuerungen. So war er noch vor dem Wechsel zur PSU Vorstand für Digitalisierung bei der Bahntochter DB InfraGO.
S21-Chef Olaf Drescher wird Tiefbahnhof nicht eröffnen
Für Olaf Drescher dürfte die Entwicklung in Summe eine Niederlage sein. Der 66-Jährige hätte eigentlich bis zur Teil-Eröffnung des Tiefbahnhofs im Dienst bleiben sollen - das hatte er im Juli 2025 noch im Gespräch mit dem SWR selbst betont. Dann allerdings folgte die erneute Verschiebung für den Start von Stuttgart 21 im Herbst - und damit war auch klar, dass Drescher das Projekt nicht zu diesem ersten Abschluss bringen wird.
Tiefrote Zahlen, fehlende Pünktlichkeit, mieser Service Bahn-Manager für radikalen Kurswechsel: Konzern muss sich vom Staat lösen
Die Bahn ist wohl der Konzern mit dem schlechtesten Ruf im Land. Das findet zumindest Stuttgart-21-Projektleiter Olaf Drescher. Er schlägt einen klaren Schnitt vor.
Drescher hatte sich bei mehreren Bahn-Projekten Meriten erworben - so war er Projektleiter bei der Schnellfahrstrecke Berlin - München und wirkte in führender Position auch am Ausbau der Trasse Hamburg - Berlin mit. Als PSU-Chef, wo er seit 2018 tätig ist, konnte Drescher immerhin die Eröffnung der Schnellbahnstrecke Wendlingen - Ulm feiern. Auf den S21-Tiefbahnhof als Krönung der Karriere muss er nun verzichten.
Region Stuttgart mahnt Müller, Digitalisierung voranzutreiben
Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erinnerte an den weiten beruflichen Weg Dreschers: Gestartet sei er in der DDR als Lehrling bei der Deutschen Reichsbahn in Dresden. "Er hat es wirklich weit gebracht - bis zum größten, aber wohl auch umstrittensten Infrastrukturprojekt der Deutschen Bahn." Hermann dankte für die "professionelle und faire" Zusammenarbeit im Lenkungskreis der S21-Projektpartner. Doch er sprach auch die jüngste Verschiebung des Tiefbahnhofs ohne neuen Termin an: Da falle es schwer, "ins Ungewisse ein Lob zum Abschied auszusprechen". Allerdings, so Hermann, wäre ohne Drescher manches bestimmt schlechter gelaufen.
Ohne Olaf Drescher wäre vieles schlechter gelaufen.
In einer ersten Reaktion dankte auch Rainer Wieland für den Verband Region Stuttgart (VRS) Drescher für seine Arbeit. Er merkte aber auch an, dass man auch nach dem Wechsel an der PSU-Spitze auf eine konsequente Fortführung der Digitalisierung poche. "Sie ist der Schlüssel, um die S-Bahn in der Region Stuttgart zuverlässiger und pünktlicher zu machen." Wieland appellierte, weiter für Transparenz bei Steuerungs- und Informationsprozessen zu sorge. Der VRS ist nicht nur S21-Projektpartner, sondern auch hinsichtlich des S-Bahn-Verkehrs eng mit dem Projekt Stuttgart 21 verbunden.